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Prinz Philip geht in Rente - "Mein Verfallsdatum ist abgelaufen"

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Er hat gedient im vielleicht absurdesten Job der Welt. Immer ein Schritt hinter seiner Frau, der Queen. 64 Jahre lang. Pflichterfüllung in Person, unterhaltsam, ein Provokateur. Doch heute ist Schluss: Mit 96 sagt der Herzog von Edinburgh "Good-bye". Beim letzten offiziellen Termin in seiner Rolle als Prinzgemahl.

Der britische Prinz Philip geht heute mit 96 Jahren in den Ruhestand, am Nachmittag hat er seinen letzten offiziellen Termin. Jahrelang sorgte er vor allem mit seinem lockeren Mundwerk für Schlagzeilen.

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Es wird sein wie immer, so wie es die meisten lebenden Briten einzig und allein kennen. Prinz Philip in aufrechter Körperhaltung, gut gelaunt bei einem öffentlichen Termin, den ein oder anderen Spruch auf der Lippe. Dass es die alljährliche Parade der königlichen Marine vor dem Buckingham Palast sein wird - ein würdiger Abschluss. Philip war Marineoffizier mit Leib und Seele, bevor er zum Mann an der Seite der Königin wurde. Es dürfte ihn freuen.

"Er hat eines geschafft. Seinen Mann zu stehen, obwohl er einen Schritt hinter seiner Frau gehen musste", so Königshaus-Kenner Robert Jobson. "Weil er sie liebt, und sie bis heute bedingungslos in ihrer Rolle unterstützt. Er hat dabei einen verdammt guten Job gemacht." Nach mehr als 22.000 öffentlichen Einzelauftritten, noch mehr und nicht gezählter an der Seite der Queen. Nach fast 5.500 Reden, 637 royalen Reisen in 146 Länder, ist, wie er kürzlich laut Freunden anmerkte, "sein Verfallsdatum abgelaufen".

Ruhestand mit Verspätung

"In seinem Alter, wenn sie es denn erreichen, sind viele schon 30 Jahre im Ruhestand", erklärt Roya Nikkhah, die Königshaus-Korrespondentin der Sunday Times. "Dabei sieht er unglaublich sportlich aus für einen 96-Jährigen. Nicht wie ein Mann, der in den vergangenen fünf Jahren doch von allerlei Krankheiten geplagt wurde. Fit, aufrecht, und mit 96 bringt er noch jeden zum Lachen."

Es waren vor allem die vielen kleineren und größeren Wehwehchen, die in den vergangenen Jahren die Monarchie in Atem gehalten haben. Und dennoch - er war er auch in diesem Jahr in Sachen öffentliche Auftritte fleißiger als die junge Generation des englischen Königshauses - William, Kate und Harry - zusammen. Kein Wunder als Schirmherr von 785 Organisationen. "Man muss fast schon ein bisschen Angst haben. Denn man hat das Gefühl, diese vielen Termine, der Wille zur Pflichterfüllung, das hat ihn jung gehalten", so Roya Nikkhah.

Seine Pflichten werden jetzt mehr und mehr Thronfolger Charles und die Enkel William und Harry übernehmen. Auch deshalb zieht William mit Kate den Kindern George und Charlotte nun in den Londoner Kensington Palast, weg aus dem heimeligen Amner Hall in Norfolk, das so weit weg vom Trubel der Hauptstadt war.

Noch britischer Humor oder schon Beleidigung?

Die Pflicht ruft die Jüngeren - um Philip dürfte es ruhiger werden. Er hat den Job an der Seite seiner Frau anfangs nicht geliebt. Doch er hat sich arrangiert, oft gar Spaß gehabt. Er hat gute Laune verbreitet bei seinen Auftritten. Hat mit seinem Humor viele Termine und Teilnehmer, die in Langweile zu ersticken drohten, gerettet. Er ist angeeckt, mit protokollarisch und politisch unkorrekten Bemerkungen. Er hat so die Herzen vieler Briten erobert, die ihn vor allem anfangs, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seine deutsche Herkunft übel nahmen.

Andere hat er beleidigt, aber irgendwie wurde er so auch ein wenig Kult. Indem er Australische Ureinwohner während eines Besuchs fragte: "Bewerfen Sie sich immer noch mit Speeren?" Oder einem 13-jährigen, der Astronaut werden will, deutlich macht: "Also, darin wirst Du nie fliegen, Du bist zu dick." Schotten erklärt er schon mal zu saufenden Eingeborenen, britischen Frauen spricht Philip die Fähigkeit ab, kochen zu können. Zumindest darin ist er ein Könner, fast ein König: im Suchen und Finden von Fettnäpfchen. Die Liste ist schier endlos.

"Der erfahrenste Gedenktafel-Enthüller der Welt"

Manchmal ging er zu weit, aber man hat ihm immer wieder verziehen. Vielleicht weil er sich selbst nicht zu ernst nimmt, der "erfahrenste Gedenktafel-Enthüller der Welt", wie er sich bezeichnet. Oder, um seine Rolle weiter zu präzisieren, in Anspielung auf seine griechischen Wurzeln, als "enteigneter Balkanprinz für Balkonszenen".

Dabei war er immer mehr. Die Stütze der Queen, das Familienoberhaupt der Windsors. "Er genießt diese Rolle an ihrer Seite, als ihre Stütze", erklärt Roya Nikkhah. "Philip weiß um seine immense Bedeutung für die Queen, für ihre Regentschaft. Er wird es vermissen. Sie sind ein unzertrennliches Duo. Aber sie wird ihn noch mehr vermissen."

Und doch geht er nicht so ganz

Doch so ganz will er dann heute nicht gehen. Ein kleines Hintertürchen hält er sich offen. Dann und wann, wann es ihm beliebt, wird er an der Seite der Queen auftauchen, heißt es aus dem Buckingham Palast. Ausgesuchte Termine wahrnehmen, das hat er sich wohl verdient. Ganz sicher dürfte man ihn am 20. November wieder an der Seite der Queen sehen, an ihrem 70. Hochzeitstag.

Trotzdem könnte er nun viel Zeit haben für sich. "Er beginnt jeden Morgen mit einem strammen Fitness-Programm für einen Mann in seinem Alter", so Robert Jobson. "Er wird sich Zeit für Hobbies wie das Kutschfahren nehmen. Und häufiger in der Öffentlichkeit bei Terminen auftauchen, als es der Titel Rentner vermuten lässt."

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