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Busunglück auf Ferieninsel - Madeira kämpft um seinen Ruf

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Der Busunfall mit mindestens 29 Toten hat bei den Menschen auf der Ferieninsel Madeira Spuren hinterlassen. Er trifft sie dort, wo es sie am meisten schmerzt: beim Tourismus.

In Madeira dauert die Identifizierung der Toten noch an. Der Grund dafür sei die Schwere des Unfalls, so ZDF-Korrespondent Axel Storm.

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Sie ist eine Perle im Atlantik, die Blumeninsel Madeira. Ihr Versprechen: Angenehme 20 bis 25 Grad fast das ganze Jahr, schöne Strände, die selbst im Sommer nicht so überfüllt sind wie viele der kanarischen Konkurrenz-Inseln weiter im Süden. Hunderttausende Touristen folgen diesem Versprechen. Jedes Jahr. Die meisten kommen aus England - und Deutschland. Ein Urlaubsparadies.

Schon bei der Ankunft am Flughafen der Inselhauptstadt Funchal trifft man deutsche Touristen, gerade erst gelandet. Werner Bichel und Anja Brockmöller kommen aus Hamburg, wollen 10 Tage bleiben. Über Ostern.
"Wir sind mit einem mulmigen Gefühl hierher gefahren. Das ist schon bedrückend. Wir machen hier Urlaub. Die anderen wollten hier auch Urlaub machen und sind tragisch ums Leben gekommen."

Verletzte waren "sehr ruhig, sehr gefasst"

Die anderen: Das sind die mindestens 29 toten deutschen Touristen und 27 Verletzten. Verunglückt auf dem Weg zu einem traditionell portugiesischen Abendessen. Wenige Meter nach Abfahrt im Hotel geriet der Reisebus ins Schlingern und stürzte in einer scharfen Linkskurve einen steilen Abhang hinunter.

Die Verletzten waren "sehr ruhig, sehr gefasst, natürlich noch im Schockzustand. Niemand hat sich beschwert, niemand hat angeklagt", erzählt Pastorin Ilse Everlien Berardo, die seit über 30 Jahren auf Madeira lebt und die deutsche evangelische Gemeinde leitet. Sie war als eine der ersten Seelsorgerinnen vor Ort. Viele seien sehr dankbar gewesen. "Dieses Gefühl 'ich habe überlebt' habe ich ganz stark gespürt."

Schweigeminute für die Toten

Gut 24 Stunden nach dem Unfall reist Außenminister Heiko Maas (SPD) zum Unfallort, legt einen weißen Blumenkranz nieder. Eine Schweigeminute für die Toten folgt. "Das ist ein schreckliches Ereignis. Ich finde, wir können in Deutschland nicht alle nur zuschauen und uns auf Ostern freuen." Maas versichert: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Verletzten, die transportfähig sind, nach Hause zu bringen, die ums Leben Gekommenen zu identifizieren, die Angehörigen zu informieren."

Völlig unbeeindruckt vom Medientrubel und den Politikerinterviews arbeitet ein Portugiese in Gelbweste. Fein säuberlich streicht er die Betonbegrenzungen der Unglücksstraße in gelb-schwarz. Erst am Morgen waren sie aufgestellt worden. Vor dem Unterfall gab es weder Leitplanke noch Betonpfeiler. Aber hätten sie den Unfall verhindern können? Vermutlich nicht.

Madeira: Abhängig vom Tourismus

Dennoch ist die Botschaft eindeutig: "Madeira ist sicher für Touristen." Und abhängig von ihnen. Der Dienstleistungssektor macht 75 Prozent der Wirtschaftsleistung auf Madeira aus - Tendenz seit Jahren steigend. Verantwortlich dafür: in erster Linie Touristen. Auch deshalb gibt man sich bei Medienanfragen sehr zugeknöpft. Die meisten Anwohner sprechen nicht mit Medienvertretern, örtliche Reiseleiter lehnen Interviewanfragen ab, das Hotel, aus dem die Touristen kamen, wird gleich mit drei Sicherheitskräften vor den Medien abgeschirmt.

Zu groß die Sorge, der tragische Unfall könnte mit der Ferieninsel in Verbindung gebracht werden. So wie schon vor einem guten Jahrzehnt, als das letzte Mal ein Busunfall mit Touristen für Aufsehen sorgte. Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle für die Meisten hier. Und so hoffen sie, dass viele Medien den Vorfall als das nehmen, was er vermutlich war: ein tragischer Unfall.

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