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Run-Off-Gesellschaften - Lebensversicherungen verkaufen ihre Kunden

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Die Lieblingsaltersvorsorge der Deutschen steht gewaltig unter Druck. Einige Versicherer verkaufen deshalb ihre Kunden. Doch so mancher hat Bedenken gegen die neuen Investoren.

Durch niedrige Zinsen stehen Versicherer unter wirtschaftlichem Druck. Darunter leiden auch Lebensversicherungs-Verträge, die vermehrt in "Run-Off"-Gesellschaften abgewickelt werden.

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In den kommenden Jahren gehen die Babyboomer in Rente, gleichzeitig erwirtschaften die Versicherungen angesichts niedriger Zinsen auf dem Kapitalmarkt immer weniger. Daher müssen sich die Lebensversicherer etwas einfallen lassen. Die neuste Masche: Viele Versicherer verbabschieden sich von der klassischen Lebensversicherung und wickeln ihre alten Verträge in sogenannten Run-Off-Gesellschaften ab. Bisher betrifft das 1,8 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland.

Einer der "verkauften Kunden" ist Wolfgang Urbas. Er hat seine Lebensversicherung in den 90er Jahren bei der "Arag" abgeschlossen. Jetzt hat die Gesellschaft "Frankfurter Leben" den Vertrag übernommen. Für Urbas kommt das einem Vertrauensverlust gleich, schließlich hat er den langfristigen Vertrag mit einem anderen Unternehmen geschlossen. Außerdem befürchtet der Rentner, dass er jetzt noch weniger rausbekommt, da ein Finanzinvestor auf mehr Gewinn aus sei. Hinter der "Frankfurter Leben-Gruppe" steht der chinesische Finanzinvestor und Milliardär Guo Guangchang mit seiner Beteiligungsgesellschaft Fosun.

Run-Off-Gesellschaften in der Pflicht

Auf Anfrage zu den Befürchtungen von Wolfgang Urbas teilt die "Frankfurter Leben-Gruppe" mit: "Wir führen alle Versicherungsverträge, insbesondere mit ihren garantierten Versicherungsleistungen, unverändert fort. Das Kundeninteresse steht im Mittelpunkt unserer Geschäftstätigkeit." Auch der Präsident des Versichererverbandes GDV, Wolfgang Weiler, betont: "Es werden überall Unternehmen gekauft und verkauft. Das ist legal und legitim. Auch eine Run-off-Plattform ist ein deutscher Lebensversicherer."

Deutschlands oberster Versicherungsaufseher bei der BaFin, Frank Grund, nimmt die Run-Off-Gesellschaften in die Pflicht: "Wir erwarten von diesen Run-Off-Gesellschaften, dass sie ein nachhaltiges Geschäftskonzept haben. Wir genehmigen das Geschäft nur, wenn wir hinreichende Sicherheit unter unserer Aufsicht haben." Nach dem Verkauf habe die BaFin aber nur noch wenig Einfluss, befürchtet der Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick (B‘90/Grüne): "Wenn ein neuer Eigentümer des Vertrags die maximale Rendite rausholen will, dann hat er da auf den heutigen gesetzlichen Grundlagen schon verschiedene Möglichkeiten. Ich befürchte, dass die Finanzaufsicht auf Dauer nicht ausreichend Gegengewicht ist, um die Kundeninteressen zu schützen."

Die BaFin sieht die deutsche Versicherungsbranche grundsätzlich gut aufgestellt. Als problematisch sieht der oberste Versicherungsaufseher Frank Grund die hohen Rücklagen, die die Versicherungen bilden müssen: "Da muss man schon sagen, dass einzelne Unternehmen in den nächsten Jahren doch erhebliche Schwierigkeiten bekommen können, wenn die Regeln zur sogenannten Zinszusatzreserve nicht überarbeitet werden." Die Zinszusatzreserve wurde 2011 für die Lebensversicherer als zusätzliche gesetzlich vorgegebene Rückstellung eingeführt. Inzwischen beläuft sich diese Reserve auf zirka 60 Milliarden Euro. Daher fordert Grund eine gesetzliche Änderung, damit weitere Einzahlungen in den kommenden Jahren die Versicherer nicht belasten.

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