Sie sind hier:

Industrielle Landwirtschaft - Kampf gegen erschöpfte Böden

Datum:

Industrielle Landwirtschaft führt zur Überbeanspruchung der Böden. Deren Fruchtbarkeit schwindet, am Ende sind sie ausgelaugt. Dabei sind die Methoden zur Regeneration vielfältig.

Umstrittener Einsatz von Herbiziden auf einem Feld
Umstrittener Einsatz von Herbiziden auf einem Feld
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Mit Hilfe von Monokulturen, Hochertragssorten und Dauerbepflanzungen soll die Welternährung gesichert werden. Die Agrarindustrie nutzt die Böden, als wären sie unerschöpflich. Die Studie "Down to earth - Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft" im Auftrag der Grünen des Europaparlaments belegt jedoch: Die Turbolandwirtschaft übernutzt das Ökosystem Boden.

Stetig sinkende Humusgehalte

Insbesondere die nährstoffhungrigen Nutzpflanzen wie Mais, Rüben und Kohl entziehen dem Boden enorm viel Stickstoff. Und da sich der Anbau mit den Hochertragspflanzen ständig fortsetzt, erleiden die Böden ein regelrechtes Burn-out ihrer Fruchtbarkeit. Experten sprechen von einer Bodendegradation. "Die Daten, die man mit dem europäischen Bodenbeobachtungssystem LUCAS in den letzten Jahren mit viel Aufwand erhoben hat, zeigen folgendes: Die Humusgehalte sind in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Das sind bedrohliche Anzeichen dafür, dass wir die Ressource Boden nicht ernst genug nehmen und falsche Praktiken der landwirtschaftlichen Bodennutzung betreiben" - so Martin Häusling, Mitglied im EU-Agrarausschuss (AGRI).

In Deutschland etwa werden jährlich 100 Kilogramm Düngemittel pro Hektar ausgebracht, um die Bodenfruchtbarkeit stabil zu halten. Die enge Taktung zwischen Aussaat und Ernte macht eine künstliche Nährstoffzufuhr, insbesondere von Stickstoff, notwendig. Und das hat Folgen: "Eine intensive Landwirtschaft führt zu einem Verlust der biologischen Vielfalt im Boden. Enge Fruchtfolgen, intensive stickstofflastige Düngung und ein hoher Pflanzenschutzmitteleinsatz sowie das Fehlen von organischem Material, welches Lebensgrundlage für die Bodenorganismen ist, führen zu einer Verschlechterung der biologischen Vielfalt im Boden", meint EU-Agrarexperte Martin Häusling.

Schlechte Böden ziehen Landflucht nach sich

Nach Angaben der UN-Welternährungsorganisation FAO gelten derzeit mehr als 20 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen als geschädigt, das heißt, ihnen fehlt die Bodenfruchtbarkeit. Diese Degradation schreitet mit alarmierender Geschwindigkeit von zwölf Millionen Hektar pro Jahr fort. So nehmen Landflucht und die Zahl der Hungernden stetig zu.

In keinem Land mit intensiver Agrarwirtschaft gibt es eine Richtlinie für den  Bodenschutz und den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Die EU hat im Jahr 2014 kapituliert. Es gab keine Einigung zwischen den Regierungen und dem EU-Parlament - auch Deutschland hatte die Bodenschutzrichtlinie ausgebremst. In der Folge zog die EU-Kommission die angestrebte Richtlinie zurück.

Verschiedene Wege der Bodentherapie

So wenden bislang nur die kleinbäuerlichen Betriebe sowie der Ökolandbau natürliche Bodentherapien an: Dazu gehört der Anbau unterschiedlicher Feldfrüchte. Der dabei stattfindende ständige Anbauwechsel - etwa von Getreide und Hülsenfrucht - führt zu einem vielfältigen Auf- und Abbau der im Boden enthaltenen Nährstoffe. Das erhöht den Humusgehalt des Bodens,  wodurch die Nährstoffe langfristig erhalten bleiben. Eine sinnvoll gestaltete Fruchtfolge vermindert auch den Befall von Pflanzenkrankheiten sowie von tierischen Schädlingen. 

Eine andere Maßnahme ist der Einsatz von Gründüngungspflanzen. Lupinen, Klee und Wicken durchlockern mit ihren Wurzeln den Boden. Und da die Gründüngungspflanzen nicht der Ernährung dienen, also nicht geerntet werden, gelangt deren organische Masse am Ende der Vegetationsperiode in den Boden, verbessert ihn in seiner Qualität.

Auch veränderte Landnutzung ist eine Möglichkeit, die Bodenqualität zu verbessern. Hierbei wird ein Gebiet mit ausgelaugtem Boden für einige Zeit aus der Nutzung genommen, damit sich die Vegetation erholen kann.

Grundsätzliches Umdenken notwendig

Um unsere Böden vor der totalen Erschöpfung zu bewahren, ist ein Umdenken in der Bodenpolitik notwendig. Zudem müssen Gelder bereitgestellt werden für die Bauern, die einige ihrer Flächen "in Kur" schicken, also vorübergehend keine Erträge erwirtschaften. Für Martin Häusling steht fest: "Was wir brauchen ist ein Humusaufbau-Programm für die Böden - mit Fruchtfolgen. Darüber hinaus muss Bodenschutz ein wichtiges Thema der Aus- und Fortbildung und landwirtschaftlichen Beratung werden."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.