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Linksextremismus-Experte - G20-Krawalle waren "Vorstufe zum Terrorismus"

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Die Krawalle rund um den G20-Gipfel in Hamburg haben viele erschüttert und eine Diskussion über den Umgang mit linker Gewalt entfacht. Linksextremismus-Experte Klaus Schroeder bezeichnet die Krawalle im heute.de-Interview als "Vorstufe zum Terrorismus". Mit den Gewalttaten werde Propaganda gemacht.

Die Krawalle während des G20-Gipfels werden der linken Szene zugerechnet. Die Augen der Politik richten sich jetzt auf die „Rote Flora“. Immer mehr Leute fordern die Schließung des Hamburger linksautonomen Zentrums.

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3 min
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heute.de: Waren die Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg schon Terror oder einfach nur Gewalt?

Klaus Schroeder: Es war eine hohe Gewaltintensität mit krimineller Energie. Von Terror im Sinne wie wir den Terror von der RAF, der Bewegung 2. Juni und anderen Gruppen kennen, war das kein Terror. Aber es ist die Vorstufe des Terrorismus. Einen Schritt weiter, wenn Menschenleben bedroht sind, dann würde ich von Terrorismus sprechen. Hier sind es einfach kriminelle Aktionen von Links-Akteuren durchgeführt.

heute.de: Wurde Gewalt in Hamburg gezielt eingesetzt? Und kann man die Ereignisse in Hamburg dem deutschen Linksextremismus zuordnen? Viele Täter kamen ja aus Südeuropa ...

Schroeder: Ja, bei diesen Aktionen sind immer auch Linksextremisten aus anderen Ländern dabei. Die militante Szene in Spanien, Griechenland und Italien ist sehr militant - militanter als die deutsche Szene. Aber dominiert hat auch in Hamburg die deutsche Szene. Sie wollen durch die Propaganda der Tat aufzeigen, dass sie an der Zerstörung dieses Systems arbeiten, und das ist ihnen ja auch gelungen. Die brennenden Barrikaden, die klirrenden Scheiben, alles das hat sie in einen Rausch versetzt und hat dann auch Leute mitgezogen, die eigentlich sonst vielleicht nicht zur Gewalt neigen.

heute.de: Inwieweit sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Hamburg und der Erkenntnis, dass laut Verfassungsschutzbericht seit Jahren die Zahl linker Extremisten und vor allem gewaltbereiter Linksextremisten steigt?

Schroeder: Die Zahl der Linksextremisten steigt zwar, ob die Zahl der gewaltbereiten Linksextremisten steigt, kann nur spekuliert werden. Ich halte die Zahlen, die veröffentlicht werden, für zu hoch, weil man pauschal Gruppen als gewaltbereit einstuft. Aber die einzelnen Personen brauchen eine Disposition, um dann auch wirklich Gewalt auszuüben. Ich denke wir haben 5.000 bis 6.000 gewaltbereite Linksextremisten, die aber nicht jederzeit Gewalt ausüben, sondern situativ. Die Gewalt weitet sich dann aus, wenn sich die Gelegenheit ergibt - wie jetzt in Hamburg.

heute.de: Inwieweit spielen grundsätzlich Rechtsextremismus und die Schere zwischen Arm und Reich bei Linksextremen eine Rolle?

Schroeder: Der Konflikt zwischen Arm und Reich ist ein konstruierter von Linken und Linksextremen. Bei uns geht die Schere in den letzten Jahren nicht mehr auseinander und die Armen sind daran auch nicht beteiligt. Das sind vielleicht Hartz IV-Empfänger oder Punkies und sonstige, die vom Staat und von der Gesellschaft leben, die sich an den Gewaltexzessen beteiligen. Der Kampf gegen Rechts, den gibt es in der Aktionseinheit aller Linken und es gibt eine hohe Zahl von Konfrontationsgewalt zwischen Links- und Rechtsextremisten. Wobei die Gewalt, muss man leider sagen, zumeist von Linksextremisten ausgeht.

Das Interview führte Alice Schlieker.

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