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Nach Treffen mit Erdogan - Özil und Gündogan mit Denkzettel zur WM

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Mesut Özil und Ilkay Gündogan sind nach dem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan Zielscheibe schärfster Kritik. Zur WM fahren sie dennoch.

Ilkay Gündogan und  Mesut Özil, aufgenommen am 14.11.2017 in Köln
Ilkay Gündogan und Mesut Özil
Quelle: picture alliance / Rauchensteiner/Augenklick

Joachim Löw wischte die Frage energisch beiseite. "Zu keiner Sekunde" habe er auch nur daran gedacht, Mesut Özil und Ilkay Gündogan zu sanktionieren oder sie gar aus seinem WM-Kader zu werfen, betonte der Bundestrainer mit fester Stimme. Dennoch: Die beiden Mittelfeldstars bekommen nach ihrem Treffen mit dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan eine klare Ansage vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und befinden sich weiterhin im Auge eines Sturms.


"Mehr als nur befremdlich"

Quer durch die politische Landschaft wurde die unbedachte Wahlkampfhilfe der türkischstämmigen Nationalspieler für Erdogan verurteilt - wie es auch DFB-Präsident Reinhard Grindel bereits am Montag getan hatte. Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte der Bild-Zeitung, es sei befremdlich, sich "vor den Wahlkampfkarren eines ausländischen Politikers spannen zu lassen, der sich vor Kurzem noch abfällig über Deutschland geäußert hat". Wolfgang Bosbach (CDU) ergänzte, er finde es "mehr als nur befremdlich, dass beide auf diese Weise einem antidemokratischen, autoritären Herrscher huldigen."

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel nutzte Özils und Gündogans Vorlage gar zur Forderung, die beiden Stars "zu Hause zu lassen". Dies ließ sich Löw erwartungsgemäß nicht einreden. Doch auch der Bundestrainer war alles andere als erfreut. Allerdings zeigte er angesichts seiner Türkei-Erfahrung auch ein "bisschen Verständnis" für die Spieler, weil er wisse, dass bei jenen "mit Migrationshintergrund" zwei Herzen in der Brust schlagen.


"Keine glückliche Aktion"

Auch Grindel warb um einen fairen Umgang. "Menschen können Fehler machen. Wir müssen das Maß wahren", sagte er im Dortmunder Fußball-Museum, viele Kritiker hätten über das Ziel hinausgeschossen. "Wir haben den beiden klargemacht, dass es keine glückliche Aktion war", sagte Löw, der ein intensives Gespräch mit den Spielern für das Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol ankündigte. Er betonte allerdings auch: "Beide haben für die Integration in Deutschland sehr viel getan", der Vorfall werde ihnen "eine Lehre sein".

Die DFB-Führung wird alle WM-Fahrer "auf die Brisanz gewisser Fragen hinweisen, auch im Zusammenhang mit dem Gastgeber Russland". Dies sei jedoch ohnehin geplant gewesen. Der türkische Fußballverband TFF hat indes am Dienstag mit großer Empörung auf die ersten Aussagen von Grindel vom Montag reagiert. Grindels "verleumderische" Kommentare hätten bei ihm "große Traurigkeit" ausgelöst, ließ der TFF-Vorsitzende Yildirim Demiroren mitteilen: "Die ausgedrückten Gedanken sind absolut inakzeptabel." Grindel hatte geäußert, dass sich die beiden Spieler für Wahlkampfmanöver von Erdogan hätten missbrauchen lassen.

Ilkay Gündogan, Mesut Özil und Cenk Tosun treffen Türkeis Staatspräsidenten Erdogan.
Ilkay Gündogan (links), Mesut Özil (2. von links) und Cenk Tosun (rechts) treffen Türkeis Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.
Quelle: ZDF

Özil und Gündogan hatten Erdogan in einem Hotel in London getroffen und signierte Trikots ihrer Vereine überreicht. Gündogan erklärte dies mit einer Geste der Höflichkeit. Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), übte dennoch harsche Kritik. "Deutsche Fußballer nutzen ihre Prominenz, um einem Feind der Pressefreiheit Wahlkampfhilfe zu leisten", sagte er der Heilbronner Stimme: "Ich finde diesen Auftritt geschmacklos - ein peinliches Eigentor." Allerdings keines, dass Özil oder Gündogan den Weg nach Russland versperren wird.

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