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Letzter Spieltag Gruppe C - Wenn zwei sich einigen, ärgert sich der Dritte

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In der Gruppe C kämpfen Dänemark und Frankreich um den Gruppensieg, Australien hat noch eine Mini-Chance aufs Weiterkommen - wenn es keine Absprachen gibt.

Kylian Mbappé beim Torjubel
Kylian Mbappé beim Torjubel Quelle: dpa

Australien könnte in der Gruppe C Opfer eines Gijón-Paktes zwischen Frankreich und Dänemark werden, durch den das Achtelfinale unerreichbar wäre. Les-Bleus-Trainer Deschamps sagt zwar, er lasse auf Sieg spielen - kündigt aber eine Rotation an.

Wortgefechte vor dem Spiel

Das Reizthema kam vielleicht ganz gelegen, denn es lenkte ab von jener größeren Debatte, die dem Treffen mit Dänemark folgen könnte. Vor dem letzten Spieltag der Gruppe C ging es um Age Hareides Aussagen, die Gegner Frankreich als durchaus despektierlich empfand.

"Die Mannschaften an der Spitze der Weltrangliste sind die besten der Welt, das gilt aber nicht für Frankreich", hatte der norwegische Trainer in Diensten der Dänen vor der WM gesagt und ergänzt, die aktuelle Belegschaft des Weltmeisters von 1998 sei "nichts Besonderes".

Franzosen bleiben locker

Didier Deschamps, der Trainer der Franzosen, nahm diese Vorlage vor der gemeinsamen Verabredung im Moskauer Luzhniki-Stadion an diesem Dienstagnachmittag gerne auf. Seine Spieler wüssten um die Aussagen des Kollegen, "das gibt dem Ganzen Würze", sagte Deschamps am Tag vor dem Treffen mit Hareides Dänen.

Würze kann die Konstellation auch gut gebrauchen. Denn anders als in den meisten anderen Gruppen bestehen gute Voraussetzungen für Frankreich und Dänemark, relativ entspannt ihre Ziele zu erreichen. Die Franzosen möchten Platz eins behaupten, um nach der bereits sicheren Zulassung zum Achtelfinale dort den bisher starken Kroaten aus dem Wege zu gehen.

Dänemark hat die Versetzung in die Runde der besten 16 zwar noch nicht sicher, braucht aber wie Frankreich nur noch einen Punkt, um sein Ziel zu erreichen. Mit einem Unentschieden könnten sich also beiden arrangieren, wenngleich Dänemark bei einem Sieg noch an Les Bleus vorbeiziehen und somit in die Vorzüge des Gruppensiegs kommen würde.

Deschamps will von einem denkbaren Pakt jedenfalls nicht wissen

Deschamps will von einem denkbaren Pakt jedenfalls nicht wissen. "Unser Ziel ist, Erster zu bleiben. Dafür gibt es zwei Resultate, aber ich würde nie sagen, wir spielen auf ein Unentschieden", sagte er, "wir wollen Erster werden und werden alles tun, um zu gewinnen."

Man werde Dänemark nicht helfen, fügte er hinzu - und kündigte zugleich eine Rotation in seiner Startformation an. Schließlich bestehe nur noch in diesem Spiel die Möglichkeit, die Stammkräfte zu schonen, ehe es in den K.o.-Runden immer um alles oder nichts geht.

Auszuschließen ist trotz Deschamps Beteuerungen nicht, dass der noch auf das Achtelfinale hoffende Gruppendritte Australien spätestens im Verlauf des Spiels zwischen Frankreich und Dänemark Opfer eines Paktes werden könnte. Dann nämlich, wenn es beispielsweise Mitte der zweiten Halbzeit Unentschieden stehe sollte und jeder bei einem Gegentor fürchten müsste, sein Ziel zu verfehlen.

Wenn zwei sich einigen, ärgert sich der Dritte

Für Australien, derzeit drei Punkte hinter Dänemark, könnte es dann heißen: Wenn zwei sich einigen, ärgert sich der Dritte. Vor exakt 36 Jahren und einem Tag war es zu solch einem sogenannten Nichtangriffspakt gekommen, der als "Schande von Gijón" in die WM-Geschichte einging.

Am 25. Juni 1982 standen sich Deutschland und Österreich bei der WM in Spanien gegenüber und schoben sich die Bälle beim Stande von 1:0 für die DFB-Elf nur noch ein bisschen unmotiviert zu, weil dieses Ergebnis beiden fürs Weiterkommen reichte. Die Leidtragenden waren damals die Algerier, die bereits am Vortag gespielt hatten.

Letzte Gruppenspiele immer zeitgleich

Seither werden die entscheidenden letzten Gruppenspiele immer zeitgleich ausgetragen. Doch auch das schützt nicht ganz vor Absprachen, und seien es spontane bei entsprechendem Spielverlauf. Wie bei der WM 2010 in Südafrika, als es der spätere Weltmeister Spanien und Chile in der Schlussphase willentlich bei einem 2:1 beließen, das sie beide weiterbrachte.

Die Australier versuchen solche Szenarien bei Seite zu schieben. "Als Spieler darfst du dir nicht noch um andere Dinge Gedanken machen", sagte Kapitän Mile Jedinak, "zuallererst geht es darum, dass wir unsere Leistung zeigen und ein Ergebnis, nämlich drei Punkte, holen." Doch ein Sieg im Parallelspiel gegen das bereits ausgeschiedene Peru in Sotschi reicht den "Socceroos" nur dann zur Versetzung, wenn Frankreich gleichzeitig gegen Dänemark gewinnt.

Vorausgesetzt, die Australier weisen danach auch die bessere Tordifferenz als die Dänen auf. "Wir hoffen, dass Frankreich uns einen Gefallen tut und diese Reise weitergeht", sagte Jedinaks Mannschaftkollege Aziz Behich. Und Offensivspieler Matthew Leckie von Hertha BSC findet nach den beiden starken Leistungen gegen Frankreich und Dänemark, aber nur einem Punkt Ertrag: "Wir hätten mehr verdient." Vor allem aber keinen Pakt zwischen Frankreich und Dänemark, der den Australiern den Einzug ins Achtelfinale unmöglich machen würde. Die anschließenden größeren Debatten brächten ihnen dann auch nichts mehr.

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