Sie sind hier:

Ernährungsreport - "Es bringt nichts, wenn es nicht schmeckt"

Datum:

Hauptsache, es schmeckt. So banal ist ein Ergebnis des neuen Ernährungsreports von Agrarministerin Klöckner. Andere Ergebnisse passen auch prima zu ihrer Politik.

Weniger Zucker, Fleisch oder Fertigprodukte – sich tatsächlich gesund zu ernähren, ist für viele Menschen nicht immer leicht. Heute hat Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner neue Erkenntnisse zu den Essgewohnheiten der Deutschen vorgestellt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

So einfach ist es manchmal: Für 99 Prozent der über 14-Jährigen ist beim Essen das Wichtigste, dass es schmeckt. Rund 1.000 Menschen, repräsentativ ausgewählt, wurden nach ihren Gewohnheiten für den neuen Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Meinungsinstitut Forsa befragt. Er ist der vierte und eine Grundlage für Ministerin Julia Klöckner (CDU), welche Politik sie daraus ableitet. "Denn am Ende wird alles nichts bringen, wenn es nicht schmeckt", sagte Klöckner heute bei der Vorstellung des Reports.

Klöckner verteidigt Fertiggericht-Strategie

Deswegen ist Klöckner zum Beispiel gegen eine Zuckersteuer, die es in Großbritannien gibt. Oder dass die Ernährungsindustrie darauf verpflichtet wird, Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten radikal zu reduzieren. Sie setzt auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie, wie sie es im Dezember vorgestellt hatte. Und damit auf den Geschmack, der sich so langfristiger ändert. "Wir wollen keine Einheitsrezeptur, sondern gesunde Ernährung, die auch schmeckt", sagte Klöckner.

Bestätigt fühlt sich die Ministerin auch in anderen Zahlen des neuen Reports: Für fast jeden Zweiten ist eine schnell und einfache Zubereitung wichtig. Zunehmend werde deswegen auch zu Fertiggerichten gegriffen - nicht nur von Berufstätigen, sondern auch von Rentnern. Gerade deswegen sei es wichtig, so Klöckner, dass die zwar geschmackstragenden, aber schädlichen Zucker, Fett und Salz in diesen reduziert würden. Sieben Prozent der Befragten sind dagegen, dass Zucker durch künstliche Süßstoffe ersetzt wird. 1,6 Millionen Euro gibt derzeit das Ministerium für ein Forschungsprojekt aus, wie zum Beispiel kalorienarmer Zucker aus der Zuckerrübe gewonnen werden kann.

Fünf Euro mehr für artgerechtes Kilo Fleisch?

Infografik: Was beim Essen wichtig ist
Infografik: Was beim Essen wichtig ist

Täglich Fleisch auf dem Tisch? Diese Zeiten sind vorbei. 71 Prozent der Befragten essen täglich Obst und Gemüse, 64 Prozent Milchprodukte wie Joghurt und Käse. Nur bei 28 Prozent der Befragten gehören täglich Fleisch- und Wurstwaren zum Speiseplan. Gut die Hälfte achtet beim Einkaufen auf Bio-, 42 Prozent auf Tierwohl-Siegel. Am wichtigsten ist den Konsumenten dabei, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, dass mit Ressourcen bei der Produktion schonend umgegangen wird und faire Löhne gezahlt werden.

Die artgerechte Tierhaltung soll sich bald verbessern. Das Bundeslandwirtschaftsministerium verhandelt derzeit über ein staatliches Tierwohllabel für Schweinefleisch, wonach es für den Verbraucher an einer dreistufigen Kennzeichnung erkennbar sein soll, wie das Tier vorher gehalten wurde. Je nach Futter, Platz in den Ställen, Transport oder Schlachtung soll diese vergeben werden. Ein erster Vorstoß Klöckners war an dem Widerstand der Länder gescheitert. Die Hälfte der Befragten würde laut dem neuen Ernährungsreport bis zu fünf Euro pro Kilo Fleisch mehr bezahlen, wenn es tierfreundlich produziert wurde. 22 Prozent bis zu acht Euro, 13 Prozent bis zu zwei Euro.

Bald neue Strategie gegen Verschwendung

Und noch ein politisches Vorhaben Klöckners passt zum Report: Im Februar oder März will die Ministerin einen Strategieplan gegen Lebensmittelverschwendung vorlegen. Mindestens 55 Kilo Lebensmittel werden pro Kopf jährlich weggeworfen, wie das Marktforschungsinstitut GfK schon 2017 herausgefunden hatte. Meistens sind die Lebensmittel einfach schlecht geworden, wie die Befragten des Ernährungsreports nun angeben. Am häufigsten landen Obst und Gemüse, Selbstgekochtes sowie Brot- und Backwaren im Mülleimer.

Wie fast alle Befragten (95 Prozent) findet auch Klöckner, dass die Grundlagen für einen guten Umgang mit Lebensmitteln und für gesunde Ernährung schon in Kita und Grundschule gelegt werden. Ein Unterrichtsfach Ernährung, wie es noch ihr Amtsvorgänger Christian Schmidt (CSU) gefordert hatte, will Klöckner aber nicht. "Das hängt ja nicht an einem Fach, sondern ist das ganze Leben." Vier Cent, sagt Klöckner, würde es pro Essen mehr kosten, wenn das Essen dort nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zubereitet würde.

Die wenigsten essen vegetarisch, vegan und lactosefrei

Und noch etwas war Klöckner bei der Vorstellung des Berichts wichtig: Nur sechs Prozent der Befragten ernähren sich vegetarisch, ein Prozent vegan, und nur 16 Prozent kämpfen mit Unverträglichkeiten. An den Beginn der Präsentation des Ernährungsberichts stellte Klöckner aber eine andere Zahl: 821 Millionen Menschen auf der Welt müssen hungern.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.