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20 Jahre nach Präfektenmord - Korsika: Macron bei den Autonomisten

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Für Frankreichs Präsident Macron ist es seine bislang heikelste Inlandsreise: Zwei Tage verbringt er auf Korsika. Die meisten Einwohner wollen mehr Unabhängigkeit von Paris.

Emmanuel Macron auf Korsika am 6.2.2018
Macron enthüllte ein Schild für den Ort, an dem der Präfekt Claude Erignac vor 20 Jahren erschossen wurde - auf Französisch und Korsisch. Quelle: ap

Jean Biancucci lässt ein geriffeltes Ziegenhorn in das heiße Öl einer Fritteuse gleiten. Ein paar Minuten später holt er es mit einer Zange raus und legt es in einen Schraubstock, um es zu pressen. Später wird einmal ein Messerschaft daraus.

Der 69-jährige Korse ist gelernter Messerschmied und außerdem auch Bürgermeister des winzigen Bergdorfes Cuttoli und Mitglied des korsischen Exekutivrats, der Inselverwaltung. Und er zählt zu den ersten Mitglieder der Unabhängigkeitsbewegung, die das Leben auf der Insel in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat.

"Wir sind einfach anders als die Franzosen"

"Natürlich sind die Korsen ein eigenes Volk", erklärt der schnauzbärtige Korse. "Wir haben eine eigene Kultur und wir sind einfach anders als die Franzosen", sagt Biancucci, der berufsgemäß gerne messerscharf argumentiert.

Karte von Korsika
Karte von Korsika Quelle: ZDF

Wie viele andere Korsen wünscht er sich er einen Sonderstatus für seine Insel. Die korsische Sprache, die dem Italienischen nähersteht als dem Französischen, soll seiner Ansicht nach Amtssprache werden. "In der französischen Verfassung steht, dass Französisch die Sprache der Republik ist. Das heißt doch, dass man die Realität verleugnet", schimpft er.

Frankreich tut sich schwer mit den Regionalsprachen

Tatsächlich tut sich das zentralistische Land schwer mit dem Korsischen, aber auch mit dem Bretonischen, Elsässischen oder Baskischen. Frankreich hat bis heute noch nicht die Europäische Charta zum Schutz von Minderheiten- und Regionalsprachen ratifiziert.

Wenn Präsident Emmanuel Macron heute mit den Vertretern der korsischen Regionalverwaltung zusammen trifft, wird die Anerkennung des Korsischen als Amtssprache auch ein Thema sein. Macron hatte im Wahlkampf angedeutet, dass eine Verfassungsänderung im Sinne der Korsen denkbar sei. Aber ob es tatsächlich dazu kommt, ist unklar, da Macron für eine Verfassungsreform nur schwer die nötige 3/5-Merhehit zusammenbekommen wird.

20. Jahrestag der Ermordung des Präfekten Claude Erignac

Anlass des Macron-Besuchs ist der 20. Jahrestag der Ermordung des Präfekten Claude Erignac, des höchsten Vertreters des Zentralstaats auf der Insel. Es war ein trauriger Höhepunkt des jahrzehntelangen Kampfes der korsischen Unabhängigkeitsbewegung. Erst 2014 hat die Gruppe FLNC sich vom bewaffneten Kampf losgesagt.

Der Mörder des Präfekten, Yvan Colonna, wurde 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt. Verteidigt hatte ihn Gilles Simeoni, der heute Präsident der Regionalverwaltung ist. Er hatte vor der Gedenkfeier betont, dass es Zeit sei, ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen der Zentralregierung und der eigenwilligen Insel aufzuschlagen. "Der Mord von Erignac ist der schlimmste Akt, der das Verhältnis zwischen Frankreich und Korsika geprägt hat", sagte er. "In einem Konflikt gibt es Tote und Trauer auf beiden Seiten, es gibt Rachegefühle auf beiden Seiten - wenn man das nicht wahrnimmt, dann ist man von der Versöhnung noch weit entfernt."

Starkes Symbol der Versöhnung

Macron will seine Grundsatzrede zu Korsika erst am Mittwoch in der Inselhauptstadt Bastia halten. Aber ein starkes Symbol gab es schon gleich zum Beginn seines Besuchs: Der Ort, an dem der Präfekt erschossen wurde, heißt jetzt "Platz Claude Erignac". Und das feierlich enthüllte Schild ist zweisprachig, Französisch und Korsisch.

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