Sie sind hier:

Angebot für insolvente Airline - Lufthansa will etwa die Hälfte aller Air-Berlin-Flieger

Datum:

Die Lufthansa will etwa die Hälfte der Air-Berlin-Flotte übernehmen - und rechnet sich dafür gute Chancen aus. Laut Konzernchef Carsten Spohr bietet die Airline mit dem Kranich für bis zu 78 Mittelstreckenjets, was bis zu 3.000 Arbeitsplätze sichern könnte.

Das Bieterverfahren für die insolvente Air Berlin hat begonnen. Und damit auch das Bangen der rund 8000 Mitarbeiter. Denn – wie mittlerweile bekannt – hat die Lufthansa auf ein Angebot für die Langstrecken verzichtet.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

"Viel mehr werden wir kartellrechtlich gar nicht machen können", sagte Spohr. Einschließlich aller Umsteigflüge habe die Lufthansa-Gruppe in Deutschland einen Marktanteil von 34 Prozent. Dieser Wert werde auch für die Kartellbehörden entscheidend sein. "Deshalb sind wir optimistisch, dass das, was wir uns vorstellen, genehmigungsfähig ist", sagte Spohr.

Eine Entscheidung darüber, ob die Lufthansa bei der erwarteten Aufteilung von Air Berlin in diesem Umfang zum Zug kommt, sei nach der wichtigen Sitzung des Gläubigerausschusses am Donnerstag dann am Montag zu erwarten.

Angebot für bis zu 78 Flieger

Neben der Kranich-Airline gehören auch Easyjet, Condor, die British-Airways-Mutter IAG sowie die Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl und Niki Lauda zum Bieterkreis. Die Lufthansa hatte als erstes ihr Konzept für einen Teilkauf der Mitte August insolvent gegangenen Air Berlin vorgelegt, was der Erzrivale Ryanair als abgekartetes Spiel mit der Bundesregierung kritisiert hatte.

Spohr nannte erstmals offiziell Details seiner Offerte: Priorität habe für die Lufthansa, sich die 38 Maschinen von Air Berlin zu sichern, die schon für die Lufthansa-Tochter Eurowings geleast wurden. Dazu sollten 20 bis 40 weitere Maschinen für Kurz- und Mittelstrecken kommen. "Wir glauben, durch die Entwicklung in Berlin voraussichtlich bis zu 3.000 neue Mitarbeiter begrüßen zu dürfen", sagte Spohr. Das sei angesichts der Belegschaft von derzeit rund 130.000 bei Lufthansa eine riesige Zahl.

Für die mittlerweile schon größtenteils stillstehenden Langstreckenmaschinen der Air Berlin habe er nicht geboten, ergänzte Spohr. Die Langstrecke bei Eurowings solle in Düsseldorf und Berlin aus eigener Kraft wachsen. In den vergangenen zwölf Monaten seien im Konzern bereits 40 neue Flugzeuge angeschafft worden. Auch in den kommenden Jahren solle fast jede Woche eine Neuanschaffung zum Ausbau oder Ersatz alter Maschinen hinzukommen.

Lufthansa auf Scheitern vorbereitet

Der DAX-Konzern hat sich Spohr zufolge sowohl auf ein Gelingen als auch auf ein Scheitern des Air-Berlin-Verkaufs vorbereitet. "Diese 20 bis 40 werden wir sowieso darstellen", sagte Spohr. "Wir werden unseren Marktanteil erweitern."

Der Lufthansa-Chef bekräftigte, dass es in der "am stärksten zersplitterten Branche" eine Konsolidierung geben müsse. Dabei wolle die Lufthansa eine aktive Rolle spielen. Das Selbstbewusstsein des deutschen Marktführers ist nach zwei Jahren mit Rekordgewinnen gewachsen. Spohr ist auch für 2017 nach eigenen Worten zuversichtlich. An seiner guten Laune sei zu erkennen, "dass natürlich dieses Jahr noch deutlich besser läuft als schon die letzten beiden Rekordjahre".

Ver.di warnt vor Jobverlusten bei Langstrecke

Die Gewerkschaft ver.di lobte das Angebot, beklagte aber die wachsende Unsicherheit bei der Langstrecke. Aus der Zentrale hieß es am Donnerstag: "Wir begrüßen, dass die Lufthansa so viele Beschäftigte einstellen will. Doch wir bedauern auch, dass sie an der Langstrecke offenbar kein Interesse hat."

Bei den Langstrecken-Routen ist das Risiko von Jobverlusten nach wie vor groß. "Wir sind der Ansicht, dass aber gerade dieser Bereich ein guter Markt ist. Da sind gute Arbeitskräfte, die das Geschäft zu einem Erfolg führen können", erklärte ver.di in Berlin. In den Verhandlungen mit den Käufern nach den für Montag erwarteten Zuschlägen werde man daher "weiter darauf dringen, dass es Betriebsübergänge" vom alten auf die neuen Eigentümer geben kann.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.