Sie sind hier:

Treffen in Washington - Trump - Macron: Gefährliche Freundschaft

Datum:

Mit seinem französischen Kollegen Macron hat US-Präsident Trump erstmals einen offiziellen Staatsgast empfangen. Macron reiste mit seiner Frau Brigitte nach Washington.

Donald Trump und Emmanuel Macron
Donald Trump und Emmanuel Macron in Washington Quelle: ap

Männerfreundschaften haben ihre eigenen Rituale. Vor allem bei Spitzenpolitikern, die gerne über Gesten ihre Macht demonstrieren. Die ganze Welt schaut zu, wie sie sich begegnen. Wer dominiert wen? Das erste Aufeinandertreffen von Trump und Macron wird wohl in die Geschichte eingehen. Geschlagene 29 Sekunden schüttelte der Franzose dem Amerikaner die Hand. Macron presste so fest zu, dass die Handknochen bei Trump weiß anschwollen. Eine Botschaft, die jeder verstand. "Ich bin Dir gewachsen", signalisierte der Franzose dem US-Präsidenten.

Respekt für Macron

Der hatte kurz vorher dem japanischen Regierungschef Abe die Hand zerdrückt. Macron wollte nicht das gleiche Schicksal erleiden und hielt dagegen. Die Welt bejubelte ihn dafür. Ein später Triumph von Old Europe über die USA. Es war der Anfang einer wundersamen Männerfreundschaft.

Der US-Präsident respektiert den Franzosen. In Europa hat er wohl zu keinem anderen Regierungschef ein engeres Verhältnis. Macron hat Angela Merkel vom europäischen Thron gestoßen. Er ist jetzt der Ansprechpartner Nummer eins für das Weiße Haus. Das kann man allein daran sehen, wie fürstlich Macron und seine Frau Brigitte in Washington empfangen werden. Drei Tage lang nehmen sich Trump und seine Frau Melania Zeit. Das Programm lässt die Wertschätzung erahnen: Gemeinsamer Rundflug über Washington, Besuche des Landsitzes des ersten US-Präsidenten, Staatsdinner, gemeinsame Pressekonferenz und zum Schluss darf Macron noch vor dem US-Kongress sprechen. "All inclusive" nennt man das wohl.

Kritikerin Merkel - Verführer Macron

Dagegen bekommt die Bundeskanzlerin, die am Freitag eintrifft, lediglich einen Arbeitsbesuch. Um es höflich auszudrücken: Die beiden verwirren einander. Trump hat Merkel während seines Wahlkampfes für ihre Flüchtlingspolitik heftig kritisiert, die Kanzlerin hat den US-Präsidenten nach seiner Wahl ermahnt, die amerikanischen Werte nicht zu verraten. Trump, der ein Ego wie ein Hochhaus hat, vergisst so etwas nicht. Er kann mit Kritik nicht wirklich umgehen.

Der Franzose Macron beherrscht dagegen die Kunst der Verführung eitler Männer. Er lud Trump zu der Militärparade am 14. Juli in Paris ein. Der US-Präsident steht auf Uniformen und schwere Waffen und war so begeistert, dass er jetzt selber eine Militärparade in Washington veranstalten will. Am 11. November soll sie sich durch die Hauptstadt schlängeln, gewaltig soll sie sein. Meine ist größer als Deine, will uns wohl Trump sagen.

Macron sucht Nähe von Trump

Wie er überhaupt manchmal zu ungewöhnlichen Formulierungen neigt. Macrons Frau Brigitte, die 24 Jahre älter ist als ihr Mann, musterte Trump bei einem Zusammentreffen von oben bis unten, um dann festzustellen: "Du bist ja noch gut bei einander."

Emmanuel Macron haben Trumps Verrücktheiten, seine Grenzenlosigkeit und Aggression nie abgeschreckt. Er hat weiter seine Nähe gesucht. Er hat ignoriert, dass der US-Präsident bei den Treffen oft keine Ahnung hatte, sich nichts aufschrieb und keine Agenda verfolgte, sondern dass die Treffen eher Kneipengesprächen unter Freunden ähnelten. So jedenfalls beschreiben Macrons Mitarbeiter die Zusammenkünfte.

Macron als "Trump-Whisperer"

In den USA nennen sie Macron auch Trump Whisperer, Trumps Einflüsterer. Ein Titel der verpflichtet, zu liefern. Denn gleich bei drei Themen sperrt sich der US-Präsident gegen die Wünsche der Europäer. Trump droht, Mitte Mai das Iran-Abkommen aufzukündigen. Die Europäer sind strikt dagegen. Ein solcher Schritt würde ihrer Ansicht nach die ganze Region destabilisieren. Denn Iran würde wieder sein Atomprogramm aufnehmen. Macron soll Trump davon abbringen.

Dann sind da noch Trumps Pläne, die 2.000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen und Europa mit Zöllen zu bestrafen. Auch da hofft ganz Europa auf Macrons Überzeugungskraft. Jetzt muss sich zeigen, ob Macrons Taktik des Schmeichelns Früchte trägt, ob das brüderliche Schulterklopfen, das endlose Händeschütteln, die innigen Umarmungen mehr sind als hohle Gesten zweier testosterongetriebener Alpha-Tiere.

Trump im Zweifel auf Wählerkurs

Der Franzose wäre nicht der erste, den Trump enttäuscht. Denn wenn sich der US-Präsident entscheiden muss, entweder seine Wählerbasis zu befriedigen oder einen neuen "Freund" vor dem Kopf zu stoßen, dann ist sich bisher Trump immer treu geblieben. Er denkt zuerst an sich und damit an seine Wähler.

Macron weiß: Wer sich mit Trump einlässt, geht ein Risiko ein. Bisher hat es sich gelohnt. Aber drei Tage voller schöner Bilder mit Familie Trump werden nicht ausreichen, um dem neuen Gipfelstürmer aus Paris dauerhaft einen Platz auf der politischen Weltbühne zu sichern. Denn Hände haben die beiden genug geschüttelt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.