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Luftfahrtmesse Le Bourget - Lufthansa ringt um gute Zahlen

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In der Luft herrschen raue Sitten. Da wird um Preisvorteile gekämpft wie um Passagiere. Derweil verbreiten die Hersteller auf der Pariser Luftfahrtmesse fragwürdigen Optimismus.

Die regelmäßige Leistungsschau der Luftfahrtbranche in Le Bourget bei Paris wird dieses Jahr von gemischten Gefühlen geprägt – von "Demut" bis "Aufbruch" scheint alles dabei zu sein. Wobei Demut nicht nur die Haltung des angeschlagenen Herstellers Boeing kennzeichnen soll, wenn man die Worte von Boeing-Chef Dennis Muilenburg für bare Münze nimmt.

Lufthansa korrigiert Gewinnprognose - nach unten

Eher überraschend und vom Timing her ziemlich unglücklich kommt eine harsche Prognosekorrektur der Deutschen Lufthansa. Die erwarteten Gewinne werden kaum so hoch ausfallen, wie man es bisher vermittelt hatte: Statt bis zu drei sollen es dieses Jahr allenfalls zwei bis 2,4 Milliarden Euro werden. Noch vor wenigen Wochen hatte das ganz anders geklungen. Vorsichtigere Kommunikation wäre da wohl ein Rezept für die Zukunft.

Bei der Lufthansa reißt die Tochtergesellschaft Eurowings ein Loch in die Bilanz. Denn auf den Strecken im Inland und den europäischen Kurzstrecken verdient die Billig-Airline kein Geld. Am Himmel ist da nämlich ziemlich die Hölle los, mehrere Konkurrenten attackieren die Lufthansa-Tochter mit angeblich nicht kostendeckenden Ticketpreisen. Klingt nach unfair, ist aber nun einmal europäische Realität, seit solche Unternehmen wie Ryanair oder Easyjet den Markt aufmischen, und das tun sie aggressiv und schon länger.

Was von Seiten Ryanair und ihrem irrlichternden Chef Patrick O’Leary hin und wieder ventiliert wird, nämlich Ideen für eine Toilettengebühr an Bord oder gar die Einführung von Stehplätzen, deutet jenseits aller Fantasterei schon auf das Kernproblem aller dieser Fluglinien: Die Kosten müssen runter. Die Erlöse zu steigern ist ungleich schwieriger.

"Turnauround-Strategie" für Fluggesellschaften

Und so bekommt nun auch Eurowings eine neue Sparrunde verordnet. Die Lufthansa-Führung nennt es ehrlicherweise eine "Turnaround"-Strategie, was nichts anderes bedeutet, als dass die gegenwärtige Flugrichtung untauglich ist, ins Verderben führen würde und das Unternehmen in einer ernsten Krise steckt.

Turnaround, das sagt man gewöhnlich bei Firmen, die vor dem Kollaps stehen. Nur dank der Ertragsstärke der Lufthansa auf Langstrecken und der Reserven des größten europäischen Luftfahrtkonzerns steht so etwas wie eine Pleite nicht zur Debatte. Allerdings verlor die Lufthansa-Aktie schlagartig Milliarden an Wert: Minus 12 Prozent waren es zeitweise an der Frankfurter Börse. In den Sog gerieten alle Aktien der Branche, seien es die von Air France oder British Airways und natürlich auch die von Wizz, Easyjet oder Ryanair. Man geht wohl zu Recht davon aus, dass keiner ungeschoren davonkommt, wenn die geschilderte Sorte Wettbewerb bleibt, wie sie ist, und womöglich gleichzeitig noch die steigenden Kerosinpreise und Lohnkosten die Bilanzen belasten.

Das Ausscheiden der "Schwachen" funktioniert nicht

Nach der reinen Lehre wäre nun, höflich ausgedrückt, das Ausscheiden der schwächeren Marktteilnehmer die Lösung, was im Luftverkehr, der immer auch mit Nationalstolz einhergeht, nicht so recht vorankommt. Allein Air Berlin gab unter dem Druck vor geraumer Zeit auf. Und landete ironischerweise großteils unter den flügellahmen Fittichen der Eurowings.

Alitalia bekommt derweil nur mit staatlicher Alimentierung Luft unter die Flügel und Air France/KLM suchen ebenfalls im Krisenmodus nach neuen Ertragsquellen. Die Passagiere bekommen es natürlich längst zu spüren: Vom Gepäck bis zur verstellbaren Rückenlehne wird mittlerweile jede Kleinigkeit extra berechnet, die Kalkulation einer vernünftigen Flugverbindung wird für den Verbraucher zur echten Rechenaufgabe.

Neuer Kampfjet deutsch-französisches Prestigeobjekt

Pariser Luftfahrtmesse mit der Präsentation eines Modells des neuen europäischen Kampfjets
Pariser Luftfahrtmesse mit der Präsentation eines Modells des neuen europäischen Kampfjets
Quelle: dpa

Zurück in die Show-Welt von Paris: Da wird neben den Passagierjets unter höchstrangiger Beteiligung auch das künftige Projekt eines deutsch-französischen Kampfjets würdig begangen, indem der französische Staatspräsident Macron zusammen mit Verteidigungsministerin von der Leyen einen Messebesuch bei den beteiligten Herstellern im Programm hat, darunter Dassault und Airbus.

Das extrem teure Projekt soll erst 2040 überhaupt starten – beruhigend für den heutigen Steuerzahler ist es dennoch nur bedingt. Der zahlt nämlich noch für den manchmal fliegenden, oft aber lahmgelegten Eurofighter, dessen Geburtswehen auch jedes Maß überschritten, damals. Was zwar existiert, aber auf der Messe nicht zu sehen sein wird: Die Boeing 737 Max. An deren Exemplaren wird nämlich noch getüftelt und geschraubt, nachdem eine Pannenkette zu zwei Abstürzen mit Hunderten Toten geführt hatte.

Boeing 737 Max ist auf der Messe nicht zu sehen

Boeing-Chef Muilenburg räumte nun ein, die Kommunikation des Konzerns sei "nicht konsistent" gewesen, also nicht geradlinig – was wohl die Untertreibung des Jahres werden könnte. Mit Vertuschen und Bemänteln wäre die Haltung, Fehler erst nach deren Aufdeckung durch Dritte zuzugeben, wohl besser beschrieben. Jedenfalls bleiben Bestellungen für den Jet aus, der Ende des Jahres wieder die Flugfreigabe erhalten soll.

Dieses Problem hat Airbus mit seinem Verkaufsschlager A 321 neo zwar nicht, kann aber nicht schnell genug liefern, um die Schwäche des Konkurrenten wirklich zu nutzen. Hauptargument für den Kauf neuer Modelle ist ohnehin inzwischen deren Sparsamkeit, und diese Disziplin beherrschen inzwischen alle Hersteller. Denn die Kosten für Airlines und auch die Umwelt müssen herunter – da trifft sich die Glitzerwelt der Messe dann mit dem grauen Alltag des Luftverkehrs.

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