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Lebensmittelmesse Anuga - Der Hype um (un)gesundes Essen

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Pflanzengifte in Kräutertees, Fipronil in Eiern - Schlagzeilen über Lebensmittelskandale wie diese verunsichern Verbraucher. Dabei seien unsere Lebensmittel so sicher wie nie, sagt das Bundesamt für Risikobewertung.

Die EU möchte bis 2020 den Zucker in Lebensmitteln um mindestens 10 Prozent reduzieren. Die deutsche Lebensmittelwirtschaft will sich dazu nicht verpflichten. Sie setzt eher auf Freiwilligkeit.

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Die Revolution unserer Nahrungsmittel begann mit Salz. Nicht nur wegen des Geschmacks, sondern vor allem wegen der konservierenden Wirkung war Salz der erste Zusatzstoff, den Menschen nutzten, um Speisen länger zu erhalten. Die Jahrtausende lange Tradition ist der Grund, warum Salz auf der Zutatenliste von Fertigprodukten namentlich genannt wird und nicht als "E-Nummer" erscheint, wie andere Geschmacks- und Konservierungsstoffe.

Die neueren Zusatzstoffe durchlaufen ein aufwändiges Zulassungsverfahren und müssen von der zuständigen EU-Kommission als unbedenklich eingestuft werden. Rund 320 Stoffe wurden bisher auf diese Weise zugelassen. Salz hingegen wurde nie in einem solchen Verfahren getestet. Stattdessen wurde ein "traditionelles Großexperiment" durchgeführt, sagt Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):

"Die Menschen haben es einfach im alltäglichen Leben seit Jahrtausenden verwendet und dabei ihre Erfahrungen gesammelt - ohne Labore und wissenschaftliche Experimente."

Die Diskussion um die E-Stoffe

Doch trotz der heute umfangreichen Tests herrscht unter Ernährungswissenschaftlern keine Einigkeit darüber, dass E-Stoffe grundsätzlich unbedenklich sind. Ein Mangel sei etwa die nicht ausreichend erforschte Wechselwirkungen zwischen mehreren Zusatzstoffen. Trotz der Zulassung, rät die Verbraucherzentrale von dem Konsum einer Reihe von E-Nummern ab oder warnt sie vor zu viel Verzehr. Etwa der Geschmacksverstärker Glutamat und der Süßstoff Aspartam werden oft kritisch beurteilt.

Thier-Kundke vom BfR hält die zugelassenen Zusatzstoffe hingegen für ungefährlich: "Ob Zusatzstoffe in dem Maße notwendig sind, ist keine Frage der wissenschaftlichen Bewertung. Gewiss ist aber, dass unsere Lebensmittel heute so sicher sind wie nie zuvor." Bei nahezu jedem Lebensmittel käme es natürlich auf die verzehrte Menge an: Auch eine zu große Portion Salz kann gesundheitsschädlich sein.

Lebensmittelskandale sorgen für Verunsicherung

Auf die Verbraucher wirken Lebensmittelskandale zuweilen alarmierend, sie müssten jedoch differenziert betrachtet werden, sagt Thier-Kundke. "Man muss klar unterscheiden zwischen juristischen Grenzwerten, die überschritten wurden und tatsächlichen gesundheitlichen Gefährdungen."

Einer der jüngsten Skandale waren die Fipronil-Eier. Zwar enthielten sie ein Insektizid, das in Lebensmitteln verboten ist. Dennoch bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher, wie das BfR mehrfach bestätigte. Bei den in Kräutertees gefunden Pflanzengifte ist es ähnlich. "Diese potenziell krebserregenden Stoffe gehören da natürlich nicht in den Tee. Doch vermutlich waren sie früher schon enthalten ohne, dass wir es wussten."

Glaubt man Thier-Kundke, ist die Belastung von Lebensmitteln zurückgegangen und die Informationen und Kontrolle gestiegen. "Die Lebensmittelskandale zeugen davon, dass die Überwachung funktioniert", sagt Thiel-Kundke.

Zucker und hohe Energiezufuhr sind die größten Risiken

Während der Einfluss bestimmter Zusatzstoffen auf unsere Gesundheit umstritten ist, herrscht über die Gefahr von zu hoher Energiezufuhr und hohem Zuckerkonsum Einigkeit.

Der Kalorienverbrauch hat in Deutschland deutlich zugenommen: 1961 nahm ein Erwachsener im Durchschnitt 2885 Kalorien am Tag zu sich, im Jahr 2013 waren es 3499 Kalorien. Die Europäische Kommission bestätigt in einem Bericht die gestiegene Kalorienaufnahme in allen europäischen Ländern mit Ausnahme der Schweiz.

Die Folge ist ein Anstieg nichtübertragbarer Krankheiten, die durch die Ernährung beeinflusst werden. Bis 2020 könnte die falsche Ernährung für 75 Prozent aller Todesfälle mitverantwortlich sein, wie eine Studie an der Universität Cambridge herausfand.

Fest steht jedoch auch: Die Vielfalt unserer Lebensmittel ist so groß wie nie. Sie ermöglicht uns eine gesunde Ernährung - man muss sie nur nutzen. Entscheidend ist deshalb, abwechslungsreich zu essen und bestimmte Nahrungsmittel nur in geringer Dosis zu verzehren.

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