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Auf den Spuren der Jedi - Lichtschwertkampf: "Nerds aus Kellern geholt"

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Als Jedi-Ritter verkleidete Erwachsene, die sich mit bunten Schwertern bekämpfen - das gibt's auch in Deutschland. Ein paar Gruppen betreiben Lichtschwertkampf als Show.

Star Wars Fans beim Lichtschwertkampf (Archivbild)
Star Wars Fans beim Lichtschwertkampf (Archivbild)
Quelle: imago

In Zeiten, in denen unter Sportvereinen die Klage über eine Jugend grassiert, die Sport zunehmend nur noch als digitale Simulation betreibe, lässt dieser Satz aufhorchen: "Wir haben die Nerds aus den Kellern geholt und zu einer sportlichen Aktivität gebracht", sagt Günther Engl zu heute.de.

Erste Jedi Academy Deutschlands

Engl leitet keinen Fußball- und auch keinen Skiclub. Er ist Gründer der ersten Jedi Academy Deutschlands - oder in den offiziellen Sprachgebrauch übersetzt: einer Schule für Lichtschwertkampf. Lichtschwerter sind die bunt-leuchtenden Laser-Klingen aus den Star Wars-Filmen.

Die Begeisterung für dieses ungewöhnliche Hobby erreichte Engl in der oberpfälzischen Kreisstadt Cham über seinen Sohn. Seit 2014 gibt es nun die Akademie, in der sich jeden Samstag 25 Gleichgesinnte zwischen neun und 54 Jahren treffen, um neue Techniken zu erlernen, Choreografien einzustudieren und Kostüme zu schneidern.  

Star Wars wird nicht nachgespielt

"Es gibt Grundtechniken, die weltweit gleich sind", sagt Engl. "Darauf aufbauend entwickelt jeder seinen eigenen Stil." Die Jedi Academy teilt sich in zwei Gruppen: In eine reine Hobby-Gruppe, in der vorwiegend die älteren Mitglieder aktiv sind, und in die Showkampf-Gruppe, die ihre ausgefeilten, über viele Stunden einstudierten Tänze auf Szenetreffs in ganz Europa vorführt.

Es wird immer eine Geschichte erzählt, in der es um den Kampf Gut gegen Böse geht.
Günther Engl, Star Wars Academy Deutschland

Zu den 15-minütigen Choreografien gehören auch Musik und kurze Dialoge. "Es wird immer eine Geschichte erzählt, in der es um den Kampf Gut gegen Böse geht", sagt Engl. "Manchmal gewinnt das Böse, manchmal das Gute."  Dabei ist es allerdings Tabu, Szenen aus den Star Wars-Filmen originalgetreu nachzuspielen oder Geld für die Auftritte zu nehmen.

Bei Disney registriert

Dies würde die Urheberrechte des Disney-Konzerns verletzen. Sicherheitshalber hat sich die Jedi Academy offiziell bei Disney als Fangruppe registrieren lassen. "Ich möchte mich nicht mit einem Konzern anlegen", sagt Engl.

In den USA gibt es laut Engl "an jeder Ecke eine Star Wars-Gruppe".  In Deutschland sind ihm dagegen nur weitere fünf bis sechs Gruppen bekannt, wobei der Schwerpunkt im Ruhrgebiet liege. In anderen europäischen Ländern wird in den letzten Jahren der Lichtschwertkampf als sportlicher Wettkampf immer populärer. So gibt es eine international agierende Ludosport-Akademie, die ihren Ursprung in Italien hat. 

Deutscher Fechterbund prüft Aufnahme

Der DFB prüft Möglichkeiten, den Lichtschwertkampf als Breitensport anzubieten.
Deutscher Fechter Bund

Am weitesten fortgeschritten auf dem Weg von der Show zum Sport ist die Szene in Frankreich, wo der Fechtverband (FFE) bereits vor knapp einem Jahr Lichtschwert-Kämpfe als offizielle Disziplin anerkannt hat. Mitte Februar fand in Beaumont-sur-Oise das zweite vom Verband organisierte Turnier statt.

Auch der Deutsche Fechter Bund (DFB) kann sich auf Nachfrage von heute.de vorstellen, die Jedi-Ritter irgendwann unter seine Fittiche zu nehmen, um eine neue Zielgruppe an den Fechtsport heranzuführen. "Der DFB prüft Möglichkeiten, den Lichtschwertkampf als Breitensport anzubieten", heißt es beim Verband. "Wir stehen im Kontakt mit dem französischen Verband und tauschen uns über Erfahrungen und das Regelwerk aus."

"Showkampf ist schöner"

Bislang gäbe es aber noch keine konkreten Anfragen aus der Szene, so dass im Moment keine Dringlichkeit bestehe, aktiv zu werden. Auch Engl sieht in Deutschland keine Community, die den Lichtschwertkampf als Wettkampfsport vorantreiben würde. In Cham wird sich das auch nicht ändern.  "Wir sind dem Showkampf verfallen, weil er schöner ist", sagt Engl.

Diese Haltung wird auch auf dem Szeneforum saberproject.de geteilt. "Der Lichtschwertkampf lebt von seiner Dynamik, seiner Geschwindigkeit und seiner Eleganz, insofern ist er dem Tanzen näher als dem Schwertkampf", heißt es dort. "Die vom FFE anerkannte Form dürfte kaum mit dem uns bekannten und so geliebten Lichtschwerkampf vergleichbar sein."

"Überlebt die Community die Kommerzialisierung?"

Engl nennt noch einen anderen Grund, warum er sein Hobby nicht zum Wettkampfsport machen möchte. "Wir wollen miteinander kämpfen und nicht gegeneinander", sagt er. "Es gibt kaum eine andere Community, die so zusammenhält und sich so für andere einsetzt."

Mit gemischten Gefühlen betrachtet er allerdings die Kommerzialisierung, die um die Star Wars-Filme herum eine ganze Industrie hat entstehen lassen. "Überlebt die Community die Kommerzialisierung oder hat sie irgendwann genug davon?", fragt er sich. Das hat er dann ja wieder mit so manchem Fußball- oder Skisportfan gemeinsam.

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