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Präsidentenamt in Liberia - Stichwahl: Ex-Fußballer gegen Vizepräsident

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Der Wahlkampf um das Präsidentenamt in Liberia geht in die zweite Runde. In einer Stichwahl stellt sich Vizepräsident Joseph Boakai dem ehemaligen Weltfußballer George Weah.

In Liberia haben die Stichwahlen über die Nachfolge für Präsidentin Sirleaf begonnen. Der ehemalige Fußballprofi Weah und Vizepräsident Boakai treten gegeneinander an.

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"King George" nennen sie ihn liebevoll in seiner Heimat Liberia – weil er als einziger Afrikaner von der FIFA zum Weltfußballer gekürt wurde, das war 1995, im selben Jahr, als er auch Europas Fußballer des Jahres wurde. Jetzt will George Weah Präsident in Liberia werden.

Ellen Johnson Sirleaf
Ellen Johnson Sirleaf Quelle: reuters

Es ist bereits sein zweiter Anlauf - beim ersten Mal (2005) verlor Weah in der Stichwahl überraschend gegen die jetzige Amtsinhaberin Ellen Johnson Sirleaf. Sie tritt nach zwei Amtszeiten nicht mehr an. Weahs Konkurrent ist Joseph Boakai von der regierenden Einheitspartei (UP). Zwölf Jahre lang war er Vizepräsident an der Seite von Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, jetzt greift er selbst nach der Macht.

Weah ist der Hoffnungsträger

Im ersten Wahlgang am 10. Oktober hatte Weah, der für die Koalition für Demokratischen Wandel (CDC) antritt, mit 38,4 Prozent deutlich vor Boakai gelegen, der auf 29 Prozent kam. Insgesamt sind rund 2 Millionen Liberianer wahlberechtigt.

George Weah
George Weah Quelle: reuters

Der 51-jährige Weah ist für viele in Liberia der Hoffnungsträger. Er wurde in West Point geboren, einem Slum in der Hauptstadt Monrovia. Vor allem hier stehen viele hinter ihm. Fischer Ishmael Campbell formuliert es so: "George Weah ist ein Mann, der sich um seine Mitmenschen kümmert. Er liebt sein Volk und er kann und will den Menschen helfen. Boakai dagegen ist eine absolute Enttäuschung im Leben der Liberianer, er hat zwölf Jahre lang mitregiert ohne irgendetwas für sein Volk zu tun." Martha Suah ist 45 und Geschäftsfrau, auch sie setzt auf Weah: "Wir beten dafür, dass wir einen guten neuen Präsidenten bekommen, so dass unsere Kinder zu guten Schulen gehen können und kostenlos Bildung erhalten. Wir beten dafür, dass ein neuer Präsident Arbeitsplätze schaffen wird, damit unsere Kinder auch Jobs finden, wenn sie die Schule abgeschlossen haben. Es ist jetzt Zeit für einen richtigen Anführer und das kann keiner außer George Weah sein. Er ist der, den wir wollen."

Kann ein Fußballer Präsident?

Doch nicht alle denken so. Immer wieder hat Weah mit Vorwürfen zu kämpfen, dass er für das Amt des Präsidenten nicht über einen ausreichenden Bildungshintergrund verfüge, auch das hört man auf den Straßen in Monrovia: "Wir beten für eine bessere Führung als die jetzige, für einen Präsidenten, der sich sowohl um Muslime als auch um Christen kümmert. Für mich persönlich ist das Joseph Boakai, denn er ist älter und weiser. Er hat uns zwölf Jahre lang mitregiert und es gab keine Schwierigkeiten."

Joseph Boakai
Joseph Boakai Quelle: reuters

"Ich vertraue auf Gott", sagt dagegen Patrick Kollie. "Nur Gott kann uns einen besseren Präsidenten geben. Welchen der beiden Gott auch immer erwählt, hinter dem stehe ich. Natürlich kann auch ein früherer Fußballer Präsident sein. Warum nicht? Wenn Du die Bibel kennst, dann ist es wie in der Geschichte Davids. Er hat Schafe gehütet und wurde trotzdem ein guter Anführer. Wenn Gott sagt, ein früherer Fußballer soll Präsident werden, dann wird er auch ein guter Präsident sein."

Im Dunstkreis eines Kriegsverbrechers

Was irritiert ist allerdings, dass sich Weah ausgerechnet Jewel Howard-Taylor als Mitbewerberin ausgesucht hat. Wird er Präsident, wird sie Vizepräsidentin. Howard-Taylor ist die Ex-Frau des früheren Präsidenten, des "Schlächters" Charles Taylor. Er ging als einer der brutalsten Warlords Afrikas in die Geschichte ein. 2006 wurde Taylor verhaftet, er sitzt in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Die Vereinten Nationen verurteilten ihn in Den Haag zu 50 Jahren Haft – wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord, Terrorismus, Plünderung und sexueller Ausbeutung.

Jewel Howard-Taylor hat sich nie von ihrem Mann distanziert. Erst vor kurzem soll sie in einem Interview gesagt haben, Liberia müsse zu der Agenda zurückkehren, die Taylor in seiner Zeit als Präsident verfolgt habe. Laut einem Bericht der BBC versucht Charles Taylor noch immer aus dem Gefängnis heraus Einfluss auf die Politik des Landes zu nehmen. Trotz der Gräueltaten hat Taylor noch immer viele Anhänger in dem westafrikanischen Staat.

Was die fragwürdige Verbindung zu Charles Taylor angeht, soll George Weah kürzlich gesagt haben, in Liberia sei praktisch jeder in den Bürgerkrieg involviert gewesen. Wenn man nun beginne mit dem Finger auf gewisse Leute zu zeigen, könne kaum noch jemand zu den Wahlen antreten. Mit einem Ergebnis der Stichwahl wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Die Präsidentschaftskandidaten

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