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Protestanten in den USA - Martin Luther in God’s Own Country

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Es waren Protestanten, die vor fast 400 Jahren an Bord der "Mayflower" Amerika erreichten. Heute leben in den USA so viele Protestanten wie in keinem anderen Land der Welt.

Archiv: 666 Fifth Avenue Hochhäuser und die Thomas Episkopal Kirche in New York, aufgenommen am 07.12.2006
Episcopal-Kirche St. Thomas in New York Quelle: ap

"Welches große religiöse Ereignis fand am 31. Oktober vor 500 Jahren statt?" Die Befragten zucken mit den Schultern. Halloween? Wohl eher nicht. Es hat etwas mit einem Mann namens Martin Luther zu tun. "Ach so, Martin Luther King! Aber ist der schon so alt?"

Nicht zufällig Namensvettern

Martin Luther King, den schwarzen Bürgerrechtler, kennt in den USA jedes Schulkind. Mit dem Reformator Martin Luther, dem Mönch aus Wittenberg, können dagegen nur wenige etwas anfangen. Dabei sind der deutsche Theologe und der amerikanische Baptistenpfarrer nicht zufällig Namensvettern. Der Vater Martin Luther Kings war nach einer Reise durch Deutschland so beeindruckt vom Leben Luthers, dass er seinen eigenen und den Namen seines Sohnes von Michael King in Martin Luther King änderte.

Craig Harline, Geschichtsprofessor an der Brigham Young University in Utah, hat in den vergangenen Wochen Dutzende Amerikaner gefragt, ob ihnen irgendetwas zur Reformation oder dem Namen Martin Luther einfällt. Die Antworten: Schulterzucken, Kopfschütteln, Raten.

Protestierende Ameisen

Ein Kollege Harlines berichtet von ähnlichen Reaktionen: "Irgendjemand hatte online von meinem Buch über Protestanten gelesen. Das Wort Protestant kannte er nicht. Er machte aus 'Protestants' 'Protest Ants'. Mein Buch handelt demnach also von protestierenden Ameisen."

Laut einer repräsentativen Umfrage des PEW Research Center wissen immerhin 65 Prozent der Amerikaner, was während der Reformation passiert ist, dass sich Protestanten von der Katholischen Kirche abgespalten haben. Trotzdem kann die Mehrheit mit dem Jahrhundert-Ereignis nur wenig anfangen.

Amerika vertraut auf Gott

Dabei sind die USA ein Land, das tief im Protestantismus verwurzelt ist. Die ersten Europäer, die Anfang des 17. Jahrhunderts nach Nordamerika kamen, waren gläubige Protestanten, die vor religiöser Verfolgung aus ihrer Heimat flüchteten. Sie prägten jahrhundertelang Politik und Kultur in den USA. Die Vereinigten Staaten verstehen sich bis heute als "God’s Own Country". "In God we trust" ("Wir vertrauen auf Gott") steht auf jeder Dollarnote.

Zwischen Kalifornien und Virginia, Texas und Michigan leben noch immer mehr Protestanten als in jedem anderen Land der Welt. Die Reden von Politikern enden grundsätzlich mit den Worten "God bless America" (Gott segne Amerika) . Und obwohl in der Verfassung die Trennung von Staat und Kirche festgelegt ist, spielen Religion und Glaube nach wie vor eine wichtige Rolle in Gesellschaft und Politik. Die große Mehrheit der Kongressabgeordneten (91 Prozent) bezeichnet sich als Christen. Die meisten von ihnen, 56 Prozent, sind Protestanten.

Vom Glauben abgefallen

In der amerikanischen Bevölkerung nimmt die Zahl der bekennenden Protestanten dagegen seit Jahren rapide ab. Weniger als die Hälfte der Amerikaner, 46,5 Prozent, bekennt sich noch zum Protestantismus.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Nichtgläubigen. Knapp 23 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich inzwischen als Atheisten, Agnostiker oder nicht gläubig. Tendenz steigend. Vor allem jüngere, besser gebildete Amerikaner verabschieden sich aus den Kirchen. Die Bevölkerung der USA ist längst nicht mehr mehrheitlich weiß und christlich, sondern bunt und multireligiös.

Der Religionsforscher Robert Jones ist sich jedenfalls sicher, dass das Zeitalter des Protestantismus in Amerika zu Ende geht. "Die Vorherrschaft der weißen Christen ist endgültig vorbei."

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