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Venezuela - Streit um toten "Staatsfeind Nr. 1"

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Der Tod eines aufständischen Ex-Polizisten schockt Venezuelas Opposition. Ihr Vorwurf: Präsident Maduro ließ Regierungsgegner ermorden. Maduro selbst nennt sie "Terroristen".

Mitglieder des venezolanischen Geheimdienstes am 1501.2018 in Caracas
Jagd auf Oscar Peréz: Venezolanischer Geheimdienst in Caracas Quelle: ap

Seine letzten Botschaften kamen per Mobil-Telefon: Aus seinem Versteck heraus setzte der ehemalige Polizist Oscar Pérez blutüberströmt Botschaften an seine Landsleute ab. "Sie wollen nicht, dass wir uns ergeben, sie wollen uns ermorden." Vertraute von Pérez berichten später in der Opposition nahestehenden Medien, dass Pérez eine Warnung aus Kreisen des Militärs erhalten habe. Bei der Aktion der Sicherheitskräfte solle es keine Überlebenden geben.

Wie immer in Venezuela gibt es zwei völlig unterschiedliche Darstellungen des Sachverhaltes. Während regierungsnahe Sender wie der Nachrichtenkanal Telesur vom Tod der "Terroristen" berichtete, erhebt die venezolanische Opposition schwere Vorwürfe gegen die Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro. "Der Tod von Oscar Pérez war die Ermordung eines Oppositionellen", klagt Miguel Henrique Otero, Herausgeber der regierungskritischen Tageszeitung "El Nacional", die Regierung an.

Die mit dem Sacharow-Preis der EU ausgezeichnete Bürgerrechtsorganisation "Foro Penal" fordert das frei gewählte Parlament auf, die Umstände des Todes zu untersuchen. Was kaum Konsequenzen haben dürfte: Maduro hatte die Kammer jüngst durch eine regierungsnahe verfassungsgebende Versammlung ersetzt.

Staatsfeind Nummer Eins

Der Fall wühlt die Emotionen des krisengeschüttelten Landes auf. In den sozialen Netzwerken feiern Anhänger der Opposition Pérez als Helden, der sich für die Freiheit in Venezuela geopfert habe. Besonders Ehefrau Danahis Vivas erhält Zuspruch. Sie spricht von einem gezielten Massaker gegen Pérez und seine insgesamt sechs getöteten Mitstreiter. Bei dem Schusswechsel mit den Aufständischen kamen wohl auch zwei Sicherheitskräfte ums Leben. "Wir autorisieren keine Verbrennung der Leiche", stellte Vivas klar. Offenbar befürchtet Perez' Ehefrau, dass die sterblichen Überreste ihres Mannes verbrannt werden könnten, damit alle Spuren beseitigt werden.

Die wirtschaftliche Lage in Venezuela spitzt sich weiter zu: Viele Menschen leiden und es kommt zu Plünderungen. Die EU verschärft die Sanktionen gegen die Regierung des Landes.

Beitragslänge:
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Datum:
Archiv: Oscar Perez am 13.07.2017 in Caracas
Oscar Peréz im Juli 2017 in Caracas Quelle: dpa

Pérez war Venezuelas Staatsfeind Nummer Eins. Als er vor ein paar Monaten mit einem Hubschrauber über Caracas flog und aus dem Helikopter Schüsse abgegeben worden sein sollen, schaffte er es weltweit in die Medien. Venezuelas Regierung sprach anschließend von einem Putschversuch. Seitdem kommt es immer wieder zu tödlichen Schießereien mit Aufständischen innerhalb des Militärs. Pérez verschwand im Untergrund, veröffentlichte aber Videos im Stile eines Guerilla-Kämpfers und rief darin zum Sturz der Regierung auf.

Katastrophale Versorgungslage

Die Opposition im Exil rief inzwischen zu Protesten auf: Am 22. Januar sollen die Venezolaner auf die Straße gehen, um gegen die Maduro-Regierung zu protestieren. Dann wird sich zeigen, wieviel Einfluss die Exil-Politiker noch auf die Geschehnisse in Venezuela haben. Allein in den letzten Monaten haben mehrere Hunderttausend Venezolaner wegen der katastrophalen Versorgungslage und der Hungersnot das Land verlassen. Fast alle waren Anhänger der Opposition.

Maduro verfolgt eine harte Linie gegen die Opposition. Gegen zwei katholische Bischöfe, die im Rahmen ihrer Sonntagspredigt die "Korruption für den wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Absturz" des Landes unter Maduro verantwortlich machten, will Maduro das umstrittene neue "Anti-Hass-Gesetz" zum Einsatz bringen. Genau das hatte die Opposition befürchtet: Das neue Gesetz diene vor allem dazu, öffentliche Kritik zu verhindern.

Die venezolanische Opposition befindet sich zunehmend in einer aussichtslosen Lage: Prominente Politiker, die Maduro für die anstehende Präsidentschaftswahl zur Gefahr werden könnten, sind entweder in Haft, unter Hausarrest, mit Berufsverbot belegt oder im Exil.

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