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Landärzte gesucht - Wie junge Mediziner wieder Hausarzt werden

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Die Gesundheitsversorgung auf dem Land wird immer löchriger. Viele Gemeinden beklagen vor allem den Landarztmangel. Bundesweit fehlen schon 2.700 Ärzte.

Landarzt in seiner Praxis
Landarzt in seiner Praxis Quelle: dpa

Im Fall einer Neuauflage der großen Koalition, wollen jetzt auch CDU, CSU und SPD Maßnahmen ergreifen, um allen Bürgern künftig eine flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung, unabhängig von ihrem Einkommen und Wohnort, zu gewährleisten.

Wie und dass es gelingen kann, zeigen schon jetzt viele Projekte im In- und Ausland. So hat Norwegen attraktive Anreize für Medizinstudenten geschaffen, um so den Ärztenachwuchs in die abgelegenen Landstriche zu locken, zum Beispiel nach Hammerfest am Nordkap.

 Vorbild Norwegen

Hammerfest und die ganze Finnmark gehören zu einer Sonderförderungszone. Wer umsiedelt, bekommt einen Teil seines Studienkredites erstattet. Man bezahlt weniger Einkommenssteuern, bekommt mehr Kindergeld, Strom ist von der Mehrwertsteuer befreit. Die Stadt braucht jeden Einwohner und die wiederum brauchen Ärzte. Neben den finanziellen Anreizen ist man in Hammerfest aber noch einen Schritt weitergegangen. Hier wird Medizinstudenten im letzten Studienjahr eine ganz besondere praktische Ausbildung geboten. Eine Gruppe von gerade einmal vier Studenten bekommt ein Jahr lang Intensivkurse, abgestimmt auf die Bedürfnisse im hohen Norden. Hausbesuche bei Patienten, Notfallübungen und regulärer Sprechstundendienst in einer Hausarztpraxis gehören zur Ausbildung.

Mehr Selbstbewusstsein für junge Ärzte

Die Idee zu diesem Modellversuch hatte Ingrid Petrikke Olsen. Die Gynäkologin und Dozentin an der Arktischen Universität Tromsø ist in Hammerfest geboren. Sie ist  überzeugt, dass eine solche Ausbildung jungen Ärzten mehr Selbstbewusstsein geben und zugleich die Begeisterung für die Region fördern kann. Student Lars Rødland ist Teilnehmer des Pilotprojektes und stammt vom Nordkap. Er freut sich, wieder in seiner Heimat zu sein. Er ist überzeugt, dass das Programm auch Studenten aus den größeren Städten begeistern kann. "Ich denke, es ist ganz einfach, du lernst Leute kennen, du kommst ihnen näher, es werden Freunde. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du bleibst."

So wie vielleicht seine Kommilitonin Ingvild Elverud. Sie kommt aus der Nähe von Oslo: "Es fühlt es sich hier nach einer netteren Gemeinschaft an. Oslo ist zu groß und unpersönlich. Ich kann mir gut vorstellen hier zu bleiben." Beide sollen sich möglichst nach ihrem Studium hier als Hausärzte niederlassen. Im nächsten Jahr sollen schon 12 Studenten an dem Programm in Hammerfest  teilnehmen.

Hammerfest - ein Modell für Deutschland?

Auch im Bundesland Thüringen herrscht in vielen ländlichen Regionen akuter Ärztemangel. Um dem entgegenzuwirken bietet die Kassenärztliche Vereinigung (KZV) Thüringen ebenfalls finanzielle Anreize.

Sabine Kuhnen ist Mitte dreißig, Mutter von drei Kindern und Ärztin. Eine Praxis zu übernehmen, sich in Schulden zu stürzen, diesen Schritt hätte sie nicht gewagt. Doch dann bot die KZV Thüringen ihr eine Alternative an. Im 2.800-Einwohner-Örtchen Gräfenthal kaufte die KZV eine verwaiste Praxis und stellte Sabine Kuhnen dort für zwei Jahre in Teilzeit an. So hat die junge Ärztin die Möglichkeit, sich einzuleben und kann testen, ob sie die Praxis nach der "Probezeit" übernehmen will. Auf diese Weise hat die Kassenärztliche Vereinigung schon mehrere Praxen gerettet und Ärzte für die Region gewinnen können.

Bayern: Stipendien für zukünftige Landärzte

Noch einen Schritt weiter geht die Gemeinde Büsum an der Nordsee. Als der letzte Arzt zu verschwinden drohte, hat die Kommune einfach selbst ein Ärztehaus eröffnet und dort fünf Mediziner festangestellt. Eine Verwaltung übernimmt die administrativen Arbeiten. Ärzte müssen sich nicht verschulden, um eine Praxis zu gründen und können in Büsum im Team arbeiten. Auch Teilzeitmodelle sind jederzeit möglich.

Das Land Bayern stemmt sich mit dem "Masterplan Medizinstudium 2020" gegen den Landarztmangel. Der sieht vor, dass Bewerber, die sich schon vor Studienbeginn für den Beruf des Landarztes verpflichten, bevorzugt zugelassen werden und zusätzlich ein Stipendium erhalten.

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