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Lange ohne Job, immer weniger Chancen

Langzeitarbeitslose, die Hartz-IV beziehen, sind in den vergangenen Jahren länger ohne Job geblieben. Die Anzahl der kürzer Arbeitslosen ging dagegen zurück.

Die Zahl der Hartz-IV-Sanktionen ist leicht gestiegen. Archivbild
Die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher ist gestiegen Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Langzeitarbeitslose, die über zwei Jahre nicht vermittelt wurden, sind laut der Agentur für Arbeit in den vergangenen Jahren länger ohne Job geblieben. Kritik daran kommt von der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann. Sie fordert mehr Geld für Unterstützungsleistungen. Der Sprecher der Agentur für Arbeit, Paul Ebsen, verweist dagegen auf Erfolge und steigende Vermittlungszahlen im Bereich der kürzer Arbeitslosen. Er befürwortet jedoch die Pläne der Bundesregierung, Maßnahmen für Langzeitarbeitslose längerfristig finanziell zu unterstützen.

Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit zieht bei Beziehern der Grundsicherung kontinuierlich an - von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. 2016 waren es noch 629 Tage. Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit macht die Linke im Bundestag aufmerksam. "Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands", sagt Zimmermann. Hartz IV müsse abgeschafft, durch eine Mindestsicherung ersetzt und erheblich mehr Geld für Unterstützungsleistungen zur Verfügung gestellt werden.

Zahl der kürzer Arbeitslosen gesunken

Die Agentur für Arbeit bestätigt die Zahlen für Langzeitarbeitslose. "Unser Fokus ist es jedoch, den Übertritt in die Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden", erläutert Ebsen. In diesem Bereich sei die Vermittlung erfolgreich gewesen. Die Zahl jener Arbeitslosen die bis zu zwei Jahren arbeitslos waren, sank von 2011 bis 2017 um fast 100.000. Sie gelten als etwas marktnäher, haben größere Chancen auf dem boomendem Jobmarkt. Die Zahl der Menschen, die länger als drei Jahre arbeitslos waren ist dagegen gestiegen. Im Jahr 2011 waren dies rund 298.000 Hartz-IV-Bezieher. Bis 2017 stieg diese Zahl auf rund 317.000 Menschen. "Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen", sagt der BA-Sprecher.

Grund dafür seien laut Ebsen die schwierige Vermittlung von Menschen mit vielfachen Hemmnissen: "Dazu zählen etwas das Alter, fehlende Qualifikation, körperliche oder teilweise auch geistige Einschränkungen." Auch für diesen Personenkreis bemühe sich die Agentur natürlich, die Arbeitslosigkeit zu beenden. "Hierbei sollten jedoch nicht mehr, wie in der Vergangenheit, die kurzfristigen Arbeitsgelegenheiten gefördert werden, sondern längerfristige Jobs." Man wolle nicht mehr den "Drehtüreffekt", nachdem Beschäftigte oft bei Auslauf der Förderung für das aufnehmende Unternehmen nach einem Jahr wieder erwerblos sind.

Chancen auch für Langzeitarbeitslose

Der Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft bestätigt Chancen von Langzeitarbeitslosen wieder in Arbeit zu kommen. Wenige dieser Merkmale, wozu auch Suchtprobleme oder Schulden zählen könnten, schlössen zumindest eine teilweise Beteiligung am Arbeitsmarkt grundsätzlich aus. "Daher kommt es darauf an, an diesen Problemen individuell abgestimmt zu arbeiten. Eine solche Strategie wäre als Aktivierung im Sinne von Fördern und Fordern zu verstehen."

Agentur-Sprecher Ebsen begrüßt Pläne der neuen Bundesregierung zur längerfristigen finanziellen Unterstützung und der Förderung eines Sozialen Arbeitsmarkts. "Wir brauchen mehr Geld zur Verfügung, um dieses Klientel doch noch in den Arbeitsmarkt zu führen." Denn damit könne man die Unterstützung, die sich inhaltlich bewährt habe, längerfristig gestalten. "Für Menschen mit multiplen Hemmnissen müssen solche Maßnahmen oft langfristig angewandt werden." Solche Maßnahmen auf einem sozialen Arbeitsmarkt sähe Ebsen positiv. "Dies sollen gerade keine Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen sein", betont er. Ziel auch der Arbeitsagentur sei es, dass die Arbeitssuchenden in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden und auch selbst wieder Sozialabgaben zahlen können.

Kritik am Sozialen Arbeitsmarkt

Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht die Idee eines sozialen Arbeitsmarktes kritisch, wenn die Beschäftigung nur öffentlich gefördert sei und etwa die Gefahr bestehe, dass Geförderte gar nicht mehr am ersten Arbeitsmarkt suchten oder angenommen würden. "Er kommt dem Versuch gleich, die Arbeitslosigkeit dadurch zu bekämpfen, indem man die Arbeitslosen faktisch in den Staatsdienst übernimmt. Zu befürchten ist, dass vor allem solche Arbeitslose gefördert werden, die mit vergleichbarem finanziellen Aufwand auch in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden könnten", sagt Schäfer. Hinzu komme ein fiskalföderalistisches Problem. Für Arbeitsmarktpolitik im SGB 2 bezahle der Bund, während die Kommunen von den im sozialen Arbeitsmarkt produzierten Dienstleistungen profitierten. "Dadurch entsteht ein Anreiz, diese Programme auch dann durchzuführen, wenn es individuell gar nicht sinnvoll ist."

Als Langzeitarbeitslose gelten offiziell alle, die länger als ein Jahr ohne Job sind. Die Zahl aller Langzeitarbeitslosen ist seit 2011 um 114.000 auf 809.000 Menschen im Jahresdurchschnitt 2017 gesunken. Bis zum Sommer will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sein Gesetz für einen sozialen Arbeitsmarkt vorlegen. Langzeitarbeitslose, die in einem Unternehmen, einer Kommune oder einem Wohlfahrtsverband unterkommen, sollen fünf Jahre lang einen allmählich abschmelzenden Lohnkostenzuschuss bekommen. Heils Programm ist zunächst für 150.000 Menschen gedacht. Für die anderen Hartz-IV-Empfänger würde sich nichts ändern. Insgesamt gibt es gut 800.000 Langzeitarbeitslose, die Hartz IV beziehen.

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