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Europäische Zentralbank - EZB belässt Leitzins bei null Prozent

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Geld im Euroraum bleibt historisch billig, doch die lockere Geldpolitik der EZB ist nicht unumstritten. Wer profitiert und wem macht das Billiggeld zu schaffen?

Archiv: Die EZB in Frankfurt am Main, aufgenommen am 14.02.2019
Längst nicht jeder profitiert von den niedrigen Zinsen, die die EZB in Frankfurt festlegt.
Quelle: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erwartungsgemäß nicht an ihren Leitzinsen gerüttelt.
Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Währungshüter am Donnerstag in Frankfurt mit. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016.

Die EZB behielt auch den Einlagensatz auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Banken müssen damit weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik wollen die Währungshüter die Konjunktur ankurbeln und die zeitweise gefährlich niedrige Inflation anschieben - Folgen der weltweiten Finanzkrise und der anschließenden Euro-Schuldenkrise.

Wer profitiert von dem billigen Geld, wer leidet darunter?

Sparer

Sparbuch, Tagesgeld und Co. werfen in der Zinsflaute kaum noch etwas ab. Solange die Teuerungsrate nahe der Nulllinie dümpelte, glich sich das in etwa aus. Bei wieder steigenden Verbraucherpreisen verlieren Sparer unter dem Strich aber Geld. Allerdings hatte es auch zu Zeiten der D-Mark Phasen gegeben, in denen die Inflation höher war als die Zinsen.

Banken

Sparkassen und Banken macht das Zinstief zu schaffen. Lange verdienten Geldhäuser gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden für Guthaben zahlten. Doch die Differenz aus beidem, der Zinsüberschuss, schrumpft. Der Zinsüberschuss ist eine wichtige Ertragsquelle der Geldhäuser. "Es wird deshalb Zeit, dass auch in Europa endlich die Zinswende eingeläutet wird - wenn auch nur in kleinen Schritten", forderte jüngst der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke.

Finanzinstitute müssen zudem 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Das soll die Institute animieren, das Geld lieber in Form von Krediten an ihre Kunden weiterzureichen.

Bankkunden

Einige Kreditinstitute drehen in der Zinsflaute an der Gebührenschraube. Manche reichen die Strafzinsen teilweise an Privat- und Geschäftskunden weiter. Mindestens 13 meist kleinere Geldhäuser verlangen von Sparern nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox bei größeren Beträgen auf dem Tagesgeldkonto Negativzinsen.

Bei einigen wird ein Strafzins bereits ab 100.000 Euro Einlage fällig, bei anderen erst ab einer Million. "Negativzinsen für Privatkunden sind aber die absolute Ausnahme", sagt Verivox-Experte Oliver Maier. Seit 2017 stagniere die Zahl der Institute, die diese erheben würden, weitgehend. Ausgewertet wurden die Daten von 800 Geldhäusern. Auch das Vergleichsportal Check 24 sieht keinen Trend, "der bald auch Kleinanleger in größerem Ausmaß betrifft".

Lebensversicherungskunden

Die Assekuranzen können die hohen Zinsversprechen von bis zu 4 Prozent aus früheren Zeiten kaum noch erwirtschaften. Bei dem beliebten Altersvorsorgeklassiker sinkt die Bezinsung daher seit geraumer Zeit. Der zuletzt vom Bundesfinanzministerium festgelegte Garantiezins liegt für Neuverträge nur noch bei 0,9 Prozent. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung, über deren Höhe die Versicherer je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu entscheiden. Zusammen ergibt das die laufende Verzinsung. Immerhin ist die Talfahrt der laufenden Verzinsung in diesem Jahr nach Berechnungen der Ratingagentur Assekurata vorerst beendet.

Kreditnehmer

Zwar geben Banken den Leitzins von null Prozent nicht 1:1 an Kunden weiter. Dennoch profitieren Bauherren, Verbraucher und Firmen von den Niedrigzinsen, wenn sie sich bei den Instituten Geld leihen. Nach Berechnungen der unabhängigen FMH-Finanzberatung sank beispielsweise der Effektivzins für Baugeld mit zehnjähriger Laufzeit von im Schnitt 4,77 Prozent Anfang März 2008 auf 1,21 Prozent Anfang März 2019.

Fiskus

Wegen der niedrigen Zinsen kann sich der Staat günstiger verschulden. Nach Berechnungen der Bundesbank beläuft sich die Ersparnis seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 für Deutschland auf insgesamt 368 Milliarden Euro. Die Eurozone insgesamt hat demnach 1,42 Billionen Euro an Zinsen gespart. Die Bundesbank verglich das jeweilige Zinsniveau der Euroländer des Jahres 2007 mit dem jeweiligen Niveau in den Jahren bis 2018.

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