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Landwirtschaft und Klimaschutz - Wer überleben will, passt sich an

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Egal ob Landwirte kurzfristig Hilfe erhalten oder nicht - über kurz oder lang wird sich die Landwirtschaft anpassen müssen. Ein Überblick, wie Klimaschutz für Bauern aussehen kann.

Rapsfeld in Nordrhein-Westfalen
Rapsfeld in Nordrhein-Westfalen
Quelle: dpa

Deutschlandweit kämpfen Bauern mit der Dürre. Und während die Felder weiter und weiter austrocken, verdichtet sich ein Verdacht: Dafür ist der Klimawandel verantwortlich - und für den Klimawandel ist der Mensch verantwortlich. Klimaforscher warnen schon seit längerem vor ausgedehnten Hitzeperioden mit steigenden Temperaturen. Dieser Sommer sei nur eine weitere Bestätigung.

Dabei sieht der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auch die Landwirtschaft in der Verantwortung. Denn Landwirte, vor allem industriell arbeitende, produzierten in großem Umfang schädliche Klimagase wie Methan oder Lachgas, hinzu komme der Energieverbrauch. Die Auswirkungen erlebt die Branche unmittelbar, da sie wetterabhängig ist.

"Klar ist: Weil sich das Klima ändert, muss die Landwirtschaft ihre Bewirtschaftungssysteme nachhaltig und grundlegend verändern." Diese Erkenntnis teilen auch der Deutsche Bauernverband (DBV) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Sie forderte zuletzt angesichts der Klimaveränderung ein Umdenken der Landwirtschaftspolitik.

Zwei Ansätze zur Klimafreundlichkeit

Doch wie soll das gehen? "Im Grunde haben wir zwei Ansätze", erklärt DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Zum einen sei das der Beitrag der Landwirtschaft in anderen Bereichen der Gesellschaft, um dort nachhaltiger zu werden. Das passiere vor allem in der Energiegewinnung mit Biomasse und der Nutzung von Gülle und Bio-Kraftstoffen. Damit könnten 120 bis 125 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Der zweite Ansatz befasst sich mit der klimafreundlicheren Landwirtschaft als solche. Dabei gehe es vor allem um eine effizientere Produktion. "Also mit weniger Input eine höhere landwirtschaftliche Erzeugung zu leisten." Krüsken betont auch, dass so Treibhausgase, insbesondere Methan-Emissionen, reduziert werden können. "Gleichzeitig können wir auch in der CO2-Speicherung etwas tun." Dabei spiele das Erdreich eine wichtige Rolle, denn humusreiche Böden können CO2 aus der Luft aufnehmen.

Spezielle Züchtungen sollen Dürre standhalten

Gegen den stetigen Temperaturanstieg werden ebenfalls Lösungen gesucht. Bei vermehrten Dürre-Perioden kann nämlich die Forschung helfen. "Die Trocken-Stress-Resistenz lässt sich züchterisch bearbeiten", sagt Krüsken. Hier hält er auch den Einsatz von Gentechnik für denkbar, denn sie beschleunige den Züchtungsprozess.

Effizient sei es, überschüssige Ernteerzeugnisse intelligenter für die Tierfütterung einzusetzen. Denn auf tierische Produkte müsse man nicht verzichten. "Klimafreundliche Landwirtschaft heißt aus unserer Sicht nicht, dass Tierhaltung endet, sondern dass Fleisch, Milch und Eier möglichst klimaeffizient erzeugt werden." Deutschlandweit werde zudem immer noch mit viel zugekauftem Stickstoffdünger gearbeitet, obwohl stattdessen auch die inländische Gülle besser verteilt werden könnte. "Biologische Gülle nutzen und damit Mineraldünger einsparen - das ist auch klimafreundlich."

Ist Bio-Landwirtschaft die Lösung?

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, hat einen weiteren Vorschlag. Die jetzige Agrarpolitik trage nicht zu den Veränderungen bei, die gerade dringend gebraucht werden, sagte zu Löwenstein im ZDF morgenmagazin. Stattdessen sei ökologischer Landbau ein Weg, dem Klimawandel entgegenzukommen. Die Vorzüge seien klar: Vielfältigere Fruchtfolgen sowie der Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide würden die Böden lebendiger und beständiger gegen Dürre und Starkregen machen.

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium ist die Zahl der Bio-Höfe im letzten Jahr zwar gestiegen, trotzdem betrieben 2017 nur knapp acht Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ökologischen Landbau.

Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband relativiert hingegen die Vorteile des Bio-Ansatzes. In der modernen Landwirtschaft werde der Boden nur noch gelockert, nicht gepflügt. Dadurch steige der Humusgehalt. Allerdings gibt es dann auch mehr Unkraut. Und wie bekämpft man das? "Es ist der Grund für den gestiegenen Glyphosat-Einsatz", so Krüsken. Öko-Höfe lockern den Boden stattdessen regelmäßig leicht. Das koste dann aber wieder Kraftstoff.

1,8 Milliarden Euro für Klimamaßnahmen nötig

Egal welche Lösungsansätze man verfolgt - klar ist, dass Klimaschutz nicht gratis ist. Umstellungen kosten Geld, und dieses soll von der Bundesregierung kommen. Circa sechs Milliarden Euro hat der Staat dafür an EU-Geldern zur Verfügung, doch fast fünf davon werden aktuell als Direktzahlungen an die Betriebe vergeben - ganz ohne Gegenleistung. Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist das nicht nachvollziehbar. Seiner Meinung nach sollen nur Betriebe gefördert werden, die "umwelt-, tier-, klima- und artenfreundlich arbeiten", sagte er dem "Handelsblatt".

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit befürwortet Hofreiters Kritik. "Wir sind aber der Auffassung, dass alle Zahlungen an die Landwirtschaft an die Erbringung von Leistungen für die Gesellschaft gebunden werden", heißt es aus dem Ministerium. Subventionen sollen nicht mehr von der Größe der Nutzfläche abhängig sein und zukünftig an hohe Umweltauflagen geknüpft sein. Das Umweltministerium geht davon aus, dass für die Umsetzung dieser Pläne über 1,8 Milliarden Euro aufgewendet werden müssten.

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