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Grenzgebiet zu Syrien - Beirut plant Offensive gegen IS

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Seit Jahren halten die Terroristen des IS in einem entlegenen Teil des Libanon die Stellung. Um sie zu vertreiben, machen die libanesischen Streitkräfte nicht nur mit der Hisbollah gemeinsame Sache, sondern künftig auch indirekt mit dem Assad-Regime in Syrien. Und das wohl eher zähneknirschend.

Nach Angaben von Aktivisten in Syrien hat die syrische Armee die Dschihadistenmiliz IS aus der Stadt al-Suchna vertrieben. Damit haben sie die letzte Stadt in der Provinz Homs erobert, die noch von Extremisten gehalten worden war.

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Das von der Terrormiliz "Islamischer Staat" kontrollierte Gebiet im Libanon ist nicht groß. Aber für die umliegenden Dörfer sind die radikalen Islamisten eine ständige Gefahr. Auch in der Hauptstadt Beirut detonieren immer wieder Autobomben. Damit soll nun Schluss sein: Mit einer koordinierten Offensive will das libanesische Militär die Enklave der Terroristen zurückerobern. Nach ersten Angriffen von Kämpfern der Hisbollah sollen anschließend die von den USA und Großbritannien unterstützten Regierungstruppen übernehmen. Von der anderen Seite werden Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zuschlagen.

Erfolgsaussicht ohne Syrien niedrig

Die libanesischen Behörden bestreiten zwar, dass sie direkt mit Assad zusammenarbeiten werden. Fest steht aber, dass ein gewisses Maß an Abstimmung für den Erfolg der Mission entscheidend sein wird. Denn das Gebiet der Islamisten befindet sich genau an der Grenze zu Syrien. Und solange sie nur von einer Seite angegriffen werden, können sie sich stets ins jeweils andere Land zurückziehen.

Für den Libanon ist die Offensive nicht ohne Gefahr. Experten befürchten, dass sie schlafende IS-Zellen im Inneren des Landes dazu veranlassen könnte, aktiv zu werden. Auf dem Schlachtfeld haben die Regierungstruppen in den vergangenen Monaten aber bereits Fortschritte erzielt. Zuletzt wurden einige strategisch wichtige Hügel eingenommen. Gleichzeitig konnte die schiitische Hisbollah-Miliz ein Gebiet am Rande der Stadt Arsal von Kämpfern befreien, die der Terrorgruppe Al-Kaida nahestehen.

Militärpräsenz wächst

Nun wird ein direkter Angriff Beiruts auf den IS erwartet, bei dem die Rollen klar verteilt sind. Die Stellungen der sunnitischen Terroristen in den Bergen wurden in den vergangenen Tagen bereits mit Artilleriegranaten und Raketenwerfern beschossen. Im Himmel über der Bekaa-Ebene waren rund um die Uhr Drohnen zu hören. Bewohner des nordöstlichen Bezirks Hermel berichten, dass zuletzt praktisch täglich weitere Soldaten in die Region gekommen seien.

In dieser Woche traf sich die oberste Riege der libanesischen Streitkräfte mit Präsident Michel Aoun und Ministerpräsident Saad Hariri. Dabei seien "die notwendigen Absprachen und Entscheidungen für eine erfolgreiche militärische Operation zur Eliminierung der Terroristen" getroffen worden, sagte der Generalmajor Saadallah Hamad nach der Sitzung.

400 IS-Kämpfer plus Hunderte weitere

Nach Einschätzung von Experten werden etwa 3.000 Soldaten an der Operation teilnehmen, darunter auch Angehörige von Elite-Einheiten. Diese werden dann voraussichtlich auch vom Westen gelieferte Waffen einsetzen. Nach Angaben der amerikanischen Botschaft vor Ort haben allein die USA die libanesischen Sicherheitskräfte seit 2005 mit mehr als 1,4 Milliarden Dollar (etwa 1,2 Milliarden Euro) unterstützt.

Trotzdem steht den Soldaten eine schwierige Mission bevor. Im libanesischen Teil des vom IS kontrollierten Grenzgebiets halten sich nach Angaben von Innenminister Nuhad Machnuk etwa 400 feindliche Kämpfer auf. Im syrischen Teil könnten es noch etliche hunderte weitere sein. Insgesamt soll das besetzte Gebiet knapp 300 Quadratkilometer umfassen - gut 140 davon im Libanon.

Hisbollah fordert zwei Fronten

"Das wird kein Picknick", sagt Hischam Dschaber, ein ehemaliger General, der das Nahostzentrum für Studien und politische Forschung in Beirut leitet. Die Offensive könne mehrere Wochen dauern, da es sich um ein sehr unwegsames Gelände handele und die IS-Kämpfer erfahren und gut ausgerüstet seien. "Die libanesischen Streitkräfte werden darauf bedacht sein, die eigenen Verluste so gering wie nur möglich zu halten."

Die von Iran unterstützte Hisbollah arbeitet seit 2013 mit den Truppen Assads zusammen. Deren Anführer Hassan Nasrallah betonte am vergangenen Freitag in einer im Fernsehansprache, dass eine Koordination zwischen den syrischen und den libanesischen Streitkräften wichtig sei. "Wenn wir zwei Fronten zur gleichen Zeit aufmachen, wird dies schneller zum Sieg führen und die Verluste verringern", sagte er. Seine eigenen Kämpfer stünden bei Bedarf auch auf libanesischer Seite als Verstärkung zur Verfügung, fügte er hinzu.

Libanon will keine Kooperation mit Syrien

Einige Politiker im Libanon hatten sich im Vorfeld klar gegen jegliche Kooperation mit Damaskus ausgesprochen. Auch Ministerpräsident Hariri ist ein Gegner Assads. In seinem Kabinett sitzen aber auch mehrere Mitglieder der Hisbollah sowie anderer Gruppen, die im syrischen Bürgerkrieg auf der Seite des Regimes stehen.

In dem kleinen Mittelmeerstaat mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern ist es seit einigen Jahren zwar vergleichsweise friedlich. Doch die Folgen der Kämpfe jenseits der Grenze sind deutlich zu spüren. Mehr als 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge leben im Land. Und gerade im Umfeld des IS-Gebiets leiden die Bewohner unter regelmäßigem Beschuss sowie unter Entführungen zur Erpressung von Lösegeld. Im konkreten Fall eint die verschiedenen Parteien also das gemeinsame Ziel. Das betonte auch Hariri: Bald werde die Präsenz des IS im Libanon ein Ende haben, versprach er.

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