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Lichtverschmutzung - Wenn LEDs die Nacht zum Tag machen

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LEDs sind langlebig und sparen Strom - weshalb sie immer häufiger gekauft und verwendet werden. So oft, dass der Einspareffekt dadurch aufgefressen werden könnte, warnen Forscher.

Luftaufnahme von Berlin bei Nacht
Vogelperspektive: Berlin erleuchtet bei Nacht
Quelle: esa / NASA

Hell beleuchtete Straßen, Farbspiele in Einkaufspassagen oder ein in Szene gesetzter Kirchturm - kein seltenes Phänomen mehr. Denn Deutschland wird immer heller. Das haben Forscher des Deutschen Geoforschungszentrums(GFZ) mit der Hilfe von Satellitendaten herausgefunden. Das Ergebnis ihrer Studie: Die beleuchtete Fläche nimmt jährlich um 2,8 Prozent zu, die Licht-Intensität um 2,3 Prozent. Mit rund vier Prozent am höchsten ist das Plus bei der Intensität in Bayern und Baden-Württemberg.

Eine alleinige Ursache gibt es dafür nicht. Ein Faktor könnte aber sein, dass Städte und Kommunen zunehmend von alten Leuchtmitteln auf LEDs, also Leuchtdioden, umrüsten - vor allem bei Straßenlaternen. Damit sparen sie Kosten, denn LEDs verbrauchen deutlich weniger Strom und haben eine längere Lebensdauer als zum Beispiel Natriumdampflampen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund schätzt den Einspareffekt auf bis zu 70 Prozent. Gut für die Gemeinden, denn die Straßenbeleuchtung macht ein Drittel der Energiekosten aus. 

Verpuffende Ersparnis

Aber: Wenn mit etwas gespart werden kann, ist die Versuchung groß, mehr davon anzuschaffen und einzusetzen. Die Lichtforscher fürchten deshalb, dass die Kostenersparnis verpuffen könnte. Nämlich dann, wenn das Mehr an Licht am Ende ähnlich viel Strom verbraucht wie vorher. Ein so genannter Rebound-Effekt. "Diesen können wir noch nicht bestätigen oder dessen Ausmaß abschätzen", sagt Christopher Kyba vom GFZ. Aber: "Unsere Ergebnisse stimmen mit dem überein, was man von einem starken Rebound-Effekt erwarten würde."

Tatsächlich hat auch nach Zahlen des Zentralverbands für Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI) der Umsatz der Leuchten im öffentlichen Raum von 2016 auf 2017 um 8,4 Prozent zugenommen. Die Konjunktur ist günstig und viele Gemeinden haben das Geld. Deshalb wird vielerorts erhellt, was vorher im Dunklen war. "Da es nun möglich ist, schöner zu beleuchten, nutzen Städte dies mehr für ihr Stadtmarketing", erklärt Jürgen Waldorf vom ZVEI.

Neues Licht bekommen aber nicht nur Wahrzeichen, sondern natürlich auch neue Wohngebiete. "Die Beleuchtung im öffentlichen Raum hat vor allem durch das Flächenwachstum in Städten zugenommen", so Waldorf. Und auch die Verbraucher selbst stehen auf Licht. So liegen zum Beispiel Strahler im Außenbereich mit Bewegungsmeldern stark im Trend.

Problem für Tiere

Vor allem für viele Tiere ist die zunehmende Lichtverschmutzung ein Problem. Insekten werden in Massen von Straßenleuchten angelockt und sterben. Manche Fledermausarten schreckt das Licht dagegen ab. Hell beleuchtete Straßen sind für sie ein kaum überwindbares Hindernis, das ihren Lebensraum einschränkt und etwa die Suche nach Nahrung erschwert.

Außerdem kann Licht die inneren Uhren von Tieren und Pflanzen durcheinanderbringen. "Die saisonale Taktung für Paarung oder Reproduktion kann den Zeitgeber verlieren", warnt Sybille Schroer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. "Vor allem wenn die Temperaturunterschiede der Jahreszeiten sich im Zuge der Klimaerwärmung abschwächen."

Deutlich flexibler

Dabei schafft die LED-Technik nicht nur Probleme, sondern auch Chancen. Die Beleuchtung sei jetzt nämlich deutlich "flexibler", sagt Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Etwa bei der Regelung der Helligkeit. Leuchten können zeitweise gedimmt, das Licht gezielter ausgerichtet werden.

"Die Leute müssen bei der Beleuchtung mehr denken", fordert auch Christopher Kyba. Straßenlaternen müssten nicht auch nach oben Licht abgegeben, die Fassadenbeleuchtung sei oft heller als nötig. Ein Lichtblick: Viele Städte wie zum Beispiel Düsseldorf oder Stuttgart haben bereits so genannte "Lichtmasterpläne" aufgestellt, nach denen möglichst effizient, aber auch umweltschonend beleuchtet werden soll.

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