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Lithium, Öl und Gold - Deutschland im Rohstofffieber

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Goldgräberstimmung in Deutschland? Um von Importen unabhängiger zu werden, wird intensiv nach Bodenschätzen gesucht - etwa nach Lithium in Sachsen und Öl in Rheinland-Pfalz.

In Deutschland hat eine Schatzjagd begonnen. Das Ziel: Rohstoffe wie Lithium, Erdöl und sogar Gold nicht nur zu importieren, sondern auch bei uns aufzuspüren und abzubauen.

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Öl kommt aus der Wüste, Lithium aus Südamerika und Gold aus Australien. Stimmt. Aber nicht nur, denn längst ist auch in Deutschland die Jagd auf Rohstoffe eröffnet. Zum Beispiel im Erzgebirge. Dort wollen gleich mehrere Unternehmen die jahrhundertealte Tradition des Bergbaus wiederbeleben, um etwa Zinn oder Wolfram abzubauen.

Oder Lithium, wie zum Beispiel die Deutsche Lithium GmbH. In wenigen Jahren soll es losgehen. Rund 50 Kilometer vom sächsischen Freiberg entfernt will das Unternehmen das Mineral Zinnwaldit abbauen und mit Hilfe eines neuen Verfahrens umweltschonend Lithium daraus gewinnen. "Ich bin mir sehr sicher, dass wir zu geringen Kosten ein sehr gutes Produkt herstellen können und damit weltmarktfähig sind", sagt Unternehmer Armin Müller.

Weißes Gold

Der Grund für so viel Zuversicht: Lithium gilt als das "weiße Gold". Eine Tonne kostet umgerechnet rund 11.000 Euro, mehr als doppelt so viel wie vor zwei Jahren. Und der Bedarf ist enorm. Denn Lithium wird für Batterien in E-Autos und Handys dringend gebraucht. Die Abbauländer vor allem in Südamerika diktieren den Preis und fördern teils ohne Rücksicht auf die Umwelt. Mit eigenen Lithium-Quellen könnte sich Deutschland davon unabhängiger machen. Immerhin: Im Osterzgebirge werden mehrere hunderttausend Tonnen Lithium vermutet.

Trotzdem ist das Projekt riskant. "Sicher ist das eine Wette auf die Zukunft", sagt Luis Tercero vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung. Das Problem: Noch hat Europa keine eigenen Fabriken für die Produktion von Akkus. Damit gibt es in der Nähe keine potenziellen Abnehmer für Lithium. Die Akkus kommen bisher meist aus Fernost. Dennoch ist Armin Müller optimistisch: "Wir hoffen sehr, dass die Aktivitäten in großen Firmen, insbesondere der Automobilindustrie, in diese Richtung gehen werden."

Ölquellen in Deutschland

Lithium aus Deutschland - noch steht dahinter ein Fragezeichen. Öl wird dagegen längst gefördert. Das meiste in Norddeutschland, aber auch in Rheinland-Pfalz. Zum Beispiel in der Region Landau, wo schon seit Jahrzehnten Pferdekopfpumpen zwischen Weinstöcken stehen. "Die deutsche Erdölproduktion insgesamt kann ungefähr drei Prozent des deutschen Bedarfs jährlich decken", erklärt Michael Kobel vom Ölproduzenten Wintershall. "Da reden wir ungefähr über 2,6 Millionen Tonnen. Das entspricht ungefähr der Menge, die Deutschland aus Saudi-Arabien importiert."

Und es soll mehr werden. Bei Speyer werden schon jetzt täglich 500 Tonnen Öl aus der Erde geholt. Nun soll in 450 Metern Entfernung zu einem Wohngebiet ein weiteres Ölfeld erschlossen werden. Sehr zum Ärger der Anwohner, die sich zusammen mit Umweltschützern dagegen wehren. "Es kann zu Bodensenkungen kommen, es kann zu Erdbeben kommen, es gibt Kontaminationen", warnt Roland Kirsch vom BUND Rheinland-Pfalz.

Risiko contra eigene Rohstoffe vor der Haustür?

Noch habe es rund um Speyer keine Unfälle gegeben, beteuern die Betreiber und betonen, die Förderung im eigenen Land sei "ein wichtiger Beitrag für unsere Volkswirtschaft". Eine Aussage, die vielleicht auf Öl, weit weniger aber auf Gold zutrifft. Denn im internationalen Vergleich spielt die Förderung des glänzenden Rohstoffs in Deutschland keine Rolle - angesichts riesiger Vorkommen in China, Australien oder in den USA.

Daran wird wohl auch das Kieswerk von Holcim in Rheinzabern nichts ändern, obwohl es immerhin mehrere Kilo Gold im Jahr aus Sand und Kies herausfiltert - übrigens ohne damit umweltbelastende Chemie einzusetzen. Den Traum vom großen Reichtum träumt in Rheinzabern aber niemand. "Unser Geld verdienen wir immer noch mit dem Kies und mit dem Sand", erklärt Stefan Fragner. "Das Gold ist sozusagen ein kleines Nebenprodukt." Eines, das als heimisches Bio-Gold immerhin einige gut zahlende Schmuck-Liebhaber gefunden hat.

Wie soll man weltweit auf Elektroautos umsteigen, wenn der dafür wichtige Rohstoff Lithium wie Gold gehandelt wird? Harald Lesch mit einer genialen Vorstellung.

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