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Macron in der Vorstadt - Banlieues plagen andere Sorgen als Gelbwesten

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"Netter als im Fernsehen": Macron hat mit Jugendlichen in den Pariser Randbezirken geredet - und Sympathiepunkte gesammelt. Ihre Sorgen sind andere als die der Gelbwesten.

Frankreichs Präsident Macron sucht im Rahmen seiner „Nationalen Debatte“ den Dialog mit den Bürgern, um den Gelbwesten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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Elidjah kann es immer noch nicht fassen. "Dass er bis zu uns hierher kommt und sich unsere Probleme anhört, das ist schon toll", sagt die 17-Jährige. Stolz zeigt sie ihr Mobiltelefon, auf dem das Mädchen mit der Afro-Frisur grinsend neben Emmanuel Macron zu sehen ist. "Er ist netter als im Fernsehen, er hat mit uns gelacht", sagt ihre Sitznachbarin Marie-Jeanne.

Helle Begeisterung ausgelöst

Der französische Präsident hatte am Montag unangekündigt einen berufsvorbereitenden Kurs in der Pariser Vorstadt Évry-Courcouronnes besucht - und bei den Jugendlichen helle Begeisterung ausgelöst. Und nachdem sie den ersten Schock über den hohen Besuch verwunden hatten, konnten sie ihm auch ihre Probleme schildern.

"Ich habe ihm erklärt, dass wir keine Chance auf ein gutes Praktikum haben, weil wir aus der Vorstadt kommen", sagt Leytha. "Unser Wohnort ist schon das erste große Hindernis." Die Leiterin des Hilfsvereins Generation II, Aisseta Cissé, bestätigt die Schwierigkeiten ihrer Schüler. "Die Familien hier in den Vorstädten haben kein Kontaktnetz, die Jugendlichen machen ihr Praktikum beim Metzger nebenan, und damit kommt man nun mal nicht weit."

Zeit für die Banlieues

Macron hatte sich zum ersten Mal seit Amtsantritt so richtig Zeit für die so genannten Banlieues genommen. Sechs Stunden diskutierte er am Montagabend mit Bürgermeistern und Vertretern von Sozialvereinen in der Stadthalle von Évry-Courcouronnes. Die oft heruntergekommenen Vorstädte rund um Paris oder im Norden von Marseille sind ein heikles Gelände für französische Politiker. 2005 war es nach dem Tod von zwei Jugendlichen auf der Flucht vor der Polizei zu wochenlangen Unruhen gekommen.

Seitdem hat sich an der Vorstadtmisere nicht viel geändert: Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit, in manchen Orten verlässt die Hälfte der Kinder die Schule ohne jeden Abschluss. Macron hat am Ende der Debatte angedeutet, dass er die vom Staat subventionierten Arbeitsplätze - auf die viele Hilfsvereine in den Vorstädten angewiesen sind - doch nicht so massiv streichen werde, wie ursprünglich geplant. 2017 hatte der Staat noch 320.000 Arbeitsplätze finanziert, 2019 sollen es nur noch 130.000 sein.

"Ich fühle mich von den Gelbwesten nicht vertreten"

Der freundliche Empfang bei den Vorstadt-Jugendlichen dürfte dem Präsidenten gut getan haben. Auf sämtlichen Selfies, die die Jungen und Mädchen herzeigen, lächelt der Präsident entspannt und zufrieden. Auch am Eingang zur Stadthalle, wo die eigentliche Debatte stattfand, hatten sich nur wenige präsidentenfeindliche Gelbwesten eingefunden. Als eine dunkle Limousine vorfuhr, gab es ein paar Buhrufe und Pfiffe.

Kong Modzu Koti aus Grigny
Kong Modzu Koti aus Grigny
Quelle: ZDF

Die meisten Gelbwesten waren extra angereist. Die Bewegung, die Mitte November aus Protest gegen Steuererhöhungen und aus Angst vor dem Abrutschen in die Armut entstanden war, hat in den Vorstädten bislang kaum Fuß gefasst.

"Ich fühle mich von den Gelbwesten nicht vertreten", meint Kong Modzu Koti aus der Vorstadt Grigny, der als Vertreter eines Hilfsvereins zur Debatte mit Macron eingeladen war. "Wir haben hier schon seit langem all die Probleme, die die anderen jetzt erst bekommen." Das Treffen mit dem Präsidenten fand Modzu Koti gut - aber er ist wenig optimistisch, dass sie in den Vorstädten irgendetwas ändern wird. "Die Debatte führt letztlich zu nichts. Nächstes Jahr werden wir uns genau dieselben Fragen stellen", meint er.

Ulrike Koltermann ist Redakteurin im ZDF-Studio in Paris.

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