Sie sind hier:

ZDF-Korrespondentin in Mosambik - "Die Menschen hier leiden sehr"

Datum:

Fluten, Verwüstungen, Not - nach Wirbelsturm "Idai" leiden in Mosambik Hunderttausende Menschen. Vor allem Kinder seien betroffen, berichtet ZDF-Korrespondentin Theiß aus Beira.

Hunderttausende haben nach den Zerstörungen und bei Überschwemmungen in Mosambik ihr Zuhause verloren. ZDF-Korrespondentin Sandra Theiß berichtet, es drohe der Ausbruch von Krankheiten, wie Typhus und Cholera.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Weggeschwemmte Häuser, zerstörte Felder und Straßen, Hunderttausende Notleidende - der Wirbelsturm "Idai" hat in Mosambik ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Vor einer Woche traf der Zyklon mit voller Wucht auf Land. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen. Die Stadt Beira sei mit am schwersten getroffen, sagt Sandra Theiß. Die ZDF-Korrespondentin ist in der Hafenstadt unterwegs, in Munhava, dem bevölkerungsreichsten Viertel.

"Überall in der Stadt sind Bäume umgestürzt, auf Häuser, auf Straßen." Es gebe größtenteils keinen Strom. "Es ist sehr schwierig", sagt Theiß. "Die Menschen hier haben sowieso schon wenig, und das Wenige ist zum größten Teil kaputt." Es gebe kaum noch Häuser mit einem Dach. Der Sturm habe die Wellbleche von den Hütten gerissen, sehr viele Menschen seien dadurch verletzt worden.

Infokarte: Mosambik - Beira
Quelle: ZDF

Hälfte der Betroffenen sind Kinder

Mosambik mit seinen 30 Millionen Einwohnern gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Durch den Zyklon, die schweren Regenfälle und Überschwemmungen sind nach Angaben des Welternährungsprogramms WFP 1,7 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Vielen fehlt es am Nötigsten. "Die Menschen hier leiden sehr," sagt ZDF-Korrespondentin Theiß. Schon vor der Katastrophe seien viele mangelernährt gewesen, vor allem Kinder. "Und die trifft es jetzt besonders hart."

Etwa die Hälfte der Betroffenen seien Kinder, sagt die Chefin des Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore. Sie ist bestürzt über das Ausmaß der Katastrophe. Die Menschen seien verzweifelt und bräuchten dringend Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medikamente und andere Hilfsgüter, sagte Fore nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt Maputo.

Auch Theiß berichtet von der schwierigen Versorgungslage. Zwar gebe es kleine Händler in Beira, die an Ständen Lebensmittel verkauften, sagt sie. "Aber das sind dann häufig auch Süßigkeiten oder Chips." Gemüse, Obst oder Reis gebe es nur in geringen Mengen und zu stark gestiegenen Preisen. "Die meisten Leute können sich diesen Reis, den es noch zu kaufen gibt, überhaupt nicht leisten."

Hilfe rollt an - aber nur langsam

Mosambik hat den Notstand ausgerufen und die Welt reagiert. 20 Millionen US-Dollar Soforthilfe stellen die Vereinten Nationen bereit, von der EU kommen 3,5 Millionen Euro. Viele Organisationen wollen ihre Hilfe verstärken, doch die Bedingungen sind schwierig. "Es ist wahnsinnig schwer, die Hilfe zu den Menschen zu transportieren," berichtet Theiß. "Die Lage ist fürchterlich kompliziert, die Kommunikation bricht ständig zusammen." Die meisten Organisationen agierten vom Flughafen in Beira aus.

Zerstörungen durch den Wirbelsturm "Idai" in Mosambik am 21.03.2019
Da die Transportwege zerstört sind, rollt die Hilfe nur schleppend an.
Quelle: ap

In einem Krisenzentrum am Airport wird die Hilfe koordiniert. "Wir haben das Rote Kreuz hier, viele NGOs, Unicef und die WHO," erklärt Notfall-Koordinator Petro Matos. "Wir sorgen dafür, dass jeder weiß, was zu tun ist." Das Problem: Viele Gebiete sind durch die Wassermassen abgeschnitten, Transportwege zerstört. Oft kann die Rettung nur aus der Luft kommen.

"Wir haben Helikopter und ein Transportflugzeug," berichtet Margot Vandervelden vom Welternährungsprogramm. 1.700 Tonnen Lebensmittel seien unterwegs nach Mosambik, die verteilt werden könnten. In den kommenden vier Wochen will das WFP 600.000 Menschen erreichen. Das Rote Kreuz hilft mit Sanitäranlagen und Ausrüstung zur Wasseraufbereitung für Zehntausende Menschen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat eine mobile Klinik gestartet und die ersten Patienten behandelt.

Überschwemmte Landschaft und Menschen, die auf einem Dach Zuflucht suchen am 18.03.2019 in Mosambik
Tausende Menschen warten noch immer auf Dächern und Bäumen auf Hilfe.
Quelle: reuters

Völlig unklar ist das Schicksal der von den Fluten Eingeschlossenen. Rund 3.000 Quadratkilometer Land - eine Fläche größer als das Saarland - stehen laut Regierung unter Wasser. Und noch immer harren etwa 15.000 Männer, Frauen und Kinder auf Dächern und Bäumen aus. Seit Tagen. "Es fehlen Boote und Helikopter, um sie zu retten", berichtet ZDF-Korrespondentin Theiß. "Man versucht jetzt, sie mit Lieferungen aus der Luft zu versorgen und so viele zu retten, wie man kann. Aber das geht eben nicht in großer Zahl." Laut den Vereinten Nationen sind derzeit nur elf Helikopter in Mosambik im Einsatz.

Überschwemmte Landschaft am 21.03.2019 in Mosambik
3.000 Quadratkilometer sind in Mosambik überflutet
Quelle: reuters

Und die Zeit drängt. Auch in Simbabwe und Malawi sind viele Menschen in Not. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor dem Ausbruch von Cholera in den überfluteten Gebieten. Die Gefahr sei groß, dass die hochansteckende Durchfallerkrankung die vielen geschwächten Menschen befalle, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier. Allein Mosambik beklagt schon jetzt fast 300 Tote. Präsident Nyusi geht davon aus, dass die Zahl der Opfer noch steigt. Und das ganze Ausmaß der Katastrophe lässt sich noch immer nicht vollständig abschätzen.

So können Sie helfen:

Frauen waten durch den Schlamm. Sie tragen ihre Habseligkeiten, Chimanimani, 18.03.19

Spendenaufruf Wirbelstürme in Afrika

Wenige Wochen nach Wirbelsturm "Idai" hat Wirbelsturm "Kenneth" Südost-Afrika getroffen. Die beiden Stürme haben verheerende Folgen: Es gibt Hunderte Tote und zerstörte Gebiete.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.