"King Bibi" im Spiel mit Medien und Macht

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Israels Premier Netanjahu - "King Bibi" im Spiel mit Medien und Macht

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In Israel nennen sie ihn "King Bibi". Die einen bewundernd, die anderen verachtend. Premierminister Benjamin Netanjahu polarisiert. Ein Machtmensch, der Geschichte schreiben will.

Er will der am längsten amtierende Premierminister seines Landes werden und den legendären Staatsgründer Ben Gurion übertrumpfen: Benjamin Netanjahu. Dazu sind ihm im Wahlkampf alle Mittel Recht. Der 69-Jährige wusste schon lange vor Donald Trump, wie man die sozialen Netzwerke für sich nutzt. "King Bibi" sendet seine Nachrichten schon lange lieber direkt an die Bürger. Bots und Fake Accounts nutze er, um seine Gegner zu diskreditieren und Lügen zu verbreiten, heißt es. Er ist ein Mann der Medien, er liebt die Öffentlichkeit, die große Bühne, so lange er all diese Räume kontrollieren kann.

Liebhaber der großen Bühne

Er benimmt sich, als sei er der Präsident der Supermacht oder zumindest mal der Präsident von China.
Bill Clinton über Benjamin Netanjahu

Bereits als junger Diplomat in den USA hat er Rhetorik- Sprechunterricht bei der berühmten Lilyan Wilder genommen. Sie coachte auch Talkshow-Ikone Oprah Winfrey, US-Präsident George Bush und viele andere Persönlichkeiten. Doch Netanjahu sei immer ihr bester Schüler gewesen, erzählte sie. Und er ist ihrer Methode immer treu geblieben: Die erlernten Fähigkeiten werden zu den Instrumenten seines Erfolges.

Zudem ist er mit der nötigen Chuzpe ausgestattet, dass sogar der ehemalige US-Präsident Clinton nach dem ersten Treffen mit Netanjahu - bereits als junger Premier - über ihn sagte: "Er benimmt sich, als sei er der Präsident der Supermacht oder zumindest mal der Präsident von China."    

Ich spiele in einer anderen Liga, ich habe das kleine Israel zur Weltmacht gemacht.
Benjamin Netanjahu über sich selbst

Netanjahu liebt, seit jeher die große Bühne, die Zentren der Macht. Und so führt er auch seine aktuelle Kampagne entweder im Internet oder aus der Ferne, nutzt die Kontakte zu den mächtigen Männern der Welt, die ihm ganz freiwillig die Bühne überlassen und zudem noch Wahlkampfgeschenke machen.

Erst erkennt Trump die Golanhöhen als israelisches Territorium an und feiert mit Bibi im Weißen Haus und fünf Tage vor der Wahl produziert Bibi noch einmal große patriotische Bilder aus Moskau. Dort trifft er sich mit Putin und es werden ihm in einer großen Zeremonie die sterblichen Überreste eines israelischen Soldaten übergeben, der 1982 im Libanonkrieg gefallen war. Russland hatte den Leichnam in Syrien geborgen.  

Seite an Seite mit dem US-Präsidenten

Benjamin Netanjahu traf Donald Trump in Washington.
Benjamin Netanjahu (l.) mit Donald Trump und Mike Pence in Washington.
Quelle: Susan Walsh/AP/dpa

Netanjahus Message: "Ich spiele in einer anderen Liga, ich habe das kleine Israel zur Weltmacht gemacht". Und tatsächlich kann man kaum leugnen, dass es Netanjahu geschafft hat, den US-Präsidenten für sich und seine Politik zu gewinnen. Sein außenpolitisch größter Erfolg: Er hat Trump überredet, aus dem Atomabkommen mit Iran auszusteigen. Und überhaupt sind die Beziehungen zwischen den USA und Israel so stark wie nie zuvor, findet Netanjahu.

Es gibt keinen wie ihn, schwärmen seine Anhänger, er sei kein "Prime-Minister", sondern ein "Crime-Minister" verteufeln ihn seine Gegner. Zeitlebens verfolgen Netanjahu Skandale. Aktuell will der Generalstaatsanwalt Anklage wegen Korruption, Bestechlichkeit und Untreue erheben. Gute Berichterstattung habe er sich erkauft und zudem versucht, die Medien zu manipulieren. Er führe außerdem mit seiner Frau Sarah ein ausschweifendes Leben auf Staatskosten.

Netanjahu dreht den Spieß einfach um: Alles sei eine Verschwörung der Linken und der Medien - eben Fake News - auch so ein Begriff, den Netanjahu schon verwendet hat, als von Trumps Twitteraccount noch niemand etwas ahnte.

Sein zweiter Spitzname ist "Mr. Security"

Netanjahus Vater war Historiker. Er hat viel über Geschichte gewusst. Aber seine Sicht auf Geschichte war geprägt von Bedrohungen und dem Überlebenskampf des jüdischen Volkes und Israels. Mit diesen Grundängsten ist er stark verbunden.
Anshel Pfeffer

Politisch ist Netanjahu sich immer treu geblieben. Bis heute. Seine Agenda: Sicherheit steht über allem und so wird "King Bibi" auch mit zweitem Spitznamen "Mr. Security" genannt. In Bezug auf seine Feinde heißt es für ihn: keine Kompromisse. In der Palästinenserfrage ist er unerbittlich. Den Friedensprozess, den Rabin einst initiierte, lehnt er bis heute ab.

Sein Biograf Anshel Pfeffer, erklärt das so: "Netanjahus Vater war Historiker. Er hat viel über Geschichte gewusst. Aber seine Sicht auf Geschichte war geprägt von Bedrohungen und dem Überlebenskampf des jüdischen Volkes und Israels. Mit diesen Grundängsten ist er stark verbunden." "King Bibi's" politisches Versprechen "Mit mir seid ihr sicher" resoniert bereits seit Jahrzehnten stark in Israel. Und Sicherheit ist das entscheidende Thema, auch bei dieser Wahl. Und so gilt schon lange in Israel: Auf Bibi schimpfen und ihn trotzdem wählen schließt sich nicht unbedingt aus. 

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