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Wer folgt auf Sahra Wagenknecht?

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Linke wählt neue Fraktionsspitze - Wer folgt auf Sahra Wagenknecht?

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Heute wählt die Linksfraktion im Bundestag ihren neuen Vorsitz. Neben Dietmar Bartsch kandidieren zwei Frauen. Warum diese Wahl richtungsweisend für die Partei ist.

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Archivbild
Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Archivbild
Quelle: Michael Kappeler/dpa

Ungelöste Personalfragen, anhaltende Flügelkämpfe und mäßige Umfragewerte: Die Liste akuter Probleme der Linkspartei ist lang. Hinzu kommt die große Lücke, die Sahra Wagenknecht als scheidende Fraktionsvorsitzende hinterlässt. Ihre Nachfolgerin wird es nicht leicht haben.

Wagenknecht hatte bereits im März angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen. Eine längere Krankheit, ausgelöst vor allem von Stress und Überlastung, habe ihr Grenzen aufgezeigt. Sie wolle aber politisch aktiv bleiben.

Dietmar Bartsch, aktueller Co-Vorsitzender, hat sich um eine weitere Amtszeit beworben. Seine Wiederwahl gilt als sicher. Neben Bartsch treten zwei Frauen an, denn mindestens einen der beiden Fraktionsvorsitzenden-Posten muss eine Frau innehaben.

Caren Lay

Caren Lay bei einer Rede im Bundestag.

Mietenpolitikerin, Kipping-Vertraute, Bautzenerin: Caren Lay war bis 2018 eine der vier stellvertretenden Vorsitzenden der Partei. Die 46-Jährige ist Fraktionssprecherin für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik im Bundestag. Ihr Wahlkreis Bautzen in Sachsen ist eine der Hochburgen der AfD. Lay zog es erst in den Nullerjahren in den Osten, geboren ist sie in Neuwied. In ihrer Bewerbung heißt es: "Ich möchte die Fraktion aus der Mitte heraus führen." Sie wirbt für einen neuen Aufbruch - eine zerstrittene Partei sei eine unattraktive Partei. Mit ihr an Bartschs Seite wäre der Wagenknecht-Flügel der Partei nicht mehr an der Spitze vertreten.

Amira Mohamed Ali

Amira Mohamed Ali bei einer Rede im Bundestag.

Newcomerin, linker Flügel, Oldenburgerin: Amira Mohamed Ali zog 2017 als Direktkandidatin für den Wahlkreis Oldenburg-Ammerland in den Bundestag ein. Die 39-jährige Rechtsanwältin ist Fraktionssprecherin für Verbraucherschutz und für Tierschutz. Geboren und aufgewachsen ist Ali in Hamburg, seit 2005 lebt sie in Oldenburg. Im Gegensatz zu Lay wird sie dem linken Flügel der Partei zugerechnet. In ihrer Bewerbung zum Fraktionsvorsitz schreibt Ali, dass es ihre sehr wichtig sei, in Zeiten des "unsäglichen Rechtsrucks" deutlich zu machen, auf welcher Seite Die Linke stehe. Zudem verspricht sie, eine bessere Zusammenarbeit der Partei zu fördern: "Die Fraktion könne viel mehr erreichen, wenn wir mehr und konsequenter miteinander arbeiten statt uns gegenseitig zu hemmen".

Dietmar Bartsch

Dietmar Bartsch spricht vor einem roten Transparent der Partei "Die Linke".

Co-Fraktionschef, Realo, Ostdeutscher: Dietmar Bartschs Wiederwahl gilt als gesetzt. Bartsch übernahm den Fraktionsvorsitz 2015 mit Sahra Wagenknecht von Gregor Gysi. Der 61-Jährige ist als DDR-Bürger in Stralsund geboren. Er war schon in der Linken-Vorgängerin PDS unter anderem Bundesgeschäftsführer. Bartsch hält die Sozialpolitik für die "Kernfrage" der Partei: "Wir müssen sie mit der ökologischen Frage ganz anders verbinden", betont er - und lässt damit Distanz zu Kipping erkennen. Bartsch gehört zum Realo-Flügel der Linken und strebt ein Regierungsbündnis mit SPD und Grünen auch im Bund an. Im internen Machtkampf der Partei zog er oft mit Wagenknecht an einem Strang.

Mit Wagenknecht geht eine umstrittene Figur

Dem Rückzug von Wagenknecht waren Auseinandersetzungen innerhalb der Partei vorausgegangen. Das Verhältnis zwischen Parteiführung und Fraktionsvorsitz galt als besonders angeschlagen. Zudem hatte die "Aufstehen"-Bewegung von Sahra Wagenknecht, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Oskar Lafontaine ins Leben gerufen hatte, für Kritik gesorgt

Über den Zeitpunkt der Abstimmung war zuletzt mehrfach diskutiert worden. Im Gespräch war, die Wahlen noch vor der Sommerpause durchzuführen. Auf Bitten ihres Co-Vorsitzenden hatte sich Wagenknecht dann aber bereit erklärt, bis zum Herbst im Amt zu bleiben. Auch der jüngste Vorstoß von Bartsch, die Wahlen auf Januar zu verschieben, scheiterte.

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