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Hochspannung in Gruppe E - Gruppe der starken Gefühle

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Tränen und Politik: Vor dem Finale in der Brasilien-Gruppe wirken die jüngsten Turbulenzen nach. Der fünfmalige Weltmeister bangt um den Einzug ins Achtelfinale.

Spieler der brasilianischen Mannschaft beim WM-Training in Russland am 26.6.2018
Spieler der brasilianischen Mannschaft beim Training in Moskau vor dem letzten Spiel gegen Serbien. Quelle: reuters

Wenn man Außerirdischen erklären müsste, was der Fußball mit den Menschen anstellen kann, würde sich zur Veranschaulichung die WM-Gruppe E empfehlen. Hier überschlagen sich die Emotionen. Und die Nerven liegen blank.

Krstajic entschuldigt sich nicht

Nicht umsonst musste der Weltverband FIFA nach dem Spiel zwischen Serbien und der Schweiz gegen Angehörige beider Mannschaften ermitteln. Aus dem Umstand, dass wichtige Spieler der Schweiz ihre Wurzeln im Kosovo haben, wurde ein politisches Scharmützel, wie man es bei einem Weltturnier selten gesehen hat. Quasi über Bande rückte die Partie mitten zwischen die Fronten des Balkankonflikts.

Letztlich wurden Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri für ihren "Doppeladler" - das albanische Wappentier - beim Jubel ebenso mit einer Geldstrafe belegt wie Serbiens Trainer Mladen Krstajic für seine Forderung, den deutschen Schiedsrichter Felix Brych "nach Den Haag zu schicken, damit man ihm den Prozess macht, so wie man uns den Prozess gemacht hat". Dass am Dienstag im Kosovo schon Geld für Xhaka und Shaqiri gesammelt wurde und Krstajic die Gelegenheit zu einer Entschuldigung ausschlug ("Schauen nur nach vorn"), zeigt, wie verhärtet die Fronten weiter sind.

Für die Schweiz ist es einfach

Gut also, dass beide Teams zum Gruppenfinale am Mittwochabend (20 Uhr, live im ZDF und bei ZDFinfo) politisch unverdächtige Partien vor sich haben. Die Schweiz trifft auf Costa Rica, das als "Schweiz Mittelamerikas" bezeichnet wird, also eher als Bruder im Geiste gelten sollte. Serbien bekommt es mit Brasilien zu tun, und eine zweite Ebene braucht es dort schon deshalb nicht, weil der sportliche Reiz der Begegnung groß genug ist.

Relativ einfach ist die Ausgangslage für die Schweiz. Mit einem Punkt steht sie sicher im Achtelfinale. Verliert sie, kommt es auf Serbiens Ergebnis gegen Brasilien an. Die Serben müssen wahrscheinlich gewinnen, wollen sie weiter im Turnier bleiben. Gelingt ihnen das und punktet die Schweiz, wäre Brasilien draußen.

"Auch ich weine mal", sagt der Trainer

Aus diesem Grund geht es auch beim fünffachen Weltmeister hochemotional zu. Dabei hielt man den Hang zum Melodram, der die Brasilianer bei ihrer Heim-WM 2014 zu blockieren schien, nach exzellenten Ergebnissen und stabilen Darbietungen in den letzten zwei Jahren eigentlich für überwunden. Nun fließen allerdings wieder Tränen. Superstar Neymar sackte nach dem dramatischen 2:0 gegen Costa Rica mit zwei Toren in der Nachspielzeit beim Schlusspfiff gar regelrecht zusammen.

Nationaltrainer Tite versuchte am Dienstag, den Vorwurf aus der Heimat zu entkräften, der Mannschaft fehle es schon wieder an mentaler Stärke. "Ich werde jetzt erzählen, was bisher niemand weiß", sagte er am Spielerort Moskau: "Ich habe nach meinem ersten Spiel als Nationaltrainer auch geweint. Der Druck damals war bestialisch." Aber, findet Tite, der die Mannschaft in einer Krisensituation außerhalb der WM-Qualifikationsränge übernahm, solche Gefühle müssten nicht notwendigerweise ein Hindernis sein. "Das Entscheidende ist, dass die Mannschaft gegen Costa Rica in der 91. Minute noch die Ruhe und die Konzentration hatte, ein Tor herauszuspielen."  

Neymars Jähzorn gegen Mitspieler

Problematisch erscheint neben den Tränen von Neymar jedoch auch dessen Jähzorn, nachdem er sogar Mitspieler Thiago Silva wüst beleidigte, weil dieser für eine Behandlungspause eines Costaricaners den Ball ins Seitenaus spielte. "Heute hat Neymar mich sehr traurig gemacht", sagte Thiago Silva. Aber der hat immerhin nicht geweint, und vielleicht liegt alles ja sowieso nur an dieser besonders gefühligen Gruppe E.

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