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Unzählige Flüge gestrichen - Lufthansa-Töchter bundesweit bestreikt

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Eigentlich sollten die Warnstreiks der Kabinengewerkschaft Ufo kaum Auswirkungen auf den Flugverkehr haben. Nun kommt es doch bundesweit zu Ausfällen bei den Lufthansa-Töchtern.

Wegen eines Warnstreiks der Kabinen-Gewerkschaft Ufo kommt es zu Verspätungen und Flugausfällen. Größeres Chaos blieb bisher aber aus.

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In Terminal 1 des Frankfurter Flughafen läuft am Morgen fast alles wie gewohnt: Flugreisende ziehen ihre Koffer hinter sich her und strömen durch die Halle zu den Schaltern oder Gates, auf der Anzeigetafel sind um elf Uhr gerade einmal zwei Verspätungen angezeigt - und die nicht einmal von Lufthansa oder ihren Tochtergesellschaften. Nur eine Traube von Menschen hinter Fernsehkameras fällt auf. Sie warten auf die Protagonisten des bundesweiten Arbeitskampfes von der Lufthansa und der Kabinengewerkschaft Ufo.

Zehn Prozent Flugausfälle durch die Streiks

"Aus unserer Sicht laufen die Streiks sehr gut", sagt Daniel Flohr, Tarifvorstand der Ufo dann im Gespräch mit heute.de. "Aus Sicht der Passagiere umso ärgerlicher, denn die Lufthansa hat darauf verzichtet, auf unsere Ankündigung zu reagieren und keine Notfallpläne erstellt. Das heißt, Gäste sitzen am Gate und erfahren dann kurzfristig, dass ihr Flug heute nicht geht. Das wäre vermeidbar gewesen und das ist genau dieses russische Roulette mit den Gästen, dass hätte man sich ersparen können."

In Frankfurt sieht man zwar keine gestrandeten Fluggäste, doch andernorts gibt es sie. Nach Angaben der Lufthansa seien zwar die meisten Kolleginnen und Kollegen aus den Kabinen zum Dienst erschienen und 90 Prozent der Flüge fänden statt. Allerdings bedeutet das auch einen Ausfall von rund zehn Prozent aller Flüge der Lufthansa-Töchter bundesweit.

Ob in Hamburg, München, Berlin, Köln und Düsseldorf - oder auch vereinzelt am Frankfurter Flughafen: Überall sind heute Maschinen der Lufthansa Tochter-Gesellschaften am Boden geblieben. Betroffen sind Lufthansa-Tochter-Airlines - also Eurowings, Germanwings, Cityline und Sunexpress. Während es Flüge an den Drehkreuzen in Frankfurt und München am Vormittag und bisher nur vereinzelt trifft, kommt es etwa in Nordrhein-Westfalen, vor allem in Köln und Düsseldorf, vermehrt zu Flugausfällen. Denn diese Flughäfen sind zentrale Basen für Flüge der Eurowings und Germanwings. Passagieren, die von den Streiks betroffen sein könnten, rät der Konzern vor dem Gang zum Flughafen zu prüfen, ob für die fraglichen Flüge aktuelle Informationen vorliegen.

Der Warnstreik der Flugbegleiter dauert länger. Archiv
Der Warnstreik der Flugbegleiter dauert länger. Archiv
Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa

Lufthansa erkennt Ufo nicht an

In der Nacht hatte die Kabinengewerkschaft angekündigt, die zunächst nur für den Vormittag bis 11 Uhr geplanten Streiks über den ganzen Tag zu verlängern, weil die Lufthansa als Muttergesellschaft keine Verhandlungen mit der Gewerkschaft führen will. "Die Lufthansa hat sich nicht mal eine Stunde Zeit genommen, darüber nachzudenken, sondern hat einfach rundweg alles abgelehnt", kritisiert Flohr.

Die Lufthansa begründet auf der anderen Seite ihre Haltung damit, dass aus ihrer Sicht die Kabinengewerkschaft nicht tarif- und verhandlungsfähig sei. "Wir halten den Streik für rechtswidrig, weil die Vertretungsberechtigten des Ufo-Vorstandes und auch der Status der Ufo ungeklärt ist. Das haben wir in den vergangenen Tagen klar zum Ausdruck gebracht", sagte Lufthansa-Sprecher Martin Leutke.

Situation zwischen Lufthansa und UFO festgefahren

Über den Tag hinaus dürften weitere Streiks in den kommenden Tagen oder Wochen wahrscheinlich sein. Denn beide Seiten - Lufthansa und Kabinengewerkschaft Ufo - stehen sich ziemlich unversöhnlich gegenüber. Den Streiks voraus gegangen war nämlich ein tief gehender Streit zwischen der Lufthansa und den Arbeitnehmervertretern der Ufo. Innerhalb der Gewerkschaft gab es in den vergangenen Monaten ebenfalls Zerwürfnisse, in deren Verlauf mehrere Vorstände zurückgetreten waren. Deswegen erkennt die Lufthansa die Gewerkschaft als Verhandlungspartner nicht an.

Die Gewerkschaft auf der anderen Seite wirft der Fluggesellschaft vor, dies nur als Grund vorzuschieben, um die Gewerkschaft ins Abseits zu drängen. Lufthansa weist dies zurück. Da beide Seiten offenbar nicht an einen Tisch kommen, ist eine weitere Eskalation der Auseinandersetzung programmiert. "Lufthansa hat die Gangart in den letzten Tagen noch einmal enorm verschärft. Es geht nicht mehr nur um arbeitsrechtliche Konsequenzen, sondern auch wirklich ganz konkrete Arbeitsplatz-Bedrohungen, die ausgesprochen werden. Das lässt mir zumindest keine großen Hoffnungen darauf, dass die Lufthansa noch an Lösungen interessiert ist", sagt Daniel Flohr.

Unbefristete Streiks möglich

Die Gewerkschaft fordert unter anderem Gehaltserhöhungen, betriebliche Altersvorsorge und Teilzeitregelungen bei den Lufthansa-Töchtern. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, will die Gewerkschaft ihre Mitglieder in einer Urabstimmung bis 1. November zu möglichen unbefristeten Streiks befragen. Die Gewerkschaft rechnet in Folge mit Streiks im gesamten Lufthansa-Konzern, die länger als ein paar Stunden oder auch nur einen Tag dauern werden.

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