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Duque gegen Petro - Der Frieden steht auf dem Spiel

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Kolumbien steht vor einer Stichwahl der Extreme. Ein streng Konservativer und ein linker Ex-Guerillero wollen Präsident werden. Eine Abstimmung auch über den Friedensprozess.

Ein Arbeiter baut Wahlkabinen auf
Vorbereitungen auf die Stichwahl in Kolumbien
Quelle: epa

Die eigentliche Überraschung dieser Präsidentenwahl ist Linkskandidat Gustavo Petro. Als erster Linkskandidat in der Geschichte des Landes schaffte er es in die Stichwahl. "Ein positiven Ergebnis des Friedensprozesses", so Florian Huber von der Heinrich-Böll-Stiftung in Bogotá gegenüber dem ZDF. Die Entwaffnung der früheren FARC-Rebellen habe das Misstrauen gegenüber Kandidaten aus dem linken Lager abgemildert.'

Später der Gewalt abgeschworen

Petro bekam bei der ersten Runde der Präsidentenwahl vor drei Wochen 25 Prozent der Stimmen. Dieser Erfolg ist schon deswegen bemerkenswert, weil der 58-jährige in den achtziger Jahren selbst gegen den kolumbianischen Staat kämpfte – als Mitglied der Guerillagruppe M-19. Später schwor Petro der Gewalt ab. Er ging in die Politik, 2012 bis 2015 war er Bürgermeister von Bogotá.

Sein Konkurrent im Rennen ums Präsidentenamt ist der Rechtskonservative Iván Duque. Rund 39 Prozent der Wähler gaben ihm in der ersten Runde ihre Stimme. Die meisten Umfragen in den letzten Tagen sehen Duque als Favorit für die Stichwahl, mit einem Vorsprung von mindestens sechs Prozent. Seine Wähler sehen den Wirtschaftsliberalen als Garanten für ökonomische Entwicklung.

Karte: Kolumbien
Kolumbien und seine Nachbarländer
Quelle: ZDF

Zu viele Zugeständnisse

Vielen seiner Gegner gilt der 41-jährige Duque als rechter Hardliner. Er will das im November 2016 unterzeichnete Friedensabkommen mit der FARC überarbeiten. Es enthalte zu viele Zugeständnisse an Terroristen, insbesondere Straferleichterungen und Amnestie für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Duque fordert härtere Strafen für die ehemaligen Guerilleros.

"Das wäre ein ziemlicher Schlag für die FARC, es würde das Kernstück des Abkommens treffen", sagt Florian Huber. Er hält das Wahlergebnis für richtungsweisend, wie es mit dem Friedensprozess weiter geht. Ohnehin verfüge Duques Partei Demokratisches Zentrum mit ihren konservativen Verbündeten seit der Parlamentswahl im März über eine starke eigene Mehrheit im Kongress.

Petro verspricht mehr "soziale Gerechtigkeit"

Gustavo Petro mit seinem neu gegründeten Bündnis "Menschliches Kolumbien" hat dagegen nur sehr geringen Rückhalt im Parlament. Er will am Friedensabkommen festhalten und dessen Umsetzung sogar noch beschleunigen. Petro verspricht mehr soziale Gerechtigkeit, besseren Zugang zu Bildung und Gesundheit. Themen, die bei früheren Wahlkämpfen kaum eine Rolle spielten, nun aber bei vielen Wählern gut ankommen. "Es werden jetzt", erklärt Huber weiter, "neue politische Themen diskutiert, wo bislang immer Sicherheitsfragen im Vordergrund standen".

Ironie der Geschichte: Die Führungsriege der FARC hat indirekt entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen  – und zwar mit ihrer Entscheidung, sich doch nicht mit einem eigenen Kandidaten an der Präsidentenwahl zu beteiligen. Der ursprünglich nominierte Ex-Kommandeur Timoschenko zog seine Kandidatur zurück, kurz nach der Parlamentswahl, bei der die FARC nur auf 0,3 Prozent der Stimmen kam. Nach gut 50 Jahren Bürgerkrieg mit mehr als 220.000 Toten ist die FARC bei den meisten Kolumbianern verhasst. Dass die Ex-Guerilla nun eine völlig unbedeutende politische Rolle spielt, hat andere Linkspolitiker wie Gustavo Petro für viele wählbar gemacht.  

Als Erneuerer präsentiert

Gleichwohl dürfte es bei dieser Stichwahl für einen Wahlsieg Petros nicht ganz reichen. Vermutlich wird sein Gegenspieler Iván Duque das Rennen für sich entscheiden. Denn auch er hat es verstanden, sich als Erneuerer zu präsentieren, als junges und unverbrauchtes Gesicht des konservativen Teils Kolumbiens, bislang frei von Skandalen und von Korruptionsvorwürfen. 

Ein weiterer wichtiger Faktor kommt hinzu: ein großer Teil der Wähler hat angesichts der gewaltigen politischen und humanitären Krise im sozialistischen Nachbarland Venezuela derzeit keine Lust auf politische Experimente. Schon jetzt leben geschätzt 800.000 venezolanische Flüchtlinge in Kolumbien und täglich kommen Tausende neu dazu.

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