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Landtagswahl in Thüringen - AfD punktet vor allem bei jungen Wählern

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Bei unter 30-Jährigen gewinnt die AfD in Thüringen die meisten Stimmen. Im Osten ist die AfD keine Partei der alten Leute. Woran liegt das?

Fähnchen der AfD.
Bei der Landtagswahl in Thüringen landete die AfD mit mit 23,4 Prozent der Wählerstimmen auf Platz zwei.
Quelle: Daniel Karmann/dpa

Die Grünen als Volkspartei vorneweg, alle anderen dahinter. So sahen die politischen Präferenzen der Jungwähler in Deutschland bis zuletzt aus. Gleich ob bei den hessischen Landtagswahlen im Oktober 2018, den Wahlen zum Europaparlament im Mai und selbst noch bei der Landtagswahl in Brandenburg im September: die Grünen holten in der Altersgruppe bis 30 Jahre die meisten Stimmen.

Doch schon in Brandenburg deutete sich an: in Ostdeutschland sieht die Lage anders aus. Mit 20 Prozent, nur vier Prozent weniger als die Grünen, lag die AfD auf Platz zwei bei den jungen Wählern. Parallel in Sachsen und jetzt in Thüringen war der Trend noch deutlicher: 21 Prozent aller Wähler in Sachsen beziehungsweise 25 Prozent aller Wähler unter 30 Jahren in Thüringen machten ihr Kreuz bei der AfD. Mehr als bei jeder anderen Partei. Umgekehrt wählten 41 Prozent der über 60-Jährigen den Wahlsieger die Linke. Es sind also nicht vor allem die Alten, die die AfD in den ostdeutschen Bundesländern mobilisieren kann – sondern unerwartet viele junge Wähler.

Frust wird über Generationen weitergegeben

Erinnerungen wie die an Arbeitslosigkeit oder daran, dass früher mutmaßlich alles besser war, werden teils über Generationen weitergegeben.
Professor Kai Arzheimer, Universität Mainz

Der Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz betont, dass die AfD besonders dort stark ist, "wo Menschen abgewandert und Gegenden abgehängt sind". "Erinnerungen wie die an Arbeitslosigkeit oder daran, dass früher mutmaßlich alles besser war, werden teils über Generationen weitergegeben. Die Erzählungen von Eltern und Großeltern können prägend für die Kinder sein, die in abgehängten Gebieten zurückgeblieben sind", erklärt Kai Arzheimer. So kann die AfD vom über Jahrzehnte gewachsenen Frust vieler Menschen in Thüringen profitieren.

"Thüringen ist für eine Partei wie die Grünen ungünstig", sagt Arzheimer mit Blick auf die kaum vorhandenen Universitätsstädte, die junge Wähler anziehen und binden könnten. Und tatsächlich kamen die Grünen nur in zehn der 44 Wahlkreise überhaupt über die Fünf-Prozent-Hürde. Lediglich in Teilen Erfurts, Jenas und Weimars kamen die Grünen auf mehr als zehn Prozent.

Arzheimer geht davon aus, dass die Wahlerfolge der AfD unter jungen Wählern auch nicht mit einem typischen Protestwählverhalten zu erklären sind. "Viele AfD-Wähler behaupten inzwischen von sich, Stammwähler und keine Protestwähler zu sein. Die Partei wird nicht mehr so leicht verschwinden." Besondere Botschaften gezielt an junge Wähler konnte der Forscher im zurückliegenden Wahlkampf aber nicht erkennen. "Das Thema Migration und Ausländer ist für alle AfD-Anhänger inzwischen das dominierende Thema."

Sorgenkind Junge Alternative

Die AfD institutionalisiert sich. Sie stellt immer mehr Mitarbeiter an, hat 2017 eine eigene Parteistiftung gegründet. Diese Projekte können prinzipiell auch dazu dienen, eine junge, neue Parteielite heranzuziehen. Forscher Kai Arzheimer ist jedoch skeptisch: "Bei den Parteitagen sieht man primär alte Männer und grundsätzlich streben junge Menschen nur wenig in Parteien. Die AfD ist zusätzlich keine gute Option, wenn jemand Karriere machen möchte, da es nur wenig Perspektive auf Regierungsbeteiligung gibt."

Auch sei der Status von mehreren Landesverbänden der Jugendorganisation Junge Alternative (JA) strittig. Nachdem der Verfassungsschutz erklärte, die JA-Gruppen in Bremen und Niedersachen zu beobachten, löste die Mutterpartei Ende 2018 die niedersächsische Jugendorganisation auf. Den früheren Bremer JA-Vorsitzenden Lars Steinke schloss sie aus der Partei aus. "Einen deutlichen Zuwachs an Parteieintritten – insbesondere von jungen Menschen – erwarte ich darum auch nach den aktuellen Wahlergebnissen nicht", so Demokratieforscher Kai Arzheimer.

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