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Gericht bestätigt Gesetz - Homosexualität bleibt in Kenia verboten

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Ein herber Rückschlag für Schwule und Lesben in Kenia: Gleichgeschlechtlicher Sex bleibt dort weiterhin eine Straftat. Das hat der Hohe Gerichtshof am Freitag entschieden.

Noah Noahgacha (Mitte) und weitere Mitglieder einer Kirchengemeinde in Nairobi machen Stimmung gegen Homosexuelle vor dem Gerichtsgebäude
Noah Noahgacha (Mitte) und weitere Mitglieder einer Kirchengemeinde in Nairobi machen Stimmung gegen Homosexuelle vor dem Gerichtsgebäude
Quelle: Matthias Thome

Es ist ein trauriger Tag für Kenias LGBTQ-Gemeinde. Der Hohe Gerichtshof hat entschieden, dass Paragrafen, die gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellen, sich nicht gegen die Verfassung richten. Geklagt hatte ein Kollektiv aus Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen. In der Urteilsbegründung der Richter heißt es, die Gesetze stellten keine gezielte Diskriminierung dar und seien somit mit der kenianischen Verfassung vereinbar.

Konkret geht es um die Paragrafen 162 und 165 des kenianischen Strafgesetzbuches. Sie stammen aus der britischen Kolonialzeit, haben sowohl die Unabhängigkeit des Landes 1963, als auch die große Verfassungsreform 2010 überlebt.

Jubel und fassungslose Enttäuschung

Würde Homosexualität in Kenia legalisiert, wie sähe dann unsere Zukunft aus? Mehr und mehr Leute würden homosexuell werden. Und dann? Dann reproduzieren wir uns nicht mehr. Wie sollen zwei Männer Kinder bekommen?
Noah Noahgacha

Vor dem Gerichtsgebäude in Nairobi hatten Menschen mit Spannung auf das Urteil gewartet, der Gerichtssaal platzte aus allen Nähten. Am späten Nachmittag dann drangen erste Nachrichten per Twitter und WhatsApp nach draußen. Fassungslosigkeit bei den Unterstützern der Petition, Jubel bei den Gegnern.

 "Das ist ein guter Tag für Kenia", sagt Noah Noahgacha. Mit anderen Mitgliedern seiner Kirchengemeinde in Nairobi hatte er sich vor dem Gerichtssaal positioniert. "Homosexualität ist eine Abscheulichkeit" steht auf seinem Plakat. "Sag nein zum Schwul- und Lesbischsein" auf einem seiner Mitstreiter. Man sei hier, um jedes Leben zu schützen, sagen sie. Und die natürliche Ordnung, bestehend aus Mann und Frau. "Würde Homosexualität in Kenia legalisiert, wie sähe dann unsere Zukunft aus?", fragt Noah und liefert die Antwort gleich selbst. "Mehr und mehr Leute würden homosexuell werden. Und dann? Dann reproduzieren wir uns nicht mehr. Wie sollen zwei Männer Kinder bekommen?"

Betroffene setzen auf Aktivisten

Ich hatte viel Hoffnung in diesen Tag gesetzt. Wir hätten endlich legal sein können, Menschenrechte haben wie jeder andere in diesem Land. Jetzt verschwinden wir alle wieder im Untergrund.
Arthur Owiti

Aus zwanzig Metern Entfernung beobachten die Betroffenen diese Szenen. Arthur Owiti ist selbst schwul, hat sich vor seiner Familie geoutet. "Ich hatte viel Hoffnung in diesen Tag gesetzt", sagt er. "Wir hätten endlich legal sein können, Menschenrechte haben wie jeder andere in diesem Land." Vor dem Urteil hätten sich viele in der LGBTQ-Gemeinde endlich getraut, offen mit ihrer Identität umzugehen. "Jetzt verschwinden wir alle wieder im Untergrund."

Sein Begleiter Angwenyi Charles hofft darauf, dass die Aktivisten die Entscheidung anfechten oder eine neue Petition starten. "Die Entscheidung war keine juristische, sie war eine politische, gesteuert von unserer Regierung, die die Stimmen ihrer Wähler nicht verlieren will", sagt er.

Arthur Owiti (l.) und Angwenyi Charles hatten auf ein Urteil gehofft dass ihre Sexualität entkriminalisiert. Sie wurden bitter enttäuscht.
Arthur Owiti (l.) und Angwenyi Charles hatten auf ein Urteil gehofft dass ihre Sexualität entkriminalisiert. Sie wurden bitter enttäuscht.
Quelle: Matthias Thome

Gesetzgebung als Fundament für Homophobie

In weiten Teilen der kenianischen Gesellschaft gilt Homosexualität als wider die afrikanische Kultur, das Christentum oder den Islam. So hat die LGBTQ-Gemeinde sogar in Nairobis Hauptstadt nur wenige Rückzugsorte, wo sie ihre Sexualität frei ausleben kann. Oft bleibt es nicht bei verbalen Attacken, Männer werden auf der Straße angefeindet oder sogar verprügelt - alleine aufgrund von Verdächtigungen.

Diese Probleme hätte eine Aufhebung der Paragrafen gegen Homosexuelle nicht lösen können, schon gar nicht schnell. Jedoch hätte es ihnen zumindest das Menschenrecht, Sexualität frei ausleben zu können zugestanden und dem Hass der Gesellschaft auf Homosexuelle zumindest einen Teil seiner staatlichen Grundlage entzogen.

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