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Luftangriff in Libyen - Viele Tote in Migrantenlager bei Tripolis

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In Libyen kämpfen rivalisierende Gruppen um die Macht. Bei einem Luftangriff bei Tripolis sind Dutzende Menschen in einem Lager für Migranten getötet worden.

Libysche Mitarbeiter des Roten Halbmonds bergen Leichen nach einem Luftangriff auf Migrantenzentrum bei Tripolis
Rettungskräfte suchen in den Trümmern des Lagers bei Tripolis nach möglichen Überlebenden.
Quelle: dpa

Bei einem Luftangriff in einem Vorort der libyschen Hauptstadt Tripolis ist ein Lager für Migranten getroffen worden. Etwa 40 Menschen seien in dem Lager in Tadschura getötet und 80 weitere verletzt worden, teilte Malek Merset, ein Sprecher der libyschen Gesundheitsbehörden, in der Nacht auf Mittwoch mit. Er veröffentlichte Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Migranten in Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht werden. Die Vereinten Nationen verurteilten den Angriff.

In einem Hangar seien laut dem Sprecher gut 120 Migranten festgehalten worden. Diese stammten nach Berichten des arabischen Fernsehsenders Al-Jazeera aus Sudan, Eritrea und Somalia und waren auf ihrem Weg nach Europa in Libyen aufgegriffen wurden. Tausende sitzen in diesen Lagern, die von der libyschen Regierung im Westen des Landes betrieben werden, fest. Die Zustände dort bezeichnen Menschenrechtsgruppen und die Vereinten Nationen häufig als unmenschlich.

General Haftar will Tripolis einnehmen

In einer Mitteilung machte die von den UN unterstützte libysche Regierung die selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) des Generals Chalifa Haftar für den Luftangriff verantwortlich. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, bestreitet die LNA, den Luftangriff verübt zu haben.

Karte: Libyen
Tripolis ist die Hauptstadt von Libyen
Quelle: ZDF

Libyen ist durch zwei rivalisierende Regierungen gespalten. Beide werden jeweils von Milizen unterstützt, die verschiedene Städte unter ihrer Kontrolle haben. General Haftar kontrolliert weite Teile des Ostens und Südens des Landes. Vergangene Woche musste er einen herben Rückschlag einstecken, als mit der Regierung in Tripolis verbündete Milizen die strategisch wichtige Stadt Garian zurückeroberten. Über Garian lief ein großer Teil der Versorgung der LNA.

UN kritisieren Haftars Offensive

Im April hatten Haftars Truppen eine Offensive zur Eroberung der Hauptstadt begonnen. Ende Juni hatte Haftar eine Initiative des Ministerpräsidenten Fajis al-Sarradsch zur Befriedung des Landes zurückgewiesen. Er werde seine Offensive fortsetzen und die Hauptstadt Tripolis von "terroristischen Milizen" befreien, sagte Haftar. Militärische Einsätze würden nicht eingestellt, solange Tripolis nicht eingenommen sei, zitierte ein lokales Nachrichtenportal den General. Die UN und internationale Hilfsorganisationen kritisieren Haftars Offensive, durch die Hunderte Menschen getötet und Tausende Zivilisten vertrieben wurden.

Viele der lose mit der UN-gestützten Regierung in Tripolis alliierten Milizen haben ihre Lager in Tagiura, östlich des Zentrums von Tripolis, wo auch das angegriffene Lager liegt. Haftars Truppen haben diese bereits in den vergangenen Wochen aus der Luft angegriffen. Haftars Ziel ist es nach eigener Aussage, Stabilität in das nordafrikanische Land zurückzubringen.

Trotz der Gewalt ist Libyen nach wie vor eines der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten oder dem Nahen Osten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Migranten sind in Libyen der Willkür bewaffneter Milizen ausgesetzt. Sie werden häufig ohne jede rechtliche Grundlage in Zentren festgehalten, von denen sich viele nahe umkämpfter Zonen befinden.

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