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"Lifeline"-Kapitän vor Gericht - "Das ist widerlich"

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Der "Lifeline"-Kapitän muss sich auf Malta für die Rettung von Migranten vor der libyschen Küste rechtfertigen. Bei der Anhörung kritisierte er das Vorgehen von EU-Staaten scharf.

Claus-Peter Reisch verlässt Gerichtsgebäude in Valetta
Claus-Peter Reisch vor dem Gericht in Valletta. Quelle: reuters

"Die EU nimmt das Sterben aus politischen Gründen in Kauf. Das ist widerlich", sagte "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch laut einer Erklärung der Organisation Mission Lifeline. "Die EU-Politik versucht mit aller Macht, Seenotrettung zu verhindern."

Das Gericht setzte den Kapitän gegen Kaution auf freien Fuß. Der 57-Jährige dürfe Malta aber nicht verlassen, sein Pass werde eingezogen, entschied es bei der ersten Anhörung in der Hauptstadt Valletta. Als nächster Gerichtstermin wurde der 5. Juli festgesetzt.

"Das Sterben im Mittelmeer geht weiter"

Die Behörden werfen den Flüchtlingshelfern vor, sich bei der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer behördlichen Anweisungen widersetzt und gegen internationales Recht verstoßen zu haben. Seit Anlaufen des Schiffs in Malta war der Kapitän mehrfach von der Polizei vernommen worden.

"Das Sterben im Mittelmeer geht weiter, während wir festsitzen", sagte Reisch. "Was ist das für eine Welt, in der die Retter zu Tätern gemacht werden? Was ist das für eine Welt, in der stärker gegen das Retten als gegen das Sterben vorgegangen wird?" Reisch kritisierte auch die maltesische Justiz und erhob schwere Vorwürfe gegen die libysche Küstenwache. "Ich stehe hier vor Gericht, aber warum steht hier nicht die libysche Küstenwache?", fragte der "Lifeline"-Kapitän. Die Küstenwache Libyens habe seine Besatzung und ihn "noch vor kurzem mit dem Tod bedroht". Bei "Rettungen" der Küstenwache würden regelmäßig Migranten sterben.

Kapitän ist sich "keiner Schuld bewusst"

Zugleich kündigte Reisch an, mit der Justiz zu kooperieren. "Ich stehe hier bei Gericht gern zu allen Fragen Rede und Antwort und werde dazu beitragen, alle Fragen aufzuklären." Er sei sich jedoch "keiner Schuld bewusst". Er sei seiner Crew "dankbar", dass die Rettung von 234 Flüchtlingen gelungen sei.

Diese hatte die "Lifeline" in der vergangenen Woche vor der libyschen Küste gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta dem Schiff zunächst ein Anlegen verweigert hatten. Das Schiff befindet sich nun in Gewahrsam von Maltas Polizei und darf das Land nicht verlassen. Die Bundesregierung bot dem Kapitän konsularische Hilfe an.

Auch andere Seenotrettungsschiffe blockiert

Der Kapitän der "Lifeline" weist alle Vorwürfe vor Gericht zurück
Der Kapitän der "Lifeline" weist alle Vorwürfe vor Gericht zurück Quelle: Jonathan Borg/AP/dpa

Auch die drei anderen großen privaten Seenotrettungsschiffe im Mittelmeer waren weiter für den Einsatz blockiert. Die "Aquarius", die zuletzt nach einem Anlegeverbot Italiens und Maltas eine Odyssee nach Spanien hinter sich hatte, lag am Montag noch in Marseille. Das von SOS Méditerranée und "Ärzte ohne Grenzen" betriebene Schiff hatte zum Mannschaftswechsel bis an die französische Küste fahren müssen, weil näher am Rettungsgebiet liegende Länder ihr erneut die Einfahrt verwehrt hatten. In Malta lagen neben der "Lifeline" die "Seefuchs" und die "Sea-Watch 3" im Hafen.

Die maltesische Regierung hatte vergangene Woche angekündigt, bis zum Abschluss der "Lifeline"-Ermittlungen die Aktivitäten von Seenotrettungsorganisationen zu unterbinden. Die Retter der "Sea-Watch 3" wurden nach eigenen Angaben am Montag davon unterrichtet, dass ihr Schiff in Malta festgehalten wird. Eine rechtliche Begründung sei ihnen von den Behörden nicht geliefert worden, teilte die Organisation mit.

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