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Air-Berlin-Kaufvertrag unterschrieben - "Ein Meilenstein für die Lufthansa"

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Lufthansa-Chef Spohr nennt es einen "Meilenstein": Die Lufthansa wird deutlich mehr als die Hälfte der Flugzeuge der insolventen Air Berlin übernehmen. Mit diesem Schritt, so Luftfahrtexperten, macht die Airline ihre Billigflug-Tochter Eurowings europaweit konkurrenzfähig.

Mehr als die Hälfte der bisherigen Fluggesellschaft Air Berlin will die Lufthansa übernehmen – für 210 Millionen Euro. Bisherige Air Berlin-Mitarbeiter sollen sich bei Eurowings neu bewerben, über die restlichen Air Berlin-Teile stocken die …

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Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, der Lufthansa-Chef bestens gelaunt: Die Lufthansa übernimmt voraussichtlich bis Jahresende 81 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte. Damit ist es der Airline gelungen, sich die besten Teile der insolventen Air Berlin einzuverleiben, ohne jedoch ihre Milliardenschulden übernehmen zu müssen. Laut Chef Carsten Spohr sollen die Flugzeuge bei der Billigflugtochter Eurowings eingesetzt werden. Dazu sei eine Investition von 1,5 Milliarden Euro nötig, die bereits vom Aufsichtsrat genehmigt worden sei, erklärt Spohr.

Experten: Wichtiger Schritt für Lufthansa

Luftfahrtexperten werten die heutige Unterzeichnung des Kaufvertrags als wichtigen Schritt für die Lufthansa – vor allem für ihre Billig-Airline Eurowings. "Für die Lufthansa ist das ein guter Deal, weil er ihr erlaubt die Eurowings, die im Vergleich zu anderen Lowcost-Airlines wie Ryanair bislang noch ein Zwerg ist, in eine neue Größe zu bringen, die ihr eine europäische Relevanz gibt", erklärt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Durch den Kauf der 80 Maschinen sei es der Eurowings nun möglich, deutlich schneller zu wachsen und sich konkurrenzfähig zu machen. Flugzeuge und Besatzung auf dem freien Markt zu beschaffen, hätte deutlich länger gedauert. Und auch die Anleger jubeln: Die Aktie der Lufthansa befindet sich im Höhenflug. Sie kletterte zwischenzeitlich auf 25,54 Euro und erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang 2001.

Sinkende Preise erwartet

Noch ist der augenscheinlich perfekte Deal für die Lufthansa jedoch noch nicht ganz perfekt: Zuerst muss der Kauf von den europäischen Kartellbehörden geprüft werden. Kritiker fürchten einen eingeschränkten Wettbewerb. Experte Großbongardt geht davon aus, dass der Deal nur unter Auflagen genehmigt werde, was jedoch durchaus üblich sei: "Um Monopolisierung zu vermeiden, darf die Airline dann auf bestimmten Strecken zum Beispiel nur noch fünf statt zehn Mal am Tag fliegen."

Start- und Landerechte müssten dann an Konkurrenten abgetreten werden. Steigende Ticketpreise soll es laut Lufthansa-Chef Spohr nicht geben. Er gehe sogar von sinkenden Preisen aus, sagte er der "Rheinischen Post".

Personalbedarf von 3.000 erwartet

Vor der Lufthansa liegt nun viel Arbeit. Bis der Flugbetrieb mit den neuen Maschinen und Mitarbeitern reibungslos funktioniert, wird es laut Spohr sechs bis neun Monate dauern. Auch Großbongardt hält diese Zeitspanne für realistisch: "Die Lufthansa kauft kein Unternehmen mit funktionierenden Strukturen. Sie übernimmt Flugzeuge mit Flugbetriebsgenehmigung, Mitarbeiter müssen eingestellt und Flugzeuge umlackiert werden, das dauert seine Zeit."

Lufthansa-Chef Carsten Spohr schätzt den zusätzlichen Personalbedarf bei Eurowings auf 3.000 Personen und hofft, "dass möglichst viele davon von Air Berlin kommen“. Eine Übernahmegarantie für die Air-Berlin-Mitarbeiter gibt es nicht. Sie müssen sich nun auf die freien Stellen bei der Lufthansa bewerben und auch finanziell mit Einschnitten rechnen. "Die Bezahlung bei Eurowings wird mit großer Sicherheit niedriger sein als bei Air Berlin“, glaubt Großbongardt. Er rechnet mit einem Minus von etwa 10 bis 15 Prozent.

Offen ist zudem, wer die restlichen Teile der Air Berlin kaufen wird. Die Gespräche mit der britischen Fluggesellschaft Easyjet laufen noch. Die Briten waren an rund 30 Flugzeugen interessiert, zögerten zuletzt aber. Somit bleibt für viele der mehr als 8.000 Air-Berlin-Mitarbeiter die Zukunft ungewiss.

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