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Fessenheim bis 2020 am Netz - Frankreich bleibt Atomland

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Macron schiebt das Abschalten von Atomreaktoren auf die lange Bank. Zehn Jahre später als von Hollande geplant, soll Frankreich den Anteil des Atomstroms auf 50 Prozent senken.

Das Akw Fessenheim steht nahe der deutschen Grenze.
Das Akw Fessenheim steht nahe der deutschen Grenze.
Quelle: Patrick Seeger/dpa

Auf diese Aussage des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hatten viele in Deutschland gewartet: Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs in Fessenheim, direkt an der Grenze zu Deutschland, soll 2020 schließen. Es war das erste Mal, dass Macron sich auf ein Datum festlegte - aber es war keineswegs das erste Mal, dass ein französischer Politiker das Abschalten des pannenanfälligen Atomkraftwerks ankündigte. Sein Vorgänger Francois Hollande hatte es eigentlich noch vor 2016 schließen wollen.

Das AKW Fessenheim in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze ist das älteste noch laufende Kernkraftwerk Frankreichs. Kritiker sehen es schon lange als großes Sicherheitsrisiko.

Cattenom nicht auf der weiteren Liste

Auch das Ziel, den Anteil des Atomstroms in Frankreich zu verringern, hat Macron um zehn Jahre nach hinten geschoben. Bis 2035 sollen nun weitere Reaktoren abgeschaltet werden, damit Frankreich nur noch 50 Prozent Atomstrom produziert statt wie bisher etwa 75 Prozent.

Betroffen sind vermutlich die ältesten Atomkraftwerke, etwa Tricastin, Bugey und Gravelines. Cattenom, das zweitgrößte französische Atomkraftwerk, das auch nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt liegt, ist 1986 ans Netz gegangen und gerade erst generalüberholt worden. Es gehört also eher nicht zu den Abschaltkandidaten.

Nun ein Blick nach Frankreich: Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1986 soll es im französischen Atomkraftwerk von Cattenom mehr als 800 sogenannte "meldepflichtige Vorfälle" gegeben haben. Um für die Sicherheit der Anlage zu werben, lud der Betreiber nun …

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Atomstrom in Frankreich weniger umstritten

Während Macrons laufender Amtszeit bleiben also alle Atomkraftwerke am Netz – und das erspart dem Präsidenten eine Menge Ärger. Franzosen haben grundsätzlich ein wesentlich unkritischeres Verhältnis zur Atomkraft als Deutsche. Zum einen ist Frankreich auch militärisch eine Atommacht, was Grund für nationalen Stolz ist. Zum anderen profitieren Franzosen seit langem von subventionierten Strompreisen.

Und schließlich hat Atomstrom mit Blick auf den Klimawandel den großen Vorteil, dass es im Vergleich zu fossilen Brennstoffen relativ wenig Treibhausgase produziert. "Atomkraft ermöglicht uns eine CO2-arme und kostengünstige Energie. (…) Ich bin ja nicht mit dem Ziel des Atomausstiegs gewählt worden, sondern mit dem Ziel der Reduzierung, und daran halte ich fest", betonte Macron am Dienstag.

Karte: Fessenheim - Freiburg - Frankreich - Deustchland

Quelle: ZDF/Vu

Abschaltung von Fessenheim kostet Geld und Arbeitplätze

Dass das Abschalten von Fessenheim sich immer wieder verzögert hat, lag nicht nur am Widerstand der lokalen Bevölkerung, die um Arbeitsplätze und kommunale Steuereinnahmen fürchtete. Macron hatte den Fehler begangen, die Schließung von Fessenheim an die Inbetriebnahme des Druckwasser-Reaktors in Flamanville zu koppeln.

An dem bauen die Franzosen schon seit 2007, und er wird immer teurer, ist aber noch lange nicht fertig. Umweltminister Francois de Rugy hatte sich deswegen kürzlich dafür ausgesprochen, über Fessenheim unabhängig von Flamanville zu entscheiden.

Mehr als 2.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Wenn die Atomreaktoren in Fessenheim nach all dem Hin und Her nun wirklich vom Netz genommen werden, wird es den Staat eine Menge Geld kosten. Mehr als 2.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, und die Regierung hat bereits massive Investitionen angekündigt, um in der strukturschwachen Region Alternativen aufzubauen. Frankreich hofft nicht zuletzt auf deutsche Unternehmer, die sich von Steuerbegünstigungen anlocken lassen.

Die Fessenheim-Ankündigung von Macron war Teil seiner Energiestrategie für die kommenden Jahre. Diese Rede wurde in Frankreich aber in erster Linie als Antwort auf die Proteste der sogenannten Gelbwesten wahrgenommen.

Was als Aufschrei in den sozialen Netzen gegen erhöhte Spritpreise begonnen hatte, hat sich mittlerweile in allgemeinen Unmut gegen die Reformpolitik des Präsidenten ausgewachsen. Am Wochenende hatten sich Randalierer unter die Demonstranten gemischt und auf der Prachtstraße Champs-Elysées erhebliche Sachschäden verursacht.

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