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Treffen Trump - Kim - Was vom Gipfel übrig bleibt

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Kurz und knackig war das Treffen zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Diktator Kim. Was ist jetzt wichtig? ZDF-Korrespondent Thomas Reichart beantwortet entscheidende Fragen.

Donald Trump und Kim Jong Un am 12.06.2018 in Singapur
Donald Trump und Kim Jong Un Quelle: reuters

Ist Kims Bekenntnis zur nuklearen Abrüstung ernst zu nehmen?

Das ist schwer zu sagen, weil dieses Bekenntnis so wenig konkret ist. Kims Versprechen selbst ist nichts neues, er hat das zuletzt auch beim Gipfel in Panmunjom Ende April erklärt. Aber man hätte erwartet, dass er auf diesem Gipfel in Singapur genauer erklärt, wann er wie viele seiner Atomraketen wie aufgeben will und wer das überprüfen soll. Auch frühere Kims haben Denuklearisierung versprochen und dann doch heimlich weiter gebaut am Atom- und Raketenprogramm. Insofern hilft es der Glaubwürdigkeit Nordkoreas wenig, dass sie weiter sehr vage in ihren aktuellen Versprechungen bleiben.

Allgemein ist die Rede davon, dass Kim Jong Un der große Gewinner des Gipfels ist – stimmt das?

Ich glaube, dass der Gipfel für Kim Jong Un in der Tat ein Erfolg ist und dass er sehr zufrieden zurückreist. Er hat bekommen, was sein Vater und Großvater schon immer wollten: ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten auf Augenhöhe. Das ist eine unglaubliche Aufwertung Nordkoreas und die Anerkennung als Atommacht. Frühere US-Präsidenten haben für ein solches Treffen eine Reihe von Vorleistungen gefordert, die Nordkorea am Ende nie erbracht hat. Trump hingegen hat Kim den Gipfel quasi frei Haus geliefert und Kim musste dafür substanziell bislang selbst wenig leisten.

Was bedeutet das Gipfel-Ergebnis für die Nachbarn der Koreanischen Halbinsel?

Die Südkoreaner werden vermutlich ihren Ohren nicht getraut haben, dass Trump die gemeinsamen Manöver der US-Truppen mit Südkorea aussetzen will und sogar in Aussicht gestellt hat, das amerikanische Militär ganz aus Südkorea abzuziehen. Man darf nicht vergessen, dass die Sicherheit Südkoreas gegenüber der Militärmacht Nordkorea auf der Präsenz von US-Truppen beruht. Natürlich gefällt den Nordkoreanern diese Idee von Trump. Aber die Südkoreaner werden sich nach diesem Gipfel fragen, ob Trump ihre Sicherheit nicht opfert für einen Deal mit Nordkorea. Das wäre im Übrigen auch für andere Verbündete Amerikas, insbesondere für Japan fatal, wenn der Eindruck entstünde, dass sie sich auf Amerikas Schutzversprechungen nicht mehr verlassen können.

Spezieller Blick auf China: Was bedeutet das Gipfel-Ergebnis für den großen Paten Nordkoreas?

Für China ist der Gipfel in doppelter Hinsicht eine gute Nachricht. Das Land will Ruhe und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel. Und wenn dieses Treffen eines liefert, dann ist es mindestens ein gutes Maß an Deeskalation in einem Konflikt, der vor kurzem noch drohte, in einen Krieg zu münden. Zum anderen gefällt Peking mindestens so gut wie Pjöngjang die Idee eines militärischen Rückzugs der USA aus der Region. China betrachtet die koreanische Halbinsel und im Grunde ganz Ostasien als seinen Hinterhof und seine Einflusssphäre, aus der es die USA möglichst verdrängen will. Wenn Trump Truppenstationierungen in Südkorea für zu teuer hält, können die Chinesen damit sehr gut leben. Es ist auch bemerkenswert, dass Chinas Außenministerium heute gleich die Idee aufgebracht hat, die Sanktionen gegen Nordkorea zu lockern oder gar auszusetzen. Peking geht es längst mehr darum, wieder möglichst viel Einfluss auf Nordkorea zu haben, als gemeinsam mit den USA Sanktionen mit dem Ziel einer Abrüstung durchzusetzen.

Ist nun der Weg frei für einen koreanischen Friedensvertrag?

Offenbar ist auch das schwieriger als gedacht. Wenn es ein Minimalziel für diesen Gipfel gab, dann war es eigentlich, dass beide Seiten skizzieren, wie es zu einem Friedensvertrag kommen könnte, der den Koreakrieg dann auch formal beenden würde. Erstaunlicherweise fehlt auch das in der gemeinsamen Erklärung, wo nur vage von einer Friedensregelung für die koreanische Halbinsel gesprochen wird. Es scheint auch da noch Differenzen zu geben. Offenbar fehlt es trotz der harmonischen Bilder von Singapur an Vertrauen, das nötig ist, um sich auf Dinge zu einigen.

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