Brandenburg: Zahlen, Reaktionen, Analysen

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Die Landtagswahl im Überblick - Brandenburg: Zahlen, Reaktionen, Analysen

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Die Brandenburger haben Rot-Rot abgewählt: Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis verliert die SPD stark, bleibt aber die Nummer eins. Die AfD wird zweitstärkste Kraft.

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Die Wahlergebnisse im Überblick (vorl. amtl. Endergebnis):

  • Die SPD verliert deutlich, bleibt aber mit 26,2 Prozent stärkste Kraft. Bei der Landtagswahl 2014 erreichten die Sozialdemokraten in ihrem Stammland noch 31,9 Prozent.
  • Die AfD auf Höhenflug: Mit 23,5 Prozent der Stimmen verdoppelt sie ihr Ergebnis von der vergangenen Landtagswahl und wird zweitstärkste Kraft.
  • Die Linke, die seit 2009 in einer Koalition mit der SPD das Land regiert, büßt etwa acht Prozentpunkte ein und kommt auf nur noch 10,7 Prozent.
  • Die CDU verliert ebenfalls deutlich von 23 Prozent im Jahr 2014 auf jetzt 15,6 Prozent
  • Die Grünen legen nicht ganz so stark wie erwartet zu und kommen auf 10,8 Prozent. Zudem gewannen die Grünen ein Direktmandat - nach Parteiangaben zum ersten Mal in Ostdeutschland überhaupt. Marie Schäffer setzte sich in Potsdam gegen die SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz durch, die sich mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz um den SPD-Vorsitz bewirbt.
  • BVB/Freie Wähler kommen auf 5,0 Prozent. Ihr Spitzenkandidat Péter Vida gewann zudem das Direktmandat in seinem Wahlkreis Barnim II mit 23,8 Prozent der Erststimmen.
  • Die FDP verpasst die Fünf-Prozent-Hürde - sie kommt lediglich auf 4,1 Prozent.
Landtagswahl Brandenburg: Gewinne und Verluste
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Die Wahlbeteiligung war deutlich höher als bei der vergangenen Landtagswahl: 60 Prozent der etwa 2,1 Millionen wahlberechtigten Brandenburger gaben ihre Stimme ab. 2014 war die Beteiligung mit 47,9 Prozent die niedrigste seit der Wende.

Diese Koalitionen sind in Brandenburg jetzt möglich:

Die Regierungsbildung in Brandenburg dürfte deutlich schwieriger werden als bei der letzten Wahl. Die bisherige rot-rote Koalition hat ihre Mehrheit verloren und kommt nur noch auf 35 Sitze statt der erforderlichen 45 Sitze. SPD-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Dietmar Woidke muss sich jetzt neue oder weitere Partner suchen. Eine Koalition mit der AfD lehnen alle Parteien ab.

Landtagswahl Brandenburg: Sitzverteilung
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen
  • Rechnerisch wäre eine Koalition von SPD, CDU und Grünen möglich. Sie käme auf 50 Sitze.
  • Auch ein Dreier-Bündnis aus SPD, Linken und Grünen wäre möglich - es hätte mit 45 Sitzen eine sehr knappe Mehrheit.
  • Ebenfalls machbar wäre nach jetzigem Stand eine Koalition aus SPD, CDU und BVB/Freien Wählern - ebenfalls sehr wackelig mit nur einer Stimme Mehrheit.
  • Wie die Parteien inhaltlich zueinander passen, zeigt unser Koalitions-Navi.
Landtagswahl Brandenburg: Mögliche Koalitionen
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

So haben die einzelnen Wahlkreise gewählt:

Wie die Parteien in den einzelnen Wahlkreisen abgeschnitten und wo sie ihre treuesten Wähler haben, können Sie auf unserer interaktiven Karte nachverfolgen.

Warum die Brandenburger so gewählt haben

Die Analyse der Forschungsgruppe Wahlen erklärt, warum die Wahl in Brandenburg so ausgefallen ist. Einige Ergebnisse dieser Analyse zusammengefasst:

  • Unzufrieden mit Regierung: Offenbar waren die Wähler mit der Leistung der Koalition wenig zufrieden. Die Arbeit der SPD wird auf einer +5/-5-Skala mit mageren 0,6, die der Linken mit -0,1 bewertet - vor fünf Jahren bekam die SPD noch 1,7 und die Linke 0,6.
  • Motiv Denkzettel: Die Mehrheit der AfD-Wähler in Brandenburg (53 Prozent) gab als Motiv für ihre Wahlentscheidung an, den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen zu wollen, und 43 Prozent, die Partei wegen ihrer Inhalte zu wählen.

So reagieren die Parteien auf das Wahlergebnis

Die SPD: Für die Sozialdemokraten kam es in Brandenburg nicht ganz so schlimm, wie zeitweise befürchtet würde, als die AfD in Umfragen vor den Sozialdemokraten lag. Entsprechend erleichtert zeigte sich Ministerpräsident Dietmar Woidke. Er äußerte sich allerdings besorgt über das Erstarken der AfD und räumte ein, dass seine Partei vor großen Herausforderungen stehe. Die SPD habe klare Kante gegen Rechts bewiesen, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im ZDF. Allerdings habe er angesichts der enormen Verluste seiner Partei auch "sehr gemischte Gefühle".

Die AfD: "Die AfD ist gekommen, um zu bleiben", jubelt AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz über die starken Zugewinne in Brandenburg. "Jetzt geht es erst richtig los." AfD-Chef Jörg Meuthen spricht von einer Zeitenwende.

Die Linke: Linken-Chefin Katja Kipping zeigte sich enttäuscht über die herben Verluste ihrer Partei. "Solche Zahlen schmerzen", sagte Kipping im ZDF.

Die CDU: Enttäuschung und Betroffenheit bei den Christdemokraten, die in Brandenburg von je her schwächelt und nun auf Platz drei hinter der AfD landete. Er fühle sich als Spitzenkandidat dafür verantwortlich, sagte Ingo Senftleben in Potsdam. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus zieht Konsequenzen für die Koalition in Berlin: "Wir müssen im Herbst jetzt liefern" und "das ein bisschen besser kommunizieren als in der Vergangenheit".

Die Grünen: Der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, ist zufrieden mit dem Ergebnis in Brandenburg und auch in Sachsen: "Wenn man es einordnet in den größeren Rahmen, ist es ein fantastisches Ergebnis. Das stärkste Ergebnis in beiden Ländern, das wir je hatten", sagte er im ZDF. In beiden Ländern seien Bürger, die potenziell die Grünen gewählt hätten, zu den Regierungsparteien gewechselt, um zu verhindern, dass die AfD stärkste Kraft wird.

Die FDP: Parteichef Christian Lindner bedauert, dass die FDP den Einzug in den Landtag nicht schafft. Der Anlauf zurück in die Parlamente dauere offensichtlich länger.

Die Reaktionen aus Brandenburg und Berlin im Video:

ZDF-Chefredakteur Frey zu den Landtagswahlen:

30 Jahre Einheit, doch Deutschland ist noch lange nicht einig. Die AfD ist in Sachsen und Brandenburg erfolgreich, aber ihre hochfliegenden machtpolitischen Ziele erreicht die Partei nicht. Ein Kommentar von ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Alles zur Landtagswahl in Sachsen hier:

Landtagswahl in Sachsen: Ergebnisse in den Wahlkreisen

Die Landtagswahlen im Überblick -
Sachsen: Zahlen, Reaktionen, Analysen
 

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von Kevin Schubert
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