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Lebensmittelhygiene - Die kontroverse Plastikverpackung

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Um den Plastikverbrauch zu reduzieren, wollen Umwelt- und Verbraucherschützer Kunststoffverpackungen aus den Supermärkten verbannen. Aber sparen wir dann an der falschen Stelle?

Archiv: In Plastik verpackte Tomaten und Salatherzen liegen am 08.09.2016 in einem Kühlschrank
In Plastik verpackte Tomaten und Salatherzen Quelle: dpa

Unter Umweltfreunden hat Plastik einen sehr schlechten Ruf. Tonnenweise landet es in der Natur, obwohl es praktisch nicht biologisch abbaubar ist. Bei der Suche nach Lösungen fällt der Blick auch auf die eigene Mülltonne. 559 Kilogramm Hausmüll sammelt jeder Einwohner im Jahr 2015 an. Das sind deutschlandweit 46 Millionen Tonnen.

Der Plastik-Anteil ist nicht unerheblich: 2016 landen pro Kopf 68 Kilogramm Verpackungen in der Müllltonne oder im gelben Sack. Ein beachtliches Gewicht, wenn man bedenkt, wie dünn und leicht Verpackungsfolien sind. Viele davon stammen aus dem Supermarkt. Gemüse, Backwaren, Fleisch - alles lässt sich einpacken. Für unnötig halten das sogenannte "Unverpackt"-Läden. Hier kann man Lebensmittel ohne Verpackung kaufen. Doch ist es eine gute Idee, gerade bei Nahrungsmitteln auf den Plastikmantel zu verzichten?

Die Risiken des Unverpackten

Tatsächlich fassen täglich unzählige Hände die Obst- und Gemüsewaren in Supermärkten an. Immerhin muss ja überprüft werden, ob die Avocado auch reif ist. Doch das Problem des kleinen Reifetests ist die Hygiene. "Lose Waren werden vielfach von den Kunden angefasst, durch Tasten geprüft und möglicherweise auch mit Infektionserregern kontaminiert", bestätigt Sophie Stahlberg vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Und auch Thiemo Albert, Experte für Lebensmittelhygiene an der Universität Leipzig, sagt: "Offen angebotene Lebensmittel, wie beispielsweise an Salattheken, sind stets mit mikrobiellen Risiken verbunden."

Plastik bietet Haltbarkeit und Schutz

Sinnlos ist die Plastikverpackung also doch nicht. Vor allem ermöglicht sie den Händlern mehr Flexibilität. Denn durch den Schutz aus Kunststoff verlängert sich die Haltbarkeit der Produkte deutlich. Außerdem: "Kunststoffverpackungen sind besonders leicht, können sich dem Produkt anschmiegen und garantieren eine Auslaufsicherheit", sagt Stahlberg.

"Es gibt auch Verpackungen mit Schutzatmosphären, die in der Regel mit Stickstoff verpackt werden", ergänzt Albert. Somit kann die Haltbarkeit der Produkte weiter gesteigert werden, denn Schimmelpilze und Bakterien benötigen zum Wachsen Sauerstoff. Eingefärbte Folien können zudem vor schädlichen Lichteinflüssen schützen.

Kontroverse Fleischtheke

Bei den offenen Fleisch- und Käsetheken sind sich die Experten uneinig. Nach Ansicht des BMEL ist gerade bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs wie Fleisch, Käse oder Fisch eine Verpackung dringend erforderlich. So sei nicht nur Frische und Produktschutz im Regal gewährleistet, sondern auch ein Schutz vor Täuschung durch entsprechende Kenntlichmachung möglich. Zuletzt helfe die Verpackung dem Verbaucher dabei, "einen bequemen und hygienischen Transport nach Hause zu ermöglichen".

Thiemo Albert sieht das anders. "Zwei Drittel der Fleischwaren werden mittlerweile über vorverpackte Produkte bezogen. Das ist auch dem Zeitgeist verschuldet, wie Lebensmittel heute angeboten werden." Verpackungen seien aber gerade für aufgeschnittene Waren wie Fleisch und Fisch nicht unbedingt besser als das offene Angebot an der Theke. "Die Thekenware ist meistens frischer."

Durch den Schneidvorgang können die Lebensmittel zudem mikrobiell belastet sein. Die Keime können sich dann innerhalb der Verpackung anreichern. Gerade bei Aufschnitt ist Albert im Supermarkt vorsichtig: "Es ist durchaus möglich, dass der Aufschnitt schon zwei bis drei Wochen im Regal liegt. Wir haben Untersuchungen durchgeführt, dass manche Produkte schon vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum recht hohe Keimzahlen aufweisen." Wenn die Fachverkäufer geschult sind und die Ware regelmäßig ausgetauscht wird, sei die Fleischtheke da doch die bessere Wahl.

Diese Lebensmittel können auch ohne Plastik

Natürlich gibt es auch Nahrungsmittel, bei denen eine Verpackung nicht notwendig ist, aber zum Marketing gehört. Sie werden eingepackt, um ein höherwertiges Produkt zu suggerieren und einen höheren Preis zu erzielen, so Stahlberg. Lebensmittel, die von Natur aus mit einer festen Haut oder Hülle versehen sind, können laut BMEL aber auch ohne eine Kunststoffverpackung an den Endverbraucher abgegeben werden. Dazu gehören auch Obst- und Gemüseerzeugnisse mit einer festen Schale, die ohnehin vorher mit dem Erdreich in Berührung gekommen sind. Wenn Zuhause gewaschen und geschält wird, gebe es kaum Bedenken, ergänzt Thiemo Albert.

Dank Lasertechnik brauchen sich Hersteller auch keine Sorgen um das fehlende Branding zu machen. Die Herkunft der Ware kann so zum Beispiel auf Süßkartoffeln kenntlich gemacht werden.

Fazit: Plastik sparen lässt sich also auch im Supermarkt. Gerade Lebensmittel, die eine feste Schale haben, können problemlos ohne Verpackung gekauft werden. Wurst und Fleisch sind an der Theke meist frischer, doch wird auch hier Plastik für die Verpackung verwendet. Bei Lebensmitteln mit geringer Haltbarkeit ist die Kunststoffhülle ebenfalls sinnvoll, da sie gegebenenfalls abdunkelt und vor Bakterien schützt. Nicht nur im Laden, sondern auch zuhause.

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