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Die Hessen haben gewählt - Was Sie jetzt zur Wahl wissen müssen

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Schwarz-Grün kann seine Mehrheit hauchdünn verteidigen. Die Grünen gewinnen zwar hoch, doch die Verluste der CDU sind deutlich. Alles Wichtige zur Wahl hier im Überblick.

Die Ergebnisse im Überblick

  • Die CDU bleibt stärkste Kraft, verliert aber deutlich. Sie kommt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 27 Prozent. 2013, bei der letzten Landtagswahl, waren es noch 38,3 Prozent.
  • Die Grünen, Koalitionspartner der CDU, sind mit 19,8 Prozent der große Wahlgewinner des Abends. Sie gewinnen 8,8 Prozentpunkte hinzu - ihr bestes Hessen-Ergebnis aller Zeiten. Zudem gewinnen die Grünen erstmals Direktmandate in Hessen: Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir (Offenbach-Stadt), Hildegard Förster-Heldmann (Darmstadt-Stadt I), Vanessa Gronemann (Kassel-Stadt I), Miriam Dahlke (Frankfurt am Main II) und Marcus Bocklet (Frankfurt am Main V).
  • SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel scheitert auch bei seinem dritten Versuch, Ministerpräsident zu werden. Die Sozialdemokraten kommen auf 19,8 Prozent - nach 30,7 Prozent 2013.
  • Die Linke zieht erneut in den Wiesbadener Landtag ein - diesmal sogar deutlich. Nach der dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommen sie auf 6,3 Prozent - nach 5,2 Prozent 2013.
  • Auch die FDP legt zu. Sie kommt auf 7,5 Prozent - 2,5 Prozentpunkte mehr als 2013.
  • Die AfD zieht erstmals in den Wiesbadener Landtag ein. 2013 hatte es mit 4,1 Prozent noch nicht gereicht - jetzt kommt sie auf 13,1 Prozent.
  • Die Wahlbeteiligung liegt bei 68 Prozent. 2013 lag sie noch bei 73,2 Prozent.

Welche Koalitionen jetzt denkbar sind

Laut ZDF-Politbarometer fände eine Mehrheit der Befragten die Fortsetzung einer schwarz-grünen Koalition gut. Nach dem vorläufigen Ergebnis haben die beiden Parteien mit ihren Spitzenkandidaten Volker Bouffier und Tarek Al-Wazir nun eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz. Auch eine Große Koalition aus CDU und SPD wäre möglich. Ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP hätte eine sichere Mehrheit. Eine Schwampel-Koalition aus CDU, SPD und FDP gilt als unwahrscheinlich.

Warum die Hessen so gewählt haben

Die Forschungsgruppe Wahlen hat am Wahlsonntag Tausende Wähler nach ihren Motiven befragt. Die ausführliche Blitzanalyse finden Sie hier, die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Für den Einbruch von CDU und SPD gibt es landes- wie bundespolitische Gründe. Beide Parteien können in Hessen nur bedingt mit politischen Leistungen, Spitzenpersonal oder Sachkompetenzen überzeugen. Doch auch der bundespolitische Einfluss war hoch: 60 Prozent der Befragten meinen, die Große Koalition schade der CDU in Hessen. Immer noch 54 Prozent geben an, sie schade der SPD. Speziell der CDU fehlt auch der Merkel-Bonus, den sie vor fünf Jahren noch hatte. Nur noch 13 Prozent meinen, dass die Kanzlerin für die Hessen-CDU bei der Landtagswahl hilfreich war.
Blitzanalyse Infografik
Die Große Koalition schadet CDU und SPD in Hessen.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen
  • Die Grünen punkten vor allem mit einem verbesserten Image. Die Partei hat hier ihren Koalitionspartner CDU eingeholt (beide 1,5 auf einer +5/-5-Skala). Außerdem bekommen die Grünen für ihre Arbeit in der schwarz-grünen Koalition bessere Noten als die CDU und stellen den beliebtesten Spitzenpolitiker Hessens: Mit viel Ansehen in fast allen politischen Lagern erreicht Tarek Al-Wazir einen Wert von 1,6. Dass die Grünen für 69 Prozent aller Befragten "in Hessen für eine moderne, bürgerliche Politik" stehen, zeigt auch das Wahlergebnis bei den unter 30-Jährigen: Dort sind die Grünen längst stärkste Kraft.
  • Bei den Top-Themen punkten verschiedene Parteien. Beim Thema "Bildung und Schule" trauen die Befragten CDU und SPD (28 und 26 Prozent) am meisten zu. Im Bereich "Wohnungsmarkt", dem zweitwichtigsten Thema in Hessen, setzen die Befragten am ehesten auf die SPD, in der "Verkehrspolitik" auf die Grünen. Das Thema "Flüchtlinge und Asyl" spielt im Gegensatz zu anderen Bundesländern eine eher geringe Rolle: Für 70 Prozent kann Hessen den Zuzug von Flüchtlingen verkraften.
Grafik: Landtagswahlen Hessen - Wen wählten die... unter 30-Jährigen
Bei den unter 30-Jährigen stärkste Kraft: die Grünen.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Warum die Hessen-Wahl gerade wichtig ist

Die Spitzenkandidaten von CDU und SPD haben im Wahlkampf immer wieder betont: Bei dieser Wahl geht es um Hessen - und nicht um die Große Koalition in Berlin. Das stimmt natürlich: In Hessen wurde über die Arbeit der Landesregierung abgestimmt. Über die gute wirtschaftliche Lage, die CDU und Grüne hinterlassen. Über die ruhige, angenehm sachliche Regierungs- und Zusammenarbeit. Und natürlich auch über marode Schulgebäude, Unterrichtsausfälle und hohe Mieten.

Dennoch gilt der Urnengang der Hessen auch als mögliche Schicksalswahl für die Große Koalition in Berlin. Die aktuelle Hochrechnung zeigt: Wie schon in Bayern fahren die Volksparteien herbe Verluste ein. Beide verlieren zweistellig. Die Hessen-Wahl wird zwar erst einmal nicht das Ende der Großen Koalition bedeuten. Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte schätzt sogar, dass das Ergebnis Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stabilisiert. Die Diskussionen um die Große Koalition dürften aber nicht abreißen. Denn: Dass die CDU ihr Ziel erreicht, stärkste Kraft zu bleiben, ist nur ein Trostpflaster. Mit Werten um die 27 Prozent sind die Christdemokraten weit vom eigenen Anspruch entfernt. Um die SPD wiederum ist es bereits so schlecht bestellt, dass sie über so ein Ergebnis mal wieder froh wäre.

Grafik: Landtagswahlen in Hessen - Wahlergebnisse seit 1946 gemäß Hochrechnung 23:27 Uhr
Landtagswahl in Hessen: Die Grünen so stark wie nie - die SPD so schlecht wie nie.
Quelle: ZDF

Was ZDF-Chefredakteur Peter Frey kommentiert

"Die Hessen-Wahl zwingt die Große Koalition zum Handeln", kommentiert ZDF-Chefredakteur Peter Frey. "Nur Sacharbeit zu beschwören, wird sie nicht retten. Auch Stil und Personal müssen sich ändern." Und: "Die AfD zieht ins 16. Landesparlament ein. Auch in Hessen gibt es viele Unzufriedene, die trotz mangelnder Abgrenzung nach ultra-rechts AfD wählen. Unklare Verhältnisse - die AfD erschüttert das bisherige Parteiensystem, lässt Koalitionen schrumpfen. CDU und SPD haben dagegen noch kein Rezept gefunden."

Wie die Parteien reagieren

Freude bei den Wahlsiegern, dicke Luft bei den Wahlverlierern - vor allem bei der SPD. "Das ist ein schlechtes Ergebnis", sagt Generalsekretär Lars Klingbeil. "Da will ich gar nicht drum herum reden." Auch Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel gesteht: "Wir haben nicht ansatzweise das Ergebnis erhalten, das wir haben wollten."

Die SPD hätte "mit Leidenschaft" gekämpft, sagt Klingbeil, die "richtigen Themen" gesetzt. Auch die Parteivorsitzende Andrea Nahles sagt, der Spitzenkandidat habe "nichts falsch gemacht". Dass die Sozialdemokraten dennoch verloren hätten, "lag an Berlin", sagt Klingbeil. Die Große Koalition will er aber nicht in Frage stellen. Die SPD müsse allerdings herausfinden, wie sie innerhalb der Regierung wieder stärker werden könne.

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Große Freude dagegen bei den Grünen. "Es ist ein wunderbarer Tag für uns Grüne", jubelt Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir nach dem besten Hessen-Ergebnis aller Zeiten. "So grün war Hessen noch nie." Mit ihrer Regierungsarbeit hätten die Grünen in den letzten fünf Jahren viel Vertrauen gewonnen. "Die Menschen trauen uns etwas zu." Und das Wahlergebnis sei "ein Auftrag an uns, dass wir weitermachen", sagt Al-Wazir - in Sachen Energie-, Agrar- und Verkehrswende, aber auch in der Verteidigung einer offenen Gesellschaft.

Bei der FDP ist die Freude über einen "stetigen, nachhaltigen Gewinn an Substanz" groß, wie Parteichef Christian Lindner sagt. Hätte es am Ende des Tages nicht für Schwarz-Grün gereicht, signalisierte Lindner zudem Bereitschaft, sich an einer Regierung zu beteiligen. "Wir stehen immer zur Verfügung." Auch Spitzenkandidat René Rahn sagt: "Wir wären für Sondierungsgespräche bereit."

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Gemischte Gefühle bei der Linken. Spitzenkandidatin Janine Wissler freut sich zwar über das beste Ergebnis, dass die Linke in Hessen je hatte. Die Partei hätte sich aber, gerade nach den Umfragen, ein besseres Ergebnis erhofft, sagt die Parteivorsitzende Katja Kipping.

Weitere Reaktionen der Spitzenkandidaten:

Weitere Reaktionen aus der Bundespolitik:

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