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Interview - Schmutzige Luft tötet - keinen interessiert's

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Jedes Jahr sieben Millionen Tote durch Luftverschmutzung sagt die WHO. Alarmierende Zahlen. Und doch bleiben die Menschen eher gleichgültig. Warum? Wir fragen einen Umweltexperten.

Das Braunkohlekraftwerke BoA 2&3 (l) und das Kraftwerk Neurath in Grevenbroich
Das Braunkohlekraftwerke BoA 2&3 (l) und das Kraftwerk Neurath in Grevenbroich
Quelle: dpa

Schmutzige Luft tötet, und das nicht zu knapp. Laut jüngster WHO-Studie sterben jährlich sieben Millionen Menschen an dreckiger Luft. Doch wo längst ein kollektiver Aufschrei hätte ertönen müssen, bleibt es weitgehend still. Wo sauberere Alternativen zu Autos, Mofas und Kleinlastern in von Feinstaub belasteten Städten längst hätten Einzug halten müssen, stinkt, qualmt und dieselt es nach wie vor. Woran liegt es, dass uns diese alarmierenden Zahlen nur ein müdes Schulterzucken entlocken?

Drei Fragen zum Thema an Torsten Schäfer, Professor an der Hochschule Darmstadt und Redaktionsleiter des Portals "Grüner Journalismus".

heute.de: Sieben Millionen Tote weltweit durch Luftverschmutzung sagt eine aktuelle WHO-Studie. Das sind alarmierende Zahlen - und doch bleiben die Menschen eher gleichgültig. Warum ist das so?

Torsten Schäfer: Das ist in dem Bereich sicher die Frage: Wie vermitteln wir das? Man muss Nähe erzeugen. Die Menschen sind viel interessierter an Einzelschicksalen von Menschen, als an diesen Massenzahlen. Uns juckt auch nicht, wenn irgendwo ein Tier stirbt - passiert das im Zoo um die Ecke, ist das was anderes. Wenn etwas näher rückt, gibt es einen Nachrichtenwert. Es ist kein Problem der Information. Aber eine Information muss zu Wissen werden, durch Wissen wird Interesse geweckt und erst dann gibt es möglicherweise ein Bewusstsein für das eigene Verhalten und auch eine Änderung darin.

Zur Person:

heute.de: Die WHO schreibt, dass es in afrikanischen oder asiatischen Schwellenländern das Kochen auf offenen Feuerstellen ist und die damit verbundene Verschmutzung der Wohnungsluft oder der Luft der Unterkünfte, die zu Millionen von Todesfällen führt. Muss hier vor Ort mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden? Ist eine schnelle Veränderung hier überhaupt realistisch?

Schäfer: Diese Aufklärungsarbeit gibt es ja. Auch hier gilt: Man muss raus in die Slums gehen und die Leute vor Ort betreuen. Man muss ganz konkret das Kochverhalten dieser Menschen verändern. Effizienteres Kochen trainieren. Es wird gezeigt, wie man mit Solarkochern kocht. Wie man bestimmte Kocher baut. Läuft das Projekt jedoch aus, fehlt den Leuten vielleicht die Betreuung vor Ort und sie fallen zurück in ihren Alltag. Es muss also eine bessere Nachsorge geben, die Entwicklungsprojekte müssen stärker als bisher fortgeführt werden. Auch müssen in Asien die Motorräder und Kleinlaster raus aus den Städten; man sollte U-Bahnen bauen, wie es beispielsweise in Südamerika schon teilweise funktioniert.

heute.de: Von den Politikern wird uns suggeriert, dass Dinge Zeit brauchen und oft schwierig umzusetzen sind. Auch in Sachen Vorbildverhalten sucht man geeignete Kandidaten. Wäre das nicht wichtig, um den Leuten hier nahe zu bringen, dass sie schon mit kleinen Mitteln für eine bessere Luft sorgen könnten? Was für Mittel gibt es da?

Schäfer: Man kann Menschen stärker als bisher deutlich machen, dass ihre Lebensqualität eingeschränkt wird, wenn die Luft zum Atmen nicht gut ist. Und dass das direkt eine Einschränkung der persönlichen Freiheit und Entfaltung bedeutet. Das könnte in Gesprächen ein neues Narrativ werden, nach dem Motto: Was ist wichtig? Gutes Wasser, gute Luft, gute Böden. 'Fahre Fahrrad, damit die Luft in der Stadt besser wird!'   

Das Interview führte Nina Bogert-Duin.

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