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Libra - Großes Potenzial, viele Fragezeichen

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Facebooks Kryptowährung - Libra - Großes Potenzial, viele Fragezeichen

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Für die einen eine Bedrohung der jetzigen Finanzwelt, für die anderen die Zukunft des Geldes: Facebooks Libra-Ankündigung sorgt für kontroverse Diskussionen. Ein Überblick.

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Facebooks Kryptowährung Libra: Kritiker fordern, dass Finanzaufseher einschreiten sollen.
Quelle: imago

Als Facebook vor kurzem ankündigte, eine Kryptowährung namens Libra auf den Markt zu bringen, waren die Reaktionen sehr gemischt. Seither wird kontrovers diskutiert, wie Libra genau aussehen könnte und welche Folgen die Digitalwährung haben könnte.

Einige sehen darin eine potenzielle Gefahr für die Finanzstabilität und fordern, dass Staaten und Finanzaufseher einschreiten sollen. So jüngst der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, und US-Präsident Donald Trump. Andere sehen darin die Möglichkeit, vielen Menschen in ärmeren Regionen der Welt Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.

Was ist Libra?

Libra soll als eine neue Kryptowährung eingeführt werden und als Zahlungsmittel dienen. Schon dieser Anspruch hebt sie praktisch von anderen Krypto-Token ab. Die sollen und können zwar auch als Zahlungsmittel dienen, werden bislang vor allem aber als Geldaufbewahrungsmittel und spekulativ genutzt. Das liegt vor allem daran, dass noch relativ wenige Menschen und Unternehmen Bitcoin und Co. als Zahlungsmittel akzeptieren.

Mit Facebook im Hintergrund kämen potenziell über zwei Milliarden Menschen in Frage, die Libra als Zahlungsmittel nutzen könnten. Sie könnten beispielsweise über Ländergrenzen hinweg einfach Geld überweisen, ohne die hohen Gebühren zahlen zu müssen, die Banken bis heute verlangen. Libra und andere Kryptowährungen kommen außerdem auch ganz ohne Banken oder Bankkonten aus.

Was unterscheidet Libra von anderen Digitalwährungen?

Libra ist als eine spezielle Art von Kryptowährung konzipiert. Sie gehört zur Kategorie von sogenannten "stable coins", also "stabilen Münzen". Vergleichsweise stabil und wenig schwankungsanfällig soll sie sein, weil sie an einen Korb realer Währungen angebunden ist und durch Staatsanleihen im Hintergrund abgesichert wird. So gesehen kann Libra wie alle anderen Währungen zwar schwanken. Doch im Vergleich zu anderen Kryptowährungen, die nicht als "stable coins" konzipiert sind, wäre sie relativ stabil.

Wie sind die Daten der Nutzer geschützt?

Facebook hat angekündigt, dass die Daten für die neue Währung getrennt von den übrigen Daten der Nutzer verwaltet und nicht zu Werbezwecken eingesetzt werden sollen. Dafür wurde das Tochterunternehmen Calibra gegründet, welches die Finanzdienstleistungen für Libra bereitstellen soll. Bis auf "wenige Ausnahmen" teile Calibra ohne die Zustimmung des Kunden keine Finanzdaten mit Facebook, heißt es in einer Mitteilung.

Damit versucht Facebook offensichtlich, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn es gibt bekanntlich viele schlechte Erfahrungen mit dem Datenschutz bei Facebook in jüngster Vergangenheit. Allerdings warnen Datenschützer, dass dieser Konzern ohnehin schon über eine enorme Datenmenge seiner Kunden verfügt. Mit Details zum Zahlungsverhalten würde die potenzielle Macht von Facebook noch einmal potenziert.

Wer hat die Kontrolle über Libra?

Facebook hat andere Unternehmen dazu eingeladen, sich am Calibra-Konsortium zu beteiligen. Bisher haben 28 Großunternehmen oder Investoren sich in das Konsortium "eingekauft". Denn als Bedingung gilt eine Einzahlung von zehn Millionen US-Dollar. Schwergewichte aus der Bezahldienst- und Tech-Branche wie Mastercard, Visa, Paypal und der Fahrdienstanbieter Uber sind bisher mit von der Partie. Auch dabei sind Non-Profit-Unternehmen wie Kiva, das Kleinstkredite in Entwicklungsländern organisiert. Ziel ist es laut Facebook, bis zum Start der Währung im ersten Halbjahr 2020 rund 100 Mitglieder in dem Konsortium sitzen zu haben.

Wer kann Profit aus Libra schlagen?

Hinter Libra stehen in der Mehrzahl gewinnorientierte Unternehmen aus der Privatwirtschaft, die sich einen Mehrwert versprechen. Das übrigens unterscheidet Libra grundlegend etwa von Bitcoin: Denn die Mutter aller Kryptowährungen wurde in der Finanzkrise geboren als Alternative zum staatlichen und zentralbankgesteuerten Geldsystem.

Kern des Bitcoin ist, dass die Information über die Bitcoin-Verteilung durch die Blockchain für die Nutzer offen liegt und nachvollziehbar, damit auch sicher ist. Bitcoin wendet sich von seinem Ursprung her explizit gegen kontrollierende und bewachende Instanzen wie Notenbanken und Banken. Bei Libra übt das Libra-Konsortium, die Libra-Association, Kontrolle aus - und das sind Unternehmen mit ihren eigenen Interessen.

Wie realistisch ist das Libra-Konzept?

Auf Grund der Reichweite von Facebook mit seinen über zwei Milliarden Nutzern weltweit ist die Ankündigung dieses Projektes auf jeden Fall beachtenswert. Theoretisch könnte so eine ziemlich einzigartige globale Währung entstehen, wie man sie vorher nicht gesehen hat. Je ähnlicher Libra allerdings einer "klassischen" Währung wird, desto stärker dürften die Finanzmarktaufseher das Projekt im Auge haben - und nötigenfalls regulieren. Auf der Agenda der regionalen Notenbanken und nationalen Finanzaufseher ist das Thema bereits.

Was sagen Finanzaufseher?

Jüngst hat sich US-Notenbankchef Jerome Powell zu Wort gemeldet. Er habe bei Libra Bedenken in Hinblick auf die der Privatsphäre der Nutzer, mögliche Geldwäsche, den Schutz von Konsumenten und die Stabilität der Finanzwelt. Donald Trump hat per Twitter nachgelegt und für Kryptowährungen wie Libra Bankenlizenzen gefordert. Wenn Unternehmen wie Facebook in Bankgeschäfte einsteigen wollen, "dann müssen sie sich der Bankenregulierung unterwerfen, genau wie andere Banken auch, sowohl national als auch international".

Auch andere Aufseher haben angekündigt, sich Libra genau anschauen zu wollen. So sagte Bafin-Chef Felix Hufeld unlängst: "Wir können ganz sicher nicht einfach zugucken. Wir werden in irgendeiner Form angemessen reagieren müssen." Es ist also abzusehen, dass auf dem Weg bis zur tatsächlichen Einführung von Libra noch einige Hürden zu überwinden sind. Und was am Ende von der Idee übrig bleibt, ist heute noch nicht abzusehen.

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