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Nach Wagenknecht-Rede - Der Frust bekommt eine Bühne

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Die spontane Debatte nach der Wagenknecht-Rede offenbart Gräben bei der Linken. Am Ende schlagen Partei- und Fraktionschefs eine Klausurtagung vor. Alles gut? Eher nicht.

Die Linke hatte sich viel für ihren Bundesparteitag vorgenommen. Doch am Ende sind noch viele kritische Fragen über die eigene Ausrichtung offen.

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Irgendwann reden sie dann doch miteinander. Es musste 13.40 Uhr am letzten Tag des Parteitags werden, dass die Kameraleute ein Bild von Sahra Wagenknecht und Katja Kipping einfangen können. Ein Bild, das die beiden zusammen zeigt, miteinander redend. Dieses Bild hatte es die vergangenen zwei Tage nicht gegeben. Die beiden hatten sich, außer einem Händedruck am ersten Tag, die kalte Schulter gezeigt. Sich angeschwiegen. Nun müssen sie dieses Schweigen brechen. Die Parteivorsitzende und die Fraktionsvorsitzende. Die eine gestern mit einem schlechten Ergebnis wiedergewählt, die andere, die gerade ihre Rede gehalten hat.

Sie reden, weil der Parteitag nach der Rede Wagenknechts eine einstündige Aussprache mit 250 zu 249 Stimmen erzwungen hat, eine Debatte, die den ganzen Parteitag über wie ein schlummernder Vulkan im Raum gestanden hatte. Und jetzt explodiert ist. Manche sagen, Wagenknechts Rede hätte die Debatte entfacht. Andere sagen, die Parteiführung hätte das angezettelt. Es regnet Unterstellungen von allen Seiten. Wie die zwei Tage zuvor. Alles beim Alten. Aber jetzt bekommt der Frust eine Bühne.

Buhrufe und Applaus für Wagenknecht-Rede

Sahra Wagenknechts Rede war für 12 Uhr an diesem letzten Tag angesetzt worden. Kipping, Bernd Riexinger, Dietmar Bartsch - sie alle hatten ihren Auftritt schon in den vergangenen zwei Tagen. Nun also Wagenknecht. Es dauert nicht lange, dann ist sie beim zentralen Thema: Flüchtlingspolitik und die Vorwürfe gegen sie. "Wenn mir und anderen Genossinnen und Genossen aus den eigenen Reihen Nationalismus, Rassismus oder AfD-Nähe vorgeworfen wird, dann ist das das Gegenteil von einer solidarischen Debatte", sagt sie. Mit Diffamierungen müsse Schluss sein.

In Anspielung auf ein Zitat von Alexander Gauland sagt sie: "Deswegen meine ich, wir sollten diese absurden Debatten beenden und lieber gemeinsam darum kämpfen, dass Gaulands AfD zu einem Vogelschiss in der deutschen Geschichte wird." Das sei doch der Job, anstatt sich hier auf dem Parteitag zu zerlegen. Sie sei für offene Grenzen für Flüchtlinge, man müsse aber über Grenzen der Arbeitsmigration reden. Wagenknecht erntet für ihre Rede Applaus und Buhrufe. Und dann reicht es einigen Delegierten: Der Antrag auf Debatte wird gestellt.

"Dieses Gezerre nervt"

100 Leute melden sich. Drei Minuten sind für jeden angesetzt. 25 schaffen es am Ende, ihren Beitrag am Mikrofon loszuwerden. Es gibt sachliche Beiträge, es gibt wütende Beiträge, es gibt mehr Beiträge für die Parteiführung als für Sahra Wagenknecht. "Ich möchte mich gar nicht für eine entscheiden müssen", sagt eine Delegierte, "dieses Gezerre nervt." "Lasst uns diesen Kindergarten sein, Sahra hat hier gegen keinen Beschluss verstoßen. Offene Grenzen für alle Menschen hat der Leitantrag gar nicht geregelt", sagt ein Bundestagsabgeordneter. Einer macht einen Vorschlag: "Setzt ihr Vier euch doch endlich zusammen und klärt das."

Am Ende der Debatte gehen die beiden Parteichefs Kipping und Riexinger mit den Fraktionsvorsitzenden Wagenknecht und Bartsch gemeinsam auf die Bühne. Das hatten sie nur ein mal kurz getan, als es am Samstag um den Iran ging. Nun schlägt Bernd Riexinger das vor, was Kipping und Wagenknecht vor der Debatte besprochen hatten: eine gemeinsame Klausur von Parteivorstand und Fraktionsvorsitzenden. "Ich finde es super, dass wir uns verständigt haben, hier zu viert auf die Bühne zu gehen und einen Verfahrensvorschlag zu machen." Katja Kipping fügt hinzu: "Wir haben kontrovers gestritten, das war nicht nur für uns vier emotional. Alle haben in einem Recht: Nur zusammen können wir den Rechtsruck aufhalten."

Parteitag des Streits, nicht der Klärung

Dann spricht Sahra Wagenknecht: "Das ist auch meine Bitte, darum geht es. Wir brauchen eine starke Linke in diesem Land, wir können nicht zusehen, wie die AfD immer stärker wird." Dietmar Bartsch sorgt noch für einen Lacher: "Phoenix hat den Kreuzzug der Kartharer abgesagt und überträgt das jetzt." Dieser Parteitag der Linken wird auch in die Geschichte eingehen - als ein weiterer Parteitag des Streits, nicht der Klärung.

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