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Macron besucht Trump - Partner auf Augenhöhe

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Unterschiedlicher könnten beide nicht sein: Und doch scheinen sich US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident Macron gut zu verstehen. Macron nennt Trump einen Freund.

Archiv: Emmanuel Macron und Donald Trump am 14.07.2017 in Paris
Emmanuel Macron und Donald Trump verstehen sich.
Quelle: dpa

Heute Abend bietet sich den beiden die Chance, ihre ungewöhnliche Männerfreundschaft auf höchstem politischem Parkett zu zelebrieren. Dann kommt Macron zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Washington. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch überhaupt seit Trumps Amtsantritt im Januar 2017. Macron ruft Trump oft an. Wo andere Staatenlenker im Umgang mit dem als impulsiv verschrienen US-Präsidenten lieber Vorsicht walten lassen oder schlicht nicht schlagkräftig genug sind, setzt der französische Staatspräsident auf eine geballte Charme-Offensive. Macrons Kalkül: Es ist viel klüger und ungefährlicher, das Gespräch mit Trump zu suchen, als ihn zu isolieren.

Am Sonntag etwa verteidigte der als moderat und progressiv geltende französische Präsident seine Annäherungsversuche an den konservativen Trump in einem Interview des Senders Fox News. "Ich werde kein Urteil darüber abgeben (...), was euer Präsident sein soll, oder annehmen, dass aufgrund dieser Kontroversen oder dieser Ermittlungen euer Präsident weniger glaubwürdig ist", sagte Macron. Er bezeichnet Trump demonstrativ als "Freund". "Er darf Trump Sachen sagen, wie international kaum ein Zweiter", heißt es in US-Medien.

Macron profitiert von Reise

Von einem erfolgreichen Staatsbesuch in Washington dürfte aber vor allem einer am meisten profitieren: Emmanuel Macron. Er möchte gerne sein Image als das Gesicht des modernen Europa festigen - und jenes als wichtigster Verteidiger der liberalen Weltordnung. Dabei dürfte Macron beweisen wollen, dass an Frankreich kein Weg vorbeiführt, wenn es um die Lösung von Weltproblemen wie dem Atomkonflikt mit dem Iran oder internationalen Handelsdisputen.

Für seinen Gast fährt Trump ein eindrucksvolles Programm auf, dass für Macron und seine Gattin Brigitte mit einem privaten Dinner im geschichtsträchtigen Mount Vernon, Landsitz des ersten Präsidenten George Washington, beginnt und ihn am Dienstag ins Weiße Haus zu hochrangigen Gesprächen sowie später auf den berühmten Militärfriedhof Arlington führt. Am Abend folgt dann ein Staatsbankett im State Dining Room, organisiert von Melania Trump. Als Mitbringsel erhält Trump übrigens eine junge Eiche von den Gefechtsfeldern des 1. Weltkriegs in Frankreich.

Mehrere Streitpunkte

Und so dürfte Macrons Washington-Besuch aus Sicht von Beobachtern vor allem Symbolkraft verströmen, mit großen Durchbrüchen ist nicht zu rechnen. Denn bei aller Freundschaft ist klar, dass Macron und Trump bei nicht wenigen zentralen Themen über Kreuz liegen. Zunächst die Klimapolitik. Macron steht natürlich hinter dem Pariser Abkommen.

Dann die Iran-Politik. Frankreich ist der energischste Verfechter des Abkommens von 2015. Auch das will Trump im Mai aufkündigen. Macron hofft, seinen Gastgeber diese Woche davon überzeugen zu könne, doch an Bord zu bleiben. Und dann ist da der Handel. Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die für Freitag auch einen Washington-Besuch plant, stellen sich gegen Trumps Strafzölle auf Stahl und dessen Vision von "America First" (America zuerst), der er so gut wie jede politische Erwägung unterordnet.

Wenn nun bei diesen Streitpunkten kein großer diplomatischer Wurf bei Macrons Visite zu erwarten sind, so könnte er das langfristige Ziel verfolgen, zumindest einige politische Differenzen mit der Zeit abzumildern. Das Präsidialbüro in Paris hat schon mal vorsorglich die amerikanisch-französische Zusammenarbeit bei jüngsten Luftangriffen auf Ziele in Syrien als Modell für künftige gemeinsame Aktionen hervorgehoben.

Macron weiß Trump zu nehmen

Doch wie ist es Macron überhaupt gelungen, einen US-Präsidenten für sich zu gewinnen, der Kränkungen bekanntermaßen ziemlich übel nimmt? Während andere Staatenlenker Trump das Gefühl geben, ein Außenseiter zu sein, nehme Macron ihn so, wie er sei und zolle ihm Respekt statt ihn mit Geringschätzung zu behandeln, sagt Nicolas Dungan von der in Washingtoner Denkfabrik Atlantic Council. "Es ist eine sehr effektive Strategie der Einflussnahme. "Und neben seinem einwandfreien Englisch hilft Macron sicherlich seine Fähigkeit, auch mal den hartleibigen Politiker zu mimen, wenn es denn sein muss.

Dieses Spiel scheint Trump ganz besonders zu schätzen. Das legte zumindest sein erstes Zusammentreffen mit Macron beim NATO-Gipfel im Mai 2017 nahe: Beherzt ergriff Frankreichs frischgebackener Staatspräsident die Hand des für knochenharte Handschläge berüchtigten Trump - und ließ sie so schnell nicht los. Obwohl er vom Körpermaß her viel kleiner und jünger als Trump ist, demonstriert der 40-jährige Macron, dass er für den mehr als 30 Jahre älteren US-Präsidenten ein Sparringspartner auf Augenhöhe ist. In Trumps Welt der Konfrontation komme Macron "pfeilgerade" rüber, als ob "er bereit für einen Kampf" sei, findet François Heisbourg, ein Ex-Berater der französischen Regierung und Chef der britischen Denkfabrik IISS. "Macron verdreht ihm den Arm. Und das ist der Beginn einer großartigen Freundschaft."

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