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Nervengift-Anschlag - Russland wird britische Diplomaten ausweisen

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Als Reaktion auf britische Sanktionen werde Russland britische Diplomaten ausweisen, bestätigte Außenminister Lawrow. Zahl und Zeitpunkt behielt er aber für sich.

Russland ist empört über den Vorwurf des britischen Außenministers Johnson. Dieser hatte gesagt, Präsident Putin sei persönlich in den Giftanschlag auf einen Ex-Spion verwickelt.

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Im Streit um den Giftanschlag in Großbritannien lässt Russland London im Unklaren über das Ausmaß seines nächsten Schrittes. Russland werde natürlich britische Diplomaten ausweisen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag. Wann und wie viele ließ er allerdings offen.

Der in Russland verurteilte ehemalige Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter waren nach britischen Angaben Anfang März in Salisbury einem Nervengift ausgesetzt worden und liegen seitdem in kritischem Zustand in Krankenhaus. Die britische Regierung macht Russland für den Gifteinsatz verantwortlich und hat 23 russische Diplomaten ausgewiesen. Russland bestreitet eine Verwicklung und verlangt von Großbritannien die Herausgabe von Proben des sichergestellten Giftes. London verweigert das.

Russland will "maximalen Druck" ausüben

Lawrow sagte, Großbritannien habe internationales Recht verletzt. Er hoffe, dass sich Skripal bald erhole, damit etwas Licht in die Angelegenheit komme. Der russische Botschafter in Großbritannien, Alexander Jakowenko, kündigte an, sein Land werde "maximalen Druck" auf die britische Regierung ausüben.

Großbritannien hatte als Reaktion auf den Anschlag mit einem militärisch entwickelten Nervengift auf Skripal und seine Tochter in Großbritannien am Mittwoch 23 russische Diplomaten ausgewiesen. In einer gemeinsamen Erklärung hatten sich auch die Regierungen Deutschlands, der USA und Frankreichs hinter die britische Position gestellt, wonach Russland sehr wahrscheinlich hinter dem Attentat steht. Es gebe keine plausible andere Erklärung, hatten US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärt.

Putin profitiert von Skripal-Affäre

"So kurz vor der Wahl spielt das natürlich Wladimir Putin in die Karten", sagt ZDF-Korrespondent Winand Wernicke über die britische Reaktion auf die Skripal-Affäre. Das sei diplomatisch "nicht sehr clever gewesen". Man hätte auch getrost bis Montag warten können mit den Sanktionen und dann möglicherweise auch mehr Beweise vorlegen können. Am Sonntag wählen die Russen ihr Staatsoberhaupt. Es gilt als sicher, dass Wladimir Putin im Amt bestätigt wird.

Reaktionen "an der Grenze des politisch Erträglichen"

Auch der ehemalige Diplomat Horst Teltschik sieht die Reaktionen des Westens kritisch. Bisher beruhe die Schuldzuweisung in Richtung Russland nur auf Indizien, ohne dass konkrete Fakten vorlägen und sei damit "an der Grenze des politisch Erträglichen".

Der Westen habe laut Teltschik "keine Strategie" wie er mit Russland umgehen soll und nutze auch viele Instrumente der Deeskalation nicht, beispielsweise den NATO-Russlandrat, die OSZE oder Außenministertreffen. Vielmehr nutze die britische Premierministerin May das Gift-Attentat auf den Spion Skripal um von ihren eigenen, innenpolitischen Problemen abzulenken. Teltschik ist besorgt, dass der Westen und Russland in einen neuen kalten Krieg hineinschlittern.

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