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Finanzplatz London - Stellenabbau: Viele Sorgen, wenig Optimismus

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Während die Brexit Verhandlungen in Brüssel laufen, bereitet sich die britische Wirtschaft vor - auch auf ein mögliches No-Deal-Szenario.

Canary Wharf - Finanzzentrum in London
Quelle: epa

Schon im April hatte die Bank of England die Finanzwirtschaft im Vereinigten Königreich aufgefordert, Kontingenzpläne aufzustellen und einzureichen. Damit wollte die Bank als zuständige Aufsichtsbehörde sicherstellen, dass sich alle Unternehmen frühzeitig und gut auf den Brexit vorbereiten. Der Inhalt der Pläne ist nicht im Detail bekannt - in vielen Fällen weiß man aber, wohin die Banken ihre neue EU-Zentrale verlegen. Oft genannt werden Dublin, Frankfurt und Paris. Und die Banken gehen damit ganz offen um. Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein twittert über die tolle Zeit, die er in Frankfurt und Paris verbringt. Und darüber, ob die neue Goldman Sachs Zentrale, die momentan in London entsteht, wohl jemals richtig bezogen werden wird.

Folgen für britische Finanzwirtschaft

Wie viele Stellen im Vereinigten Königreich durch die Verlagerung der Geschäfte wegfallen, ist noch unklar. Die Schätzungen reichen von 30.000 bis zu 200.000. Die aktuellste Prognose der Bank of England nennt laut BBC den Abzug von 75.000 Stellen, sollten die Brexit-Verhandlungen ohne einen konkreten Deal für die Finanzwirtschaft ausgehen. "Bis zum Ende dieses Jahres bleibt uns noch Zeit. Bis dahin werden die Notfallpläne noch weiter ausgefeilt. Herrscht aber bis zum Anfang des nächsten Jahres weiterhin keine Klarheit über den Ausgang der Verhandlungen, werden die Banken damit beginnen, ihre Pläne umzusetzen und mehr Arbeitsplätze in andere EU-Staaten verlagern", sagt Dr. Thomas Sampson vom King’s College in London.

"Man rechnet in Brüssel damit, dass Theresa May ein verbessertes Angebot zur Brexit-Austrittsrechnung vorlegen wird“, so Anne Gellinek, ZDF-Korrespondentin, zum anstehenden Treffen von Tusk und May.

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Das größte Problem am Wegfall der Arbeitsplätze sei aber nicht etwa Angst vor steigender Arbeitslosigkeit, sondern es seien die sinkenden Steuereinnahmen des Staates. Jobs in der Finanzbranche seien gut bezahlt und würden auch dementsprechend besteuert, so Sampson. Die Finanzbranche war 2016 für mehr als zehn Prozent der gesamten Steuereinnahmen verantwortlich.

Erste Folgen des Brexit Votums im vergangenen Jahr sind bereits wirtschaftlich zu spüren. Das Britische Pfund hat seit dem Referendum gegenüber dem Euro mehr als 15 Prozent eingebüßt. Eine Studie der niederländischen Rabobank prognostiziert vor allem für den Fall eines "No Deal-Brexit" hohe Einbußen für die britische Wirtschaft.

Unsicherheit über den Ausgang

In der britischen Wirtschaft herrscht große Unsicherheit über die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen. Immer wieder wendet sie sich deshalb an die Regierung. Im September hatten über 100 Unternehmen an die Verhandlungsführer appelliert, die Verhandlungen schneller voranzutreiben, um früher Klarheit über die weitere Entwicklung zu haben. Mitte Oktober forderten die größten Lobbygruppen des Landes in einem Brief an die Regierung eine Übergangsphase nach dem Brexit. Das würde bedeuten, dass für eine bestimmte Zeit Regelungen zum Beispiel für Handel und Reisemöglichkeiten unverändert bleiben und man für diese Zeit als ausgetretenes Mitglied ohne Mitbestimmungsrechte in der EU verbleibt.

Eine solche Übergangsphase halten auch viele Experten für ökonomisch sinnvoll. "Es wird nicht dazu beitragen, dass die ersten Risiken abgeschwächt werden, aber es wird den Unternehmen helfen, sich geordnet an die neuen Verhältnisse anzupassen", sagte Sam Woods von der Bank of England in einer Rede Anfang Oktober.

Kritik an der Übergangsphase

Bei Brexit-Befürwortern erntet die Idee einer Übergangphase Kritik. Es besteht die Befürchtung, den EU-Austritt so herauszuzögern und vor allem weiterhin Zahlungen leisten zu müssen. Daher wird gefordert, eine Übergangsphase von vornherein zeitlich zu begrenzen und Verlängerungen auszuschließen. Nach Meinung der britischen Experten steht jedoch fest: Auch nach dem Brexit wird London ein starker Finanzplatz bleiben, denn die Mitgliedschaft in der EU war immer nur einer von vielen Vorteilen des Standorts London.

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