Sie sind hier:

Putin-Kritikerin - Leipziger Buchpreis für Masha Gessen

Datum:

Masha Gessen macht sich in Russland für Menschenrechte stark und gilt als starke Putin-Kritikerin. In Leipzig wurde sie nun mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt.

Masha Gessen
Erhält 2019 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung: Masha Gessen
Quelle: imago

Die russisch-amerikanische Schriftstellerin Masha Gessen gilt als eine der wichtigsten Stimmen zum Thema Homosexualität und Menschenrechte in Russland. Bekannt wurde sie mit Büchern über den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die feministische Punkgruppe Pussy Riot sowie den Attentätern vom Boston Marathon. Gessen lebt offen lesbisch und hat die gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender gerichtete Politik Russlands mehrfach scharf kritisiert.

Masha Gessen: Die Zukunft ist Geschichte; A. d. Engl. v. Anselm Bühling; Suhrkamp; 639 S., 26,– €

Quelle: Suhrkamp

Gessen hat an am Abend den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2019 erhalten. Sie wird für ihr Buch "Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor" ausgezeichnet. Gessens Hinweis auf das Fehlen des demokratischen Instrumentariums der postsowjetischen Gesellschaft schärfe den Blick für die Gefährdung der eigenen demokratischen Institutionen, heißt es in der Begründung der Jury.

Der Preis ist zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März) verliehen worden. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und wird seit 1994 vergeben. Für das Buch erhielt Gessen 2017 den National Book Award, einen der renommiertesten Buchpreise in den USA.

Ein Leben zwischen USA und Russland

Geboren wurde die Autorin 1967 als Maria Alexandrowna Gessen in Moskau und wanderte 1981 als Jugendliche mit ihren Eltern in einer der letzten jüdischen Emigrationswellen in die USA aus. Ihre Mutter arbeitete als Literaturkriterin, ihr Vater als Computeringenieur.
Gessen pendelte zwischen San Francisco, Boston und New York und befasste sich als Journalistin zunehmend mit HIV und dem Kampf der Schwulengemeinde gegen die Infektionskrankheit. 1996 kehrte sie nach Moskau zurück, um dort als Journalistin zu arbeiten.

2004 wurde bei Gessen der Gendefekt BRCA1 festgestellt, der das Risiko auf Brust- und Eierstockkrebs deutlich erhöht. 2005 ließ sie sich daraufhin beide Brüste abnehmen. Ihren Entscheidungsprozess veröffentlichte sie als Tagebuch beim Online-Magazin "Slate". Die Debatte um Erbgut griff sie 2008 auch in ihrem Buch "Blood Matters: A Journey Along the Genetic Frontier" auf.

Erfolg mit Putin-Buch

Aus Angst vor politischer Verfolgung zog Gessen 2013 erneut in die USA. Sie ist in zweiter Ehe mit einer Frau verheiratet und hat drei Kinder. Ihren Adoptivsohn lernte sie als Baby in einem Waisenhaus für HIV-Kinder im russischen St. Petersburg kennen, ihre erste Tochter bekam sie bald darauf nach jahrelangen Versuchen, sich künstlich befruchten zu lassen.

Zu Gessens bekanntesten Titeln zählt heute "Der Mann ohne Gesicht" über Präsident Putin. Ihn bezeichnete sie im Magazin "Vanity Fair" als "aufstrebenden Schurken", mit dessen Vereidigung die "Rückwärts-Evolution Russlands" begonnen habe.

Gessen hat unter anderem für die "New York Times", die "International Herald Tribune" und den "Guardian" geschrieben. Zu ihrer Arbeitsroutine sagte sie 2016: "Ich stehe mittags auf. Ich arbeite bis vier Uhr morgens."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.