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Braunkohleabbau in der Lausitz - Mühlrose soll der Kohle weichen

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Noch ist es ein romantisches Dörfchen: Mühlrose in der Lausitz. Doch wo einst dichter Wald den Ort umgab, leckt der Tagebau am Ortsrand. Nun sollen die Bewohner umgesiedelt werden.

Die mögliche Umsiedlung des sorbischen Dorfes Mühlrose mit rund 200 Einwohnern ist offiziell besiegelt. Im Beisein des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) unterzeichneten die Verhandlungspartner am Donnerstag vor Ort einen entsprechenden Vertrag. "Heute machen wir den Weg frei für die Umsiedlung, die sich die Mühlroser in der absoluten Mehrheit gewünscht haben", erklärte der Vorstandsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag), Helmar Rendez.

150 Millionen Tonnen Braunkohle unter dem Dorf

Kretschmer sprach von einer "wichtigen Zukunftsentscheidung". Die Umsiedlung soll innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein. Der Vertrag zwischen den Gemeinden Trebendorf, zu der Mühlrose gehört, und Schleife sowie der Leag regelt auch die private und kommunale Entschädigung. Das Bergbauunternehmen hatte angekündigt, die im Teilfeld Mühlrose lagernden 150 Millionen Tonnen Braunkohle fördern zu wollen.

Die Umweltgruppe Cottbus forderte, die Dorfbewohner nicht unter Druck zu setzen. Es sei richtig, dass den Willigen ein Wegzug auf Kosten des Verursachers ermöglicht werde. "Wer dagegen in Mühlrose bleiben will, kann mit dem Umsiedlungsvertrag nicht zum Gehen gezwungen werden", erklärte der Sprecher der Umweltgruppe, Rene Schuster.

Umzug ins Nachbardorf

Der Leag zufolge hat die Mehrheit der Mühlroser als neuen Wohnort die Nachbargemeinde Schleife gewählt. Mit der Kohleförderung des Tagebaus Nochten im Teilfeld Mühlrose soll den Angaben zufolge das Kraftwerk Boxberg noch bis zum Kohleausstieg 2038 versorgt werden. Laut Rendez liegt die Gewinnung dieser Vorräte im Rahmen des Lausitzer Revierkonzeptes.

Mühlrose ist der 138. Ort im Lausitzer Revier, der der Kohle geopfert wird. Um die Zukunft des Dorfs im sorbischen Siedlungsgebiet wurde lange gerungen. Umweltaktivist Schuster kritisierte die Abbaupläne und betonte, für einen Kohleabbau unter dem Ort gebe es "keinerlei Genehmigungen und damit auch kein rechtliches Druckmittel gegenüber den Bewohnern".

Das sogenannte Sonderfeld Mühlrose sei "energiepolitisch nicht mehr notwendig und klimapolitisch nicht verantwortbar", so Schuster. Ein Teil der Einwohner von Mühlrose wolle in dem Ort bleiben. Ein Umsiedlungsvertrag der Gemeinde ermögliche nur freiwillige Umsiedlungen, erklärte er. Wer bleiben wolle und keinen privaten Umsiedlungsvertrag unterzeichne, könne durch den Rahmenvertrag der Gemeinde auch nicht dazu gezwungen werden. Ein Enteignung sei erst nach Genehmigung des "Sonderfeldes Mühlrose" möglich, erklärte Schuster. Für den von der "Kohlekommission" der Bundesregierung empfohlenen Ausstiegspfad sei die Kohle unter Mühlrose aber nicht mehr erforderlich.

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