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Zukauf von Air-Berlin-Teilen - Lufthansa-Deal "kein guter Tag für Verbraucher"

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Die Lufthansa setzt zum Höhenflug an: Sie übernimmt mehr als die Hälfte der Flotte der insolventen Konkurrentin Air Berlin und will damit ihre Marktführerschaft in Deutschland ausbauen. "Kein guter Tag für den Wettbewerb und die Verbraucher", urteilt Wettbewerbsexperte Daniel Zimmer im ZDF.

Mehr als die Hälfte der bisherigen Fluggesellschaft Air Berlin will die Lufthansa übernehmen – für 210 Millionen Euro. Bisherige Air Berlin-Mitarbeiter sollen sich bei Eurowings neu bewerben, über die restlichen Air Berlin-Teile stocken die …

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Durch den Deal wächst die Sorge vor Monopolstrecken. "Hier verabschiedet sich ein Unternehmen vom Markt, das der Lufthansa auf innerdeutschen Flügen heftig Konkurrenz gemacht hat", sagt Daniel Zimmer, Experte für Wettbewerbsrecht, im ZDF heute journal. Das sei kein guter Tag für den Wettbewerb und für die Kunden. Zumindest auf den Strecken, auf denen Air Berlin der einzige Mitwerber der Kranichlinie war, rechnet Zimmer mit steigenden Preisen. Die EU-Kommission werde jedoch die Strecken einzeln prüfen. Im Ganzen komme es aber zu weniger Wettbewerb.

Lufthansa will "schlagkräfter, globaler Spieler" sein

Wochenlang hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr hinter verschlossenen Türen verhandelt, am Donnerstag dann den Vertragsabschluss verkündet. Lufthansa will sich so auch gegen weltweite Konkurrenten behaupten. "Wir müssen dafür sorgen, dass es auch in Europa schlagkräftige, globale Spieler gibt", erklärte Spohr in der Hauptstadt.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann betonte: "Heute sind wir einen großen Schritt vorangekommen." Zwar liefen die Verhandlungen mit dem britischen Billigflieger EasyJet über andere Maschinen noch. Doch ein großer Teil der Beschäftigten von Air Berlin habe jetzt eine Perspektive.

Kartellwächter müssen noch zustimmen

Mit dem Deal stärkt die Lufthansa vor allem ihre Tochter Eurowings - sofern die Kartellwächter zustimmen. Börsianer jubelten. Die Lufthansa-Aktie kletterte auf den höchsten Stand seit fast 17 Jahren. Mit einem Plus von zeitweise drei Prozent auf 25,34 Euro war das Papier größter DAX-Gewinner. Die Investmentbanken Bernstein und HSBC halten sogar einen Anstieg auf bis zu 30 Euro für möglich. "Der Air-Berlin-Deal macht die Lufthansa in ihrem Heimatmarkt stärker, was in den kommenden Jahren zu steigenden Erträgen führen sollte", schrieben die HSBC-Analysten. Und Spohr hat schon das nächste Ziel vor Augen. Sollte es einen Neustart bei der ebenfalls Pleite gegangenen Alitalia geben, wäre die Lufthansa an Gesprächen interessiert, sagte er.

Die seit Jahren dahinsiechende Air Berlin ist seit Mitte August insolvent. Spohr hatte schon länger mit Teilen der Rivalin geliebäugelt und dann auch als erster ein Angebot vorgelegt. Jetzt sollen insgesamt 81 Maschinen, darunter die der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki und der Regionalfluggesellschaft LGW, übernommen werden. Der Kaufpreis von 210 Millionen Euro könne sich bis zum endgültigen Vollzug, der erst nach dem grünen Licht der Kartellbehörden möglich ist, noch ändern, erklärte Air Berlin.

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, im Falle eines Verbots durch die Kartellaufsicht dürfe die Bundesregierung keine Ministererlaubnis erteilen, um den Deal durchzuboxen. Konkurrent Ryanair kündigte umgehend an, sich bei der EU über den Verkauf zu beschweren.

Bis zu 3.000 neue Stellen

Spohr hatte angekündigt, mit den Air-Berlin-Maschinen bis zu 3.000 neue Stellen zu schaffen. Die rund 1.700 Beschäftigten von Niki und LGW haben ihre Jobs sicher, da es hier einen Betriebsübergang gibt. Alle anderen können sich auf offene Stellen bewerben und haben dies zum Teil schon getan. "Das sind tolle Leute, deswegen will ich auch möglichst viele von denen zu uns holen", sagte Spohr insbesondere mit Blick auf die Crews. Insgesamt stecke die Lufthansa 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau von Eurowings.

Die Gewerkschaften pochen auf Garantien für die Mitarbeiter von Air Berlin, ohne Einbußen den Arbeitgeber wechseln zu können. "Es kann nicht sein, dass sich Piloten nach der Übernahme auf ihre eigenen Arbeitsplätze bewerben und dann auch noch Gehaltsabschläge von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssen, so wie es Lufthansa im Moment von den Piloten fordert", erklärte Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. "Die Mitarbeiter können leider alles andere als aufatmen."

Auch ver.di-Vorstandsmitglied und Lufthansa-Aufsichtsrätin Christine Behle warf dem DAX-Konzern vor, durch die Neueinstellungen gezielt vorzugsweise jüngere, billigere Arbeitskräfte übernehmen zu wollen. Die Lufthansa sei nur auf Profitsteigerung aus, entziehe sich aber der Verantwortung für die Mitarbeiter. Aktuell beschäftigt Air Berlin noch 6.200 Vollzeitmitarbeiter. Seit der Insolvenz seien schon 600 gegangen, sagte ein Sprecher.

EasyJet zögert noch

Die Verhandlungen mit EasyJet konnten anders als geplant noch nicht abgeschlossen werden. Die Briten waren an rund 30 Flugzeugen interessiert, zögerten zuletzt aber. Die Zeit drängt allerdings, weil Air Berlin zum Schutz der Gläubiger bis zum 28. Oktober den Flugbetrieb mit dem Teil der Flotte einstellen muss, der nicht zur Lufthansa wechselt. Zu den Gläubigern, die vorrangig bedient werden müssen, gehört die Bundesregierung mit ihrer Kreditlinie von 150 Millionen Euro.
Air Berlin war vor rund 40 Jahren gegründet worden. Dem Unternehmen wurde ein zu rasanter Expansionskurs zum Verhängnis. Zuletzt hielten nur noch Finanzspritzen vom Großaktionär Etihad die Flieger in der Luft.

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